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Vorsicht vor Winkeladvokaten – so ziehen diese Räuber ihren ahnungslosen Mandanten mit großem Bluff massenweise Kleingeld aus dem Portemonnaie

Na, da schau her, diese Abzocker! In Blitzesschnelle ist einer von diesen Geldschneidern im Anwaltsrock zur Stelle. So zum Beispiel:

Nach 25 Jahren, 4 Monaten, 2 Wochen, 6 Tagen und 3 Kindern war alles aus – Egon Heist (47) aus Dünne lebte nur noch für seinen Verein! Die Ehe mit Linda (43) ging an seinem Hobby kaputt, endete vorm Scheidungsrichter und zerbarst in einem Scherbenhaufen. Der Küchenmöbelaufbauer und  Inneneinrichter  entschied sich gegen seine Frau und gegen seine Söhne Danny (23), Kevin (17), Nick (11), weil er frei sein wollte für seine Dart-Leidenschaft und seine Geliebte. Eleganter ausgedrückt: er fühlte sich im Bett bei seiner Vereinskameradin wohler als mit seiner Angetrauten. Kein halbes Jahr nach seinem letzten Hochzeitstag packte der Schürzenjäger eine Reisetasche und zog zu der neuen Errungenschaft.

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Der Weggang des Belami, den Linda mal aus tiefstem Herzen geliebt hat, der ihr jetzt plötzlich den Boden unter den Füßen wegzog, quälte sie jeden Tag. Er überließ ihr zwar generös das Haus, sie muss allerdings zusehen, wie sie mit der Hypotheken-Rückzahlung von über 600,- EURO im Monat von ihrer Erwerbsminderungsrente klar kommt. Sie ist an Morbus Crohn erkrankt, eine in Schüben verlaufende chronisch-entzündliche Darminfektion mit psychosomatischer Ursache (Konflikte in der Partnerschaft, Stress). „Ich liege jede Nacht wach, sehe uns auf dem Sozialamt betteln gehen, in der Armenküche um eine warme Mahlzeit anstehen – und meinen Ex als strahlenden Sieger engumschlungen mit seiner schmucken Perle bei Dartwettkämpfen. Gedanken und Bilder, die mich wahnsinnig machen“.

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So wahnsinnig, dass sie darüber grübelte, wie sie sich an dem einstigen Herzensbrecher rächen könnte. Doof war sie nicht mit dem Einfall: „Mensch, die Geschichte einer am Hobby des Mannes zerbrochenen Ehe lässt sich bestimmt gut verkaufen“. Sie wandte sich an verschiedene Verlage.

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Und tatsächlich: ihre Story wurde reich bebildert von mehreren Frauenzeitschriften abgedruckt. Millionen Leser erfuhren alles über Linda und Egon. Dass sie mit 86 Leuten ihre Hochzeit gefeiert hatten. Dass sie 14 war, als sie den 4 Jahre älteren Egon auf einer Geburtstagsfeier kennenlernte. Dass nach 5 Jahren die Verlobung stattfand. Dass sie am liebsten ihre Ferien in Tunesien, Griechenland und auf Mallorca verbrachten. Dass sie sich zuerst ihren Traum von einem schönen Haus mit über 180 qm Wohnfläche erfüllten, dann von drei Kindern. Linda hielt auch nicht damit hinter’m Berg, dass sie tüchtig mitarbeitete, um die Hypothekenlast schneller tilgen zu können. Zunächst verdingte sie sich als Küchenhilfe für 350,- EURO, zuletzt als 400,- EURO – Reinigungskraft.

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In ihrer illustrierten „Lebensbeichte“ verschwieg Linda nichts. „Kevin war 12, da fing es an mit dem Dart-Spielen. Mein Mann arbeitete von morgens früh bis abends achte, neune auswärts. Danach traf er sich mit seinen Kumpels zum Spielen. Gemeinsame Gespräche, Spaziergänge, Einkaufen mit der Familie, Ausflüge am Wochenende, nichts hat er noch mitgemacht. Ehe- und Familienleben fand nicht mehr statt. No sex, no love, seine neue Dart-Leidenschaft fegte unser Schlafzimmer leer“.

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Vereinsopfer Linda mochte anfangs nicht glauben, dass sie den Wettkampf gegen die Dart-Freunde ihres Mannes längst verloren hatte! Vielleicht, so sagte sie sich, ändert er sich, wenn wir nach den 2 großen Jungs noch ein drittes Kind bekommen! Nick wurde geboren. Sie begleitete ihren Mann sogar zu Meisterschaften. Sie fuhr mit ihm zu Qualifikationswettbewerben an weit entlegene Spielorte bis tief nach Süddeutschland. Oma kümmerte sich derweil um den Nachwuchs.

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„Ich war seine Fahrerin und froh, mit ihm wenigstens diese Zeit im Auto zusammen sein zu können“. Denn selbst zu Hause gab es nur eins für ihn: „Dart, Dart, Dart, Training bis zum Umfallen. Nachdem ich ihm den gemeinsamen Besuch einer Eheberatung empfohlen hatte, krachte es nur noch. Er brach Streitereien vom Zaun, damit er einen Grund hatte, vor mir  zu seinem Verein zu flüchten.

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Er machte Zoff, wenn ich ihm angeblich nicht pünktlich seinen Kaffee gekocht oder die Brote mit Wurst und Zwiebeln, Käse und Paprika für die Arbeit bereit gelegt hatte. Grund zum Streiten und Abhauen fand er immer“.

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Weil jeder Cent für die Kreditrückzahlung des Hauses gebraucht wurde, ging sie arbeiten. „Es war an einem Sonntag Abend, ich weiß es noch genau, da kam er rein – die Nacht davor war er gar nicht bei uns  gewesen – packte seine Reisetasche. Kevin befand sich auf einer Klassenfahrt, seine Brüder saßen nichts Böses ahnend auf dem Sofa. Ich fragte meinen Mann, was er da macht.“

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„Ich gehe jetzt“, antwortete er und hob drohend den Zeigefinger. „Merk dir eins, ich habe mehr Luft zum Atmen als ihr alle zusammen“. Sekunden später fiel die Tür ins Schloss.

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Die Luft, die er sich nun selbst zum Atmen nahm, schnitt er bald darauf der Rest-Familie ab. Weil er angeblich zu wenig verdient, zahlt er nicht für alle Kinder Unterhalt. Linda verzichtete auf ihre Alimente in der Hoffnung, dass er ihr das Haus nicht wegnimmt. Sie ist neben ihrer 628,- EURO – Rente auf Putzfrauentgelt angewiesen, das sie dazuverdienen muss, damit sie das 616,- EURO – Darlehen Monat für Monat zurückführen kann. Fehlt was, hilft Lindas Mama aus.

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Die ständige Geldknappheit, die Zukunftsangst, Wut und Haß waren es, die Linda auf die Idee brachten, Illustrierte und Fernsehsender zu kontakten. Sogar Promis bekamen Post von ihr, damit ihre nicht alltägliche Story über die Hobbysüchtigkeit des Ehemannes mit den fatalen privaten und finanziellen Folgen für Linda öffentlich gemacht wird. Zudem wollte sie ihn richtig in die Pfanne hauen: „Der vergnügt sich mit seiner Geliebten!  Ehefrau und Kinder lässt er verhungern“, schrieb sie.

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Interessenten fanden sich massenhaft. Nachdem dann „Die wahre Geschichte aus dem Leben“ erschienen war, gab Linda an, sie hätte ihre „Lebensbeichte“ nur mit der Zusage veröffentlichen lassen, 1.000,- EURO Honorar zu erhalten. Ihre 2 ältesten Söhne könnten das bezeugen, obendrein noch eine Nachbarin. Linda behauptete sogar, ihre Unterschrift auf einem Veröffentlichungsformularvertrag sei gefälscht worden. „Meine Unterschrift wurde da einfach reinkopiert“.

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Ein vom Jagdeifer gepiesakter, karrieregeiler Staatsanwalt glaubte Linda ungeprüft jedes Wort! Der schickte sogar Polizisten für eine Hausdurchsuchung in eine Bünder Redaktion und beförderte – man hält es nicht für möglich – den Veröffentlichungsvertragsbesitzer auf die Anklagebank! Er war einer derjenigen, die Linda interviewten.  Die gegen ihn verhängte  Geldstrafe in Höhe von 1.200,00 EURO „wegen Betruges und Urkundenfälschung“  bezahlte er nicht an die Staatskasse. Stattdessen legte er Widerspruch gegen den Strafbefehl ein und forderte einen öffentlichen Prozess.

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Zur Verhandlung nahm der von Linda geleimte Biograph einen Rechtsanwalt mit. Sie selbst, Kronzeugin des Staatsanwalts, bewies mit ihren nonchalanten Verdrehungen sagenhafte Umfallerqualitäten. Es stellte sich nämlich schnell heraus, dass sie reihenweise Verlage und Fernsehsender angeschrieben und ihnen von ihrer ungewöhnlichen Lage berichtet hatte, ohne einen Cent Honorar zu verlangen. Ein Hamburger Großverlag schickte ihr einen Reporter in die Bude, der mit 200 Aufnahmen zurückkehrte. Zu sehen ist darauf wie schön alle mitmachten. Einer von Lindas Söhnen malte sogar für den Knipser ein Schild mit der Aufschrift „Papa, warum lässt du uns im Stich?“ Linda selbst zertritt in einer Bildfolge eine von Egons heißgeliebten Dartscheiben vor der Gartenhütte. „Damit“, zeigt Linda, „trainierte Egon immer so gern“.

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Bei der Beschlagnahmeaktion in  Bünde  nahmen Polizisten den von Linda als Urkundenfälschung bezeichneten Vertrag mit. Ohne dass die Staatsawaltschaft dieses Blatt DIN A 4 an einen Schriftsachverständigen zur Überprüfung gab, lag es auf dem Tisch der Richterin. Linda sollte was dazu sagen.

„Ach“, flötete sie, „das ist ja doch meine Unterschrift. Damals war ich so verzweifelt und habe nur gedacht, lieber Gott, wie kann ich meine Kinder durchbringen? Das ist alles so schnell gegangen. Wenigstens 1000,- EURO hatte ich mir schon für meine schöne Geschichte erträumt.  Geredet habe ich  mit dem Reporter nicht darüber“.

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Die Richterin reagierte übellaunig mit sauerbierähnlicher Miene. „Wie können Sie denn dann in Ihrer Strafanzeige wortwörtlich behaupten, Sie und Ihre Kinder hätten nie was unterschrieben? “. Da wurde Linda ganz nervös. Sie rutschte auf ihrem Allerwertesten so heftig hin und her, dass die Beobachter Sorge haben mussten, sie würde sich Verbrennungen 3. Grades zuziehen. Kleinlaut gab sie zu, die Unterschrift unter’m Vertrag sei echt und ihre eigene.

Der arme Staatsanwalt wäre in diesem Augenblick am liebsten in ein Mauseloch gekrochen. Die Schamesröte stieg ihm in’s Gesicht, weil er von dieser Scheinheiligen vor den Augen und Ohren lachender Zuschauer so schrecklich gedemütigt wurde!

„Ja, schämen Sie sich“, schimpfte der Angeklagte zu ihm rüber. „Sie sind selbst schuld an diesem Fiasko“, regte er sich  auf. „Warum haben Sie die Spintisiererei dieser Frau nicht überprüft, bevor sie hier den großen Wichtigtuer mimen und mich als Betrüger diffamieren?“

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Nach 54 Minuten war alles vorbei. Der Staatsanwalt plädierte  2 ½ Minuten lang. Er wollte von seinem Vorwurf nichts mehr wissen.  „Ein glasklarer Freispruch vom Vorwurf der Urkundenfälschung und des Betruges“, lautete das 480 Sekunden später verkündete rechtskräftige Urteil.

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Weil bei Linda nix zu holen ist, mussten die Steuerzahler für den sauschnellen Ankläger in die Tasche packen und die gesamten Prozesskosten bezahlen. Für den Freigesprochenen 412,00 EURO, für seinen Verteidiger 769,91 EURO. Na, das war eine Pfeife! Der bekam die Zähne kaum auseinander. Saß da, wie die Mumie Tut-ench-Amun (ägyptischer König um 1350 v. Chr., sein Grab wurde 1922 entdeckt). Eloquent verteidigt hat sich der Angklagte selbst. Der Schwarzkittel daneben hörte sich das ohne jede Ergänzung an.

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Aber dann, Mann oh Mann, dieser Rechtsanwalt! Für ihn kam noch seine große Stunde des Abgrasens!

Der freigesprochene Bünder hatte dem Juristen 8 Wochen vor’m Prozesstermin 650,00 EURO Kostenvorschuss bezahlt. Die mussten nach dem Freispruch zurückfließen, weil die Staatskasse ja für den derben Spaß aufkommen musste. Tatsächlich zahlte der Anwalt die Kohle erst nach 7 telefonischen und schriftlichen Mahnungen zurück. Das dauerte ein Vierteljahr. Zinsen flossen gar nicht! Obwohl die Justizkasse dem Aasgeier Zinsen in Höhe von 7,11 EURO überwiesen hatte.

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Der Schlaumeier aber dachte nicht daran, sich davon zu trennen! Das tat er auch nicht nach einem wahren Proteststurm des Mandanten! Sogar die Androhung strafrechtlicher Schritte zwangen den Teufelskerl nicht zur Einsicht. Es kam zu einer Strafanzeige wegen Betruges (Unterschlagung von Mandantengeld) und einer Beschwerde bei der Rechtsanwaltskammer.

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Da reagierte der mit allen Wassern gewaschene Regelverstoßler mit einem simplen Zaubertrick!  Der steht in der schriftlichen Stellungnahme der „Rechtsanwaltschutzorganisation“, die sich Anwaltskammer nennt und der der Abweichler mit dem Geldentwertungseinfall als Mitglied angehört. Die Beschwerdeinstanz antwortete so:

 „Sie werfen in Ihrer Eingabe dem Beschwerdegegner vor, er habe Ihnen auf aus der Justizkasse erstattete Kosten, angefallene Zinsen, nach Ihrer Berechnung 7,11 EURO, veruntreut, indem er Ihnen diese nicht ausgezahlt habe. Der Beschwerdegegner verwahrt sich gegen den Vorwurf mit dem Hinweis, er verrechne gegenüber einem etwaigen Zahlungsanspruch auf Auszahlung der 7,11 EURO mit ihm zustehenden Hebegebühren nach §§ 13, 14 VV 1009 RVG. Dieser Betrag entspräche 9,28 EURO, allein aus den für Sie vereinnahmten und weitergeleiteten 650,00 EURO. Aus Sicht der Rechtsanwaltskammer ist die Vorgehensweise des Beschwerdegegners nicht zu beanstanden“.

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Ein Aberwitz! Denn in der Bundesrechtsanwaltsgebührenordnung, kurz BRAGO genannt, heißt es in  § 22 unter Hebegebühr (5): Der Rechtsanwalt erhält die Hebegebühren nicht, wenn er eingezogene Kosten an den Auftraggeber abführt.  Nichts anderes hat dieser Winkeladvokat getan! Er vereinnahmte keine 650,00 Euro für den Bünder, sondern er bezahlte dessen Kostenvorschuß zurück: Ergebnis: Anwaltsbeschiß auf der ganzen Linie!

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Tipp von www.boulevard-buende.de:

Erteilen Sie keinem Rechtsanwalt uneingeschränkte Geldempfangsvollmacht! Die steht im Kleingedruckten auf seinem Vordruckformular. Streichen Sie diesen Satz oder ergänzen Sie ihn handschriftlich mit dem Zusatz: Ohne Berechnung von Hebegebühren. Tun Sie das nicht, kann es Ihnen passieren, dass der Anwalt Ihnen nach einem gewonnenen Prozess das Geld nicht in einer einzigen Summe schickt, sondern in drei Teilbeträgen – für jede Einzelüberweisung darf er 1 % Hebegebühr einbehalten!

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www.kanzlei-geimke.de

Supergewinn, oder? So schnell wird Ihr Portemonnaie erleichtert! Seien Sie auf der Hut vor diesen Aasgeiern!  Vor Rechtsanwälten, die Sie linken, indem Sie vorm Unterschreiben einer Vollmacht  nicht darüber aufgeklärt werden, was mit Ihnen noch alles veranstaltet werden kann. Abseits von dem, was garnicht erst auf dem mit  reichlich unverständlichem übersäten Zettel steht.

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Für Linda endete ihre Verlogenheit übrigens bitter. Sie verlor einen nachfolgenden Zivilprozess gegen ihren angeblichen Unterschriftenfälscher mit Pauken und Trompeten. Bis 2014 stottert sie nun ein 4-stelliges Schmerzensgeld in Monatsraten an ihn ab.

www.boulevard-buende.de ist eine der spektakulärsten Zeitungen in der Zigarrenstadt Bünde