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Versicherungsbetrug – der Lottogewinn für arme und reiche Leute

„Darf es sonst noch etwas sein? Der kleine Finger? Oder gar der Daumen? Eine Handvoll Gehacktes vielleicht?“ An der Fleischtheke im Gruselkabinett von Versicherungsbetrügern wird das Unmöglichste möglich gemacht.

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Wie von dem hier, einem mit der Materie bestens vertrauten Versicherungsangestellten. Sein Name: Peter Bertram (38). Um das ganz dicke Geld zu machen, bediente er sich einer schier unglaublichen, in der Versicherungsbranche aber hinlänglich bekannten Methode: jener der Selbstverstümmelung.

Der Junggeselle schlug sich mit einem Beil den linken Daumen ab. „Ein Unfall“, log er in der Schadensmeldung. „Passiert ist es beim Holzhacken im Kleingarten“. Seine Versicherung sollte für das abhanden gekommene Greifinstrument 275.000,- EURO berappen. Außerdem beantragte er eine Dauerrente, die bei Daumenverlust 20 % beträgt.

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Pech war für den Beschädigten jedoch: der abgehackte linke Daumen ist allen Versicherern sattsam bekannt. Denn stets ist es bei Rechtshändern die linke Hand, die eines Fingers verlustig wird. Der Daumen ist am entbehrlichsten. Anstelle seiner erhofften Penunzen bekam Herr Bertram 3 ½ Jahre Gefängnis.

Mehr Glück hatte da der 27jährige Alfons Reinberg. Den Zimmermann fanden Polizeibeamte und alarmierten Sanitäter auf einem unbebauten Grundstück am Bahndamm. Umringt von Passanten, die nicht helfen konnten. Sie hatten über 112 den Notruf abgesetzt, nachdem sie von gellenden Hilfeschreien zum Fundort des Verstümmelten geeilt waren.

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„Ich wurde überfallen, habe mich gegen den Diebstahl meiner Brieftasche gewehrt. Dabei hat mir der Räuber mit einem Schnittwerkzeug die Hand abgetrennt“, sagte der Schwerverletzte in seiner ersten Stellungnahme und später bei der Vernehmung im Krankenhaus.

Den Ermittlern kam die Sache nicht geheuer vor. Sie fanden heraus, der Verstümmelte hatte 11 Wochen vor dem Überfall eine Invalidenversicherung abgeschlossen. Mit seinem Monatsbeitrag von 31,45 EURO hätte ihm der Verlust einer Hand 330.000,- EURO eingebracht.

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Die Versicherung verweigerte die Auszahlung mit der Behauptung, Herr Reinberg hätte sich den körperlichen Schaden selbst zugefügt. Das ließ der Invalide nicht auf sich sitzen, und so beschäftigten sich 10 Jahre lang deutsche Gerichte mit seiner abgehackten Hand. In allen Prozessen stand das makabre Beweisstück, in einem Glas mit Spiritus haltbar gemacht, auf dem Richtertisch. Angst vor Geruchsbelästigungen mußten die Juristen nicht haben. Die konservierende Flüssigkeit stoppt die Autolyse und Fäulnis des Gewebes. Trotz erdrückender Indizien, die gegen Alfons Reinberg sprachen, musste sich die Assekuranz am Ende des Verfahrens zähneknirschend von dem Hand-Geld trennen. Obendrein durfte sie auch noch die gesamten Prozesskosten begleichen, das waren noch einmal 300.000,- EURO. Denn die feingeweblichen Untersuchungen mit Gutachten, Gegengutachten und Obergutachten kosteten. 

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Heute fehlt Herrn Reinberg zwar eine Extremität für den Austausch von Zärtlichkeiten, weil die Nervenstränge in seinem Unterarm enden. Aber die gefühllose Prothese ist immerhin geeignet für Informationsübermittlungen und die damit verbindende uneingeschränkte Kommunikation,  für das Arbeiten mit Werkzeugen, die Vermittlung von Musikgenuss durch Spielen an einer Gitarre und am Klavier. Der Rechtshänder kann mit seiner linken Kunsthand auch Hebekräfte mobilisieren und problemlos ein Bier-,  Wasser-, oder Champagnerglas zum Munde führen.

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Champagner! Eine Flasche Andre Clouet Grande Reserve Bouzy Grand Cru für 176,- EURO schüttete er binnen 10 Minuten in sich rein, nachdem  das viele Geld auf seinem Konto eingetrudelt war.  Trotz zahlreicher Indizien, die gegen ihn sprachen.

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So wurde im Gerichtsmedizinischen Institut festgestellt, vor dem entscheidenden Schlag mit dem Beil sind an Reinbergs linkem Handgelenk Schnittversuche durchgeführt worden. Und: Alfons‘  Vater ist Chef einer Arzneimittelfabrik, wo sich der Sohn leicht ein Betäubungsmittel besorgen konnte, um beim Hand abhacken keine allzu großen Schmerzen zu erleiden. Dann ist da noch dieser Schönheitsfehler gefunden worden: der Zimmermann arbeitete mal als Versicherungsinspektor! Allerdings nur 2 Jahre, denn da wurde er wegen Versicherungsbetruges vom Schöffengericht verurteilt. Er ließ sich sein 4.000,- EURO teures niegelnagelneues Mountainbike von einem Kumpel „stehlen“. Wollte sich den Kaufpreis von seiner Versicherung wiederholen. Das „Diebesgut“ fand die Polizei im Keller des Täters. Da war Herr Reinberg für seine Firma untragbar geworden, wurde fristlos an die frische Luft gesetzt und nicht mehr als Policen-Anwerber auf die Menschheit losgelassen.

Was soll’s? Heute ist er 330.000 EURO reicher. Da kann er den Rauswurf gut verkraften.

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Nicht von solchem Erfolg gekrönt war der groß angelegte Coup eines Geflügelzüchters und seines Sohnes. Der 47jährige Holger Remus und sein 18 Jahre alter Filius Tobias schlossen für einen Mitarbeiter, 37 Jahre, alleinstehend, Eltern gestorben, keine verwandtschaftlichen Kontakte, eine Lebensversicherung für 1,5 Millionen EURO ab. Begünstigte war die Ehefrau des Hähnchenveredelers.

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Morgens um 03:27 Uhr fand ein Lkw-Fahrer die verkohlte Leiche des Herrn Sebastian Rock im Mercedes seines Chefs. Das Auto, so schien es, war rechts von der Straße abgekommen, hatte Feuer gefangen und der Hühnerfarmarbeiter war im Fahrzeuginneren hilflos verbrannt. Recherchen der Kriminalpolizei förderten aber anstelle des zunächst vermuteten Sekundenschlaf-Unfalls zu Tage, Vater und Sohn Remus hatten ihren Angestellten sturzbetrunken gemacht, ihn nachts im Auto 13 Kilometer weit Richtung Zuchtbetrieb gefahren, den Pkw in den Straßengraben bugsiert, den Innenraum des Fahrzeugs mit Benzin übergossen und alles angezündet.   

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Der Senior wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verknackt. Der Junior zur Höchststrafe nach dem Jugendstrafrecht, 10 Jahre für Mord. Danach kämpfte die Ehefrau von Holger Remus bis zum Bundesgerichtshof um die Lebensversicherung, die ihr für den Fall des Todes vom Opfer „vermacht“ worden war. Ihre Bemühungen blieben erfolglos.

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Ganz bittere Erfahrungen machte Rentnerin Anneliese Tais (66) nach einem Verkehrsunfall. „Ich fuhr im Mercedes meines Mannes im 1. Gang bei Grün an der Ampel los, wollte links abbiegen.  Plötzlich kam wie eine Rakete ein Auto auf mich zugeschossen. Ich hab einen Schrei losgelassen, da krachte es auch schon“.

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4 Männer liefen aus einer Gaststätte auf sie zu und schrien: „Sie sind schuldig!“ Die Frau war fix und fertig,  ihr Pkw-Unfallgegner Sebastian Zierl (42) blieb dagegen ganz cool und telefonierte seelenruhig aus seinem ramponierten Pkw. Den wenig später eingetroffenen Polizisten schilderte er locker den Vorfall. „Die hat meine Vorfahrt nicht beachtet“. Frau Tais stand daneben, regte sich auf: „Er ist auf mich zugerast. Es ging alles ganz schnell. Der bremste nicht ab, gab sogar noch Gas!“

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 „Dafür gibt es keine Zeugen“, meinte die junge Beamtin. „Ganz im Gegenteil, die sagen etwas anderes aus, nämlich Sie hätten nicht aufgepasst. Die Ampel hätte bereits Rot angezeigt, das hätten Sie ignoriert“. Frau Tais geriet außer sich und konnte nur mit großer Mühe beruhigt werden.

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Ihr schöner Benz wurde mit einem Unfallschaden von 9.875,37 EURO abgeschleppt. Zierl, Audi-Fahrer und Kfz-Mechaniker, kassierte auf Grund einer gutachterlichen Kostenrechnung 3.395,56 EURO von der Haftpflichtversicherung, seinen fahrbaren Untersatz reparierte er selbst. Frau Tais klagte – und verlor den Prozess! Die Richterin gab ihr als Linksabbiegende die Alleinschuld an der Kollision. Wegen eines Halswirbelsyndrom heimste Opfer Zierl von der gegnerischen Versicherung „Concordia“ auch noch 1.000,- EURO Schmerzensgeld ein. Ganz bitter: die rechtskräftig verurteilte Fahrerin mit dem Stern im Kühlergrill wurde von ihrer Assekuranz zurückgestuft. Sie musste nun jährlich 477,32 EURO mehr an Kfz-Versicherungsprämie zahlen.  

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Es hat lange gedauert, bis die Wahrheit ans Licht kam: Anneliese Tais war Opfer eines abgekochten Autobumsers geworden. Eine von vielen. Wie ihr, so ging es auch Friseurmeisterin Corona Stätter (50). Die fuhr in ihrem VW-Bus, guckte links, sah nach rechts,  kein Auto, fuhr weiter. „Sekunden später kam’s zum Knall. Ein Benz 560 SEC prallte mit der linken Front gegen meine Fahrertür. Ich habe kein Hupen gehört und nicht gesehen, dass er bremste. Ich kam mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus. An meinem Auto entstand ein Schaden von 4.641,92 EURO“, erzählte sie www.boulevard-buende.de.

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Die Forderungen des „Geschädigten“ ließen nicht lange auf sich warten. Für die Instandsetzung seiner Luxuslimousine präsentierte er ein Gutachten und verlangte 11.855,21 EURO ohne Mehrwertsteuer. Der gegnerischen Versicherung schrieb er, dass er verletzt wurde. Dafür sei Schmerzensgeld fällig. Seine körperliche Behinderung gab er mit den 3 Großbuchstaben HWS an, das so schwer nachweisbare Halswirbelsyndrom. Immerhin war er so fit, dass er seinen 560er SEC selbst reparierte.

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„Du gehst zum Doktor, jammerst über Nackenprobleme, bekommst eine Halskrause verpasst und schon kannst Du absahnen“, wissen Leute, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Zu dieser Sorte von Abräumern gehört auch der Herr Zierl. Er war Unfallgegner von Anneliese Tais, Corona Stätter und weiteren 16 Leidensgenossen, die sich bis zur Begegnung mit dem Bumser für perfekte Straßenverkehrsteilnehmer hielten. Dass sie Opfer von Deutschlands schlimmstem Autorüpel  geworden waren, ahnten sie nicht. Wie auch?

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 www.tankcenter-halstenberg.de

Aufmerksam wurde die Polizei leider viel zu spät.  Erst als sich die Art der Unfälle ständig wiederholte, Vorfahrt missachtet, beim Linkabbiegen nicht aufgepasst, die geschädigten Pkw stets die selben waren, Audi, Mercedes, BMW und sich der Name des Unfallbeteiligten Sebastian Zierl wie ein roter Faden durch die Akten zog, waren die Kriminalen hellwach. In der nach Abschluss ihrer Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft verfassten 8-seitigen Anklage liest sich das Ergebnis so:

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 www.Hartmann-Kollegen.de

„Der Angeschuldigte handelte in jedem der Fälle in dem Bewusstsein, dass neben den erheblichen Beschädigungen an den unfallgegnerischen Fahrzeugen auch eine Verletzungsgefahr der jeweiligen Fahrzeuginsassen bestand. Bei der Inanspruchnahme der gegnerischen Versicherungen wusste der Angeschuldigte, dass ihm Schadensersatz nicht zustand, da die Unfälle durch sein eigenes Fahrverhalten herbeigeführt worden waren.

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Der Angeschuldigte wird daher angeklagt, in 18 rechtlich selbstständigen Fällen vorsätzlich die Sicherheit des Straßenverkehrs dadurch beeinträchtigt zu haben, dass er Hindernisse bereitet oder einen ebenso gefährlichen Eingriff vorgenommen hat. Er hat dadurch vorsätzlich Leib oder Leben eines anderen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wobei er jeweils in der Absicht handelte, einen Unglücksfall herbeizuführen oder eine andere Straftat zu ermöglichen. In einem Fall wird er beschuldigt, durch die gleiche Handlung mittels eines gefährlichen Werkzeugs eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit beschädigt zu haben. Er wird angeklagt, in 18 tatmehrheitlichen Fällen in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt zu haben, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregte.

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 www.heemeyer.de

Strafbar ist sein Verhalten 18-fach als vorsätzlicher gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. In einem Fall in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. In 17 weiteren Fällen in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung, sachlich zusammentreffend mit 18 tatmehrheitlichen Fällen des Betruges“.

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Sebastian Zierl wurde wegen vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Körperverletzung und Betruges zu 2 ½ Jahren Haft verurteilt. An Frau Tais, Frau Stätter und die 16 anderen Geschädigten stottert er den angerichteten Schaden in Monatsraten ab. 

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Spätes Happy-End für alle Opfer? Anneliese Tais wird rot vor Zorn: „An 850,- EURO bin ich hängen geblieben, Reparaturkosten, die ich selbst bezahlen musste. Das Gericht gab mir einen Teil Mitschuld. Ich sei zu weit in den Kreuzungsbereich reingefahren, hieß es lapidar. Die Zurückstufung der Versicherung ist auch nicht aufgehoben worden. „Sie sind rechtskräftig verurteilt worden“, hat man mir gesagt.  Als ich später den Benz verkaufen wollte, erlebte ich mein nächstes blaues Wunder! Das ist ein Unfallfahrzeug, hieß es, die Schweißnähte der Reparaturstellen rosten. Dafür gibt’s Abzüge. Nix wie Ärger hatte ich“.  

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Großhandelsausfahrer  Harry Maas (38) geht’s nicht anders.  Er kurvte 20 Jahre unfallfrei durch die Gegend, bis es zum Crash mit Sebastian Zierls Audi kam. Der spielte sofort Halswirbeltheater, hüpfte wie Rumpelstilzchen über die mit Glassplittern gesäte Fahrbahn, hielt seine rechte Hand in den Nacken und jammerte. Strafbefehl gegen Maas,  das „Unfallopfer“ Nr. 18, wegen fahrlässiger Körperverletzung 20 Tagessätze à 55,- EURO.  „Seit dem bin ich vorbestraft“, schimpft er wie ein Rohrspatz auf diese starrköpfige Justiz, die das nicht zurücknimmt“.

Jetzt mal alle Hand auf’s Herz: Du hast Deine Versicherung auch schon mal beschissen, stimmt’s?

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Jedenfalls sagen 23 % von allen  Deutschen:  „Das macht doch fast jeder“. 21 % sind der Meinung: „Versicherungsbetrug ist ein Kavaliersdelikt“. 79 % glauben: „Es ist einfach, Versicherungen über’s Ohr zu hauen“.

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Die meisten (46 %) räumen bei Autoschäden ab. Jeder 10. gemeldete Schaden ist Betrug. Verurteilungen zu Geld- oder Haftstrafen bis zu 10 Jahren schrecken nicht ab. Der Wille, seinen Versicherer reinzulegen, zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten. Bei dem einen ist angeblich ein DVD-Player vom Tisch gefallen und dabei für 100,- EURO beschädigt worden. Bei dem anderen wurde der Ferrari für 23.814,78 EURO in Mitleidenschaft gezogen.

Jene Gauner, die ohne mit der Wimper zu zucken die Versicherungsgemeinschaft schädigen,  lügen auf Teufel komm raus. 43 % beim Hausrat. 41 % bei der Haftpflicht. 26 % beim Reisegepäck. 16 % lassen ihre Wohngebäude-Versicherung bluten. Es heißt dann immer, die Versicherung sei betrogen worden. Nein, es sind alle ehrlichen Beitragszahler, die beschissen werden.

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Häufig geht es um Smartphones. Von 2.000 Fällen war die Hälfte gemogelt. Motive sind technische Weiterentwicklungen und der damit verbundene Wunsch, das aktuellste Gerät  besitzen zu wollen. Oder hohe Reparaturkosten einzusparen. Oder ein finanzieller Engpass.

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Ganz oben stehen kaputte Brillen als Betrugs-Klassiker. Jedes Jahr werden den Versicherungen 200.000 Brillenschäden gemeldet. Die berühmteste, tatsächlich ungewollt zerbrochene Sehhilfe, liegt im „Borusseum“, der Objekte-Sammlung des Fußballvereins Borussia Dortmund. Die kaputte Intelligenzprothese gehört Jürgen Klopp. Ihm ist sie von einer Jubelmenge im Februar 2011 beim 3:1 Sieg seiner Mannschaft gegen die Weißwurstbajuwaren des FC Bayern München zerdeppert worden. Der zu Bruch gegangene Nasenkneifer gilt seit dem als Symbol für die Leidenschaft und Hingabe dieses Trainers. 

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„Liebling,  ich sterbe  für uns zwei“

Aufgeregt stürzt die junge Frau auf die Straße und stoppt einen Autofahrer. „Mein Freund ist in den Inn gefallen und nicht wieder aufgetaucht“, bringt sie unter Tränen heraus. „Bitte, holen Sie die Feuerwehr“. Über sein Handy alarmiert der Mann die Polizei.

Als die Beamten vor Ort eintreffen, führt Heike Schünemann (33) die Männer an’s Ufer, wo das Unglück passierte. „Manfred hat mit dem Hund gespielt, ihm einen Tennisball zugeworfen“, berichtet die braungelockte Frau. „Dann rollte der Ball die Böschung hinunter in den Fluss. Manfred versuchte, ihn herauszufischen. Dabei rutschte er ab und stürzte in den Fluss. Er wurde von der Strömung sofort  mitgerissen, ging dann in der Mitte unter“. 

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Der 51jährige Manfred Hoppe wurde nicht mehr gefunden, obwohl Polizei und Feuerwehrtaucher tagelang den Fluss mit Rettungsbooten absuchten. Was sie nicht wussten: die Lebensgefährtin und einzige Zeugin des „Unfalls“ hatte gelogen! In Wahrheit tauchte Hoppe in Deutschland unter und nicht im Inn. Er wartete in seinem Versteck auf einen Millionensegen von 7 (!) verschiedenen Lebensversicherungen. Aber keine zahlte an die Begünstigte. Das war seine Geliebte Heike Schünemann.  Als Fahnder schließlich nach 6 Jahren auf ein Lebenszeichen des Scheintoten stießen, verlor Hoppe die Nerven und stellte sich bei der Polizei.

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Ausgerechnet am Montag nach Totensonntag Ende November inszenierte Hoppe seinen Unfalltod in Tirol. „Zeugin“ Heike erzählte allen die Geschichte vom Spielen mit dem Hund, wobei Hoppe in den Fluss gefallen sei.

War der Finanzkaufmann tatsächlich Opfer eines Unfalls geworden? Oder lebte er irgendwo in der Südsee unter Palmen am Strand? Wartete er in Südamerika auf die Freundin und seine Lebensversicherungsmillionen? Möglich wäre auch die 3. Variante seines spurlosen Verschwindens gewesen, Mord!

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Nur eins stand fest: der verheiratete Mann war weg, verschollen. Merkwürdig war jedoch: seine

7 Lebensversicherungen im Wert von 3 Millionen EURO waren ausschließlich zugunsten seiner Heike abgeschlossen worden, keine einzige für seine Ehefrau. Die 2 letzten Policen machte er  6 Wochen vor seinem Tod im Fluss klar.

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Interpol fand heraus, der Hauptakteur in dem Kriminalrätsel hatte alles wunderbar geplant. Die Scheidung von Ehefrau Maritta (45), die kein halbes Jahr nach dem Todessturz in den Inn im Amtsgericht vollzogen werden sollte. Eine Trennung, die überfällig war, denn Manfred lebte schon lange mit der Neuen zusammen, Heike, Büroangestellte. Mit der war bereits der Hochzeitstermin  geplant. „Im Mai, 1 Jahr nach seiner Scheidung, wollten Manfred und ich uns trauen lassen“, schluchzte sie nach dem Abtauchen ihres Liebsten.

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Doch auch den Tauchgang hatte Hoppe generalstabsmäßig geplant. In den Polizeiakten ist alles haarklein festgehalten:

Anfang November telefonierte Hoppe mit Josef Lachner (34) in einer Ferienpension in Tirol und fragte an, ob in der Zeit vom 17. bis 25.11. noch ein Doppelzimmer frei sei. „Ja“, rief ihn Vermieterin Ulrike Lachner (30) nach einem Blick in den Reservierungskalender zurück, „das geht“.  „Dann schicke ich Ihnen jetzt per Mail die Bestätigung. Hoppe machte den Kurzurlaub perfekt.

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Pünktlich am 17.11. fuhren Manfred, Heike und ihr Hund „Alwin“, ein 2 Jahre alter Hoverward-Rüde, auf den Hof nicht weit von der Kufsteiner Reithalle. Das Liebespaar und sein vierbeiniger Begleiter entstiegen einem schwarzen Opel Corsa.  „Wir wollen ein paar Tage ausspannen“, lächelte Herr Hoppe und trug die Koffer in den zweiten Stock, Zimmer Nr. 3, mit Blick auf das Kaisergebirge mit „Ellmauer Haltspitze“ (2.344 m) und „Ackerlspitz“ (2.329 m).

Das Pärchen lebte fortan unauffällig in dem Ferienhaus. Mit „Alwin“ unternahm es ausgedehnte Spaziergänge. Einen Tag vor der geplanten Abreise geschah dann die Tragödie. In der Nähe der Kläranlage „Bichlwang“ sei der Hund einem Tennisball hinterhergelaufen. Der Ball sei die Böschung hinuntergehüpft und in den Inn gefallen. Nicht der Hund, sondern Manfred Hoppe hätte versucht, den Tennisball aus dem Wasser herauszuholen. Dabei habe er das Gleichgewicht verloren und der Nichtschwimmer sei in die reißenden, eiskalten Fluten des Flusses gestürzt. „Er ist hilflos ertrunken“, berichtete Heike später unter Tränen am Unfallort.

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Vom nächsten Polizeiposten waren per Handy, alarmiert von einem Autofahrer, den Heike zwischen Wörgl und Kufstein gestoppt hatte, sofort Beamte zum Inn losgerast. Die riefen

Rettungshubschrauber „Christophorus“ zu Hilfe, außerdem die Feuerwehr. Der Inn wurde ergebnislos abgesucht bis zur Staustufe Niederndorf.  Manfred Hoppe blieb seit diesem seinem 7. Ferientag, 15 Uhr, verschwunden. Mit ihm der gelbe Tennisball, den er nach Heikes Angaben an dem unglückseligen Nachmittag aus der rechten Tasche seines Anoraks für Hund „Alwin“ geholt hatte.

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„Er ruderte noch mit den Armen, brachte kein Wort über die Lippen, wurde von der Strömung in die Flussmitte hinausgerissen und tauchte dann unter“, beschrieb sie die letzten Sekunden im Leben des verschollenen Liebsten.

Was machte den Fall nun so merkwürdig verdächtig, dass Interpol und die Lebensversicherungen nicht an einen Tod im Inn glauben wollten?

Da waren Ulrike und Josef Lachner, die an die Deutschen das Ferienzimmer vermietet hatten. „Es war so ein merkwürdiges Weinen, als die Heike bei uns in der Küche saß und beim Erzählen des Unfalls eine Tasse Kaffee trank“, erinnern sie sich im Gespräch mit www.boulevard-buende. „Wir fragten uns sofort, ob das wirklich alles so passiert ist, was sie uns berichtete“.

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Merkwürdig war auch, dass kein einziger Augenzeuge aufgetrieben werden konnte, der bestätigt, dass Manfred, Heike und ihr Hund überhaupt einen Spaziergang am Inn-Ufer beim Klärwerk „Bichlwang“ unternommen haben. Obwohl an diesem sonnigen Nachmittag viele Menschen zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs gewesen sind. Es hat auch niemand Hilferufe gehört, obwohl Heike nach eigenen Angaben „um Hilfe schrie wie verrückt“.

Dann waren natürlich die Kontostände des Verschollenen überprüft worden – eine einzige Katastrophe! Schulden über Schulden! Es war demnach am wahrscheinlichsten, Manfred Hoppe ist untergetaucht um abzukassieren. Keine der 7 Lebensversicherungen begünstigten Ex-Frau Maritta. Alle wiesen Heike Schünemann als Begünstigte aus. Und alle 7 Beträge verdoppelten sich bei Hoppes Unfalltod.

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Der Finanzberater hatte seine Neue bei einem Beratungsgespräch kennen gelernt. Er verliebte sich in sie, gab dafür seine 19-jährige Ehe auf.

Bis zuletzt belog Heike alle: „Wenn auch keiner an ein Unglück glaubt. Ich war dabei, hab´ alles mit ansehen müssen!“

Als die Millionen für sie und ihren Lover nicht flossen, verlor der „Ertrunkene“ die Nerven.

Unter einem falschen Namen schloss er noch eine Lebensversicherung ab. 4 Monate später „starb“ er wieder. Ein Schriftenvergleich entlarvte den Betrüger.

Da tauchte er auf, meldete sich bei der Polizei. Seine Freundin servierte ihn darauf hin ab. „Ich will von dem Scharlatan nichts mehr wissen“, sagte sie im Prozess gegen ihn aus.

Hoppe wurde wegen Versicherungsbetruges zu 3 Jahren und 2 Monaten Haft verurteilt.  Heike kam wegen Beihilfe mit 2 Jahren auf Bewährung davon.

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