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Artikel ‘Happy End nach Autounfall’

„Ich liebe dich, Britta. Lass uns heiraten!“ Erwartungsvoll und verliebt schaute Heiko Wagner (26) seine Freundin an, mit der er einen Ausflug zum „Bremer Freimarkt“ unternommen hatte. Nun befanden sie sich auf der Rückfahrt. Sekunden der Unaufmerksamkeit nur. Doch die genügten, um in dieser Oktober-Nacht eine schreckliche Tragödie geschehen zu lassen.

Es ist Britta Krügers 19. Geburtstag, sie sagte noch „ja, ich hab‘ dich auch lieb. Ich will nur dich!“, als das Schicksal seinen Lauf nahm. 3 Sekunden später war Britta tot. Heiko hatte seinen Renault unter einen unbeleuchteten abgestellten Lastzug gelenkt. Der 26jährige blieb äußerlich unverletzt. Aber tief im Inneren, da hatte seine Seele schlimme Risse bekommen.

Als Polizei und Sanitäter die Unfallstelle erreichten, schrie, trat und schlug der Installateur wie wild um sich. Er stand unter Schock, musste gefesselt in die Nervenstation des Klinikums Bremen-Mitte gebracht werden. Auch im Bett blieb er noch 3 Tage angebunden, „fixiert“ nennt man das, klingt harmloser, denn er drohte mit Selbstmord. Ein Psychotherapeut brauchte lange, um auf den Unglückslenker erfolgreich einzuwirken. Nach 3 Wochen konnte der Patient entlassen werden. 

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Die wirkliche Hilfe zur Überwindung seines Seelenleids leistete freilich ein anderer: Brittas Schwester Carola (21) tröstete Heiko, machte ihm Mut zum Weiterleben. Und nicht nur das! Die Zwei verliebten sich ineinander und wurden ein Ehepaar.

„Im Namen des Volkes: Der Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin zu 1 Jahr Freiheitsstrafe verurteilt. Der Führerschein wird für weitere 3 Monate eingezogen. Die Strafe wird für die Dauer von 3 Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte hat 60 Tage in einer gemeinnützigen sozialen Einrichtung eine Arbeit zu erbringen“.

Nach diesen Worten wandte sich der 57 Jahre alte Richter, Vater von 3 Kindern, 28, 24, 19, direkt an den Angeklagten: „Dies ist ein sehr mildes Urteil. Wir haben dabei berücksichtigt, dass Sie sich durch den Tod Ihrer Freundin selbst am schlimmsten bestraft haben. Dieser Verlust wird Sie, da bin ich mir sicher, in Zukunft zu größerer Vorsicht im Straßenverkehr anhalten“.

1, 67 Promille waren Heiko zum Verhängnis geworden. Und Brittas Geburtstag. „Normalerweise trinke ich als Autofahrer keinen Tropfen Alkohol“, meinte er im Laufe der Verhandlung im Amtsgericht. „Aber an diesem Abend bin ich leider schwach geworden während der Feier. Wir hatten einen Ausflug nach Bremen gemacht. In Halle 5 auf dem Freimarkt trank ich leichtsinnigerweise 2 Caipirinhas, dieses brasilianische Cocktailgetränk, bestehend diesmal nicht aus Cachaca (Pinga), sondern aus Wodka, braunem Zucker, Eis und in Achtel geschnittenen Limetten“. Zwischendurch tanzten die Kunststudentin und ihr Freund ausgelassen bis morgens früh um 01:00 Uhr.

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Zusammen mit einem befreundeten Pärchen ging’s dann im Tanzlokal „Sinatras Club“  am Rambertiring bis 02:50 Uhr weiter. „Ich machte den schrecklichen Fehler und trank noch 2 Wodka Lemon. Dann wurde es höchste Zeit, nach Hause zu fahren“, sagte Heiko auf Fragen des  Oberstaatsanwalts.  „Ich fühlte mich happy und absolut fahrtüchtig! Mir ging’s so gut wie morgens, wenn ich zum Bäcker fahre, um Brötchen zu holen“.

Der Richter: „Den Zusammenstoß mit dem Lkw hätten Sie ohne jede Schwierigkeit vermeiden können. Ein Fahrschüler der ersten Stunde seiner Ausbildung hätte diesen Lkw elegant umkurvt“.

Heiko  aber war in dieser Nacht durch seine Verliebtheit abgelenkt. Er schaute nicht so sehr auf die Fahrbahn, sondern seine Britta an. „Ich machte ihr einen Heiratsantrag, sah sie erwartungsvoll an. Nachdem sie „ja“ gesagt hatte und „ja, ich hab’ Dich auch lieb. Ich will nur Dich“, krachte es.

Leblos hing die dunkelblonde Freundin im Gurt des Beifahrersitzes. Heiko schüttelte sie, schrie: „Britta, was ist?“ Doch die 19jährige antwortete nicht mehr. Er kroch aus dem Auto, riss die Beifahrertür auf, drehte den Sitz runter, beugte sich über sie, machte Herzmassage, Mund-zu-Mund-Beatmung. Doch alle Bemühungen waren vergebens.

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Anlieger, die durch den Lärm des Aufpralls und die Schreie des Fahrers auf den Unfall aufmerksam geworden waren, hatten sofort in der Rettungszentrale angerufen. Als der Notarztwagen stoppte, der Doktor und auch die Sanitäter schon nach kurzer Zeit einsehen mussten, dass der Schwerverletzten mit ihren Schädelbrüchen nicht mehr zu helfen war, verlor Heiko die Nerven. Er erlitt einen Wein- und Schreikrampf, bekam Beruhigungsspritzen und wurde – an Händen und Füßen auf einer Trage festgebunden – in’s Klinikum gebracht.

Mit Brittas Tod war eine wunderschöne Liebesromanze brutal zu Ende gegangen. Auf einem Reiterhof, den die 19jährige und ihre Schwester Carola oft besuchten, hatte sie sich in Heiko verliebt. Lächelnd erinnert sich Carola: „Bei einer Grillparty hat es zwischen meiner Schwester und Heiko so gefunkt, dass alle Gäste aufmerksam wurden“.

Rolf Wütherich/James Dean: Die ganze Wahrheit

Die Liebe machte Britta jedoch nicht blind. Nach dem Schulabschluss jobbte sie als Aushilfskellnerin, um ihr Kunststudium finanzieren zu können. „Sie wollte keine Unterstützung von unseren Eltern annehmen. Sie war eine außergewöhnlich talentierte Abstraktmalerin, deren Werke nach ihrem Tod in einer Ausstellung einhellige Bewunderung fanden“.

Heiko und Britta verbrachten den größten Teil ihrer Freizeit gemeinsam. Sie gingen tanzen, ritten aus oder sie besuchten Motocross – Veranstaltungen. Bei diesem Ausflügen nahmen sie manches Mal auch Brittas Schwester Carola mit. 

„Ich habe alles zerstört, was mein Leben ausfüllte“, weinte sich Heiko nach Brittas Tod bei deren Schwester aus. Die wöchentlichen Besuche des Unglücksfahrers bei einer Psychotherapeutin brachten nicht den gewünschten Durchbruch. Der 26jährige konnte das schreckliche Ereignis einfach nicht verarbeiten. Immer wieder suchte er Kontakt zu Carola. In Gesprächen mit ihr und beim Betrachten von Fotos holte er die wunderbaren Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse mit Britta zurück. „Wenn er den Namen meiner Schwester über die Lippen brachte oder Bilder von ihr sah, gab es Momente, in denen Heiko die Kontrolle über seine Gefühle verlor und drauflos weinte“, erzählt Carola.

Sie tröstete den Todunglücklichen. Sie redete ihm Selbstmordgedanken aus. Sie machte ihm Mut zum Weiterleben.

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Schließlich sah man beide dort, wo Heiko mit seiner Britta glücklich war: auf dem Reiterhof, auf dem Rücken von Pferden, bei Motorsportveranstaltungen.

Sie hakte sich bei ihm unter, wenn sie nachmittags mit seinem und Brittas vierbeinigem Liebling, der Terrier-Mischlingshündin „Yunia“, spazieren gingen. Da war auch Carolas Hund mit dabei. „Sie half mir bei der Trauerarbeit“, erzählt Heiko. „Ohne ihre psychologische Unterstützung und ihre liebevolle, einfühlsame Art wäre ich wohl kaum über meine Schuldgefühle hinweggekommen. Carola hat mir nicht ein einziges Mal Vorhaltungen gemacht. Sie war einfach fabelhaft“.

Heute sind Heiko und Carola ein Paar. Sie über ihn: „Er ist so offen, hat einen ehrlichen Charakter. Man muss ihn einfach lieb haben“. Er über sie: „Sie ist das Ebenbild ihrer Schwester. Sie macht mich glücklich“.

So erwuchs dem Todesfahrer aus bitterstem Leid ein neues Glück.

Menschen im Mediendreck

Ein Dreivierteljahr später wurde es mit dem Prozess auf eine erste harte Probe gestellt. Heiko hatte sich damit abgefunden, wegen seiner Promillefahrt und dem von ihm verursachten Tod Brittas eine Gefängnisstrafe verbüßen zu müssen.  Carola saß mit im Gerichtssaal und drückte ihrem Liebsten ganz fest die Daumen. „Ich hoffte so sehr, dass er wegen des schrecklichen Unfalls nicht ins Gefängnis musste. Der Richter ließ tatsächlich Milde walten, „angesichts des Unglücks, in das sich der Angeklagte mit dem verschuldeten Tod seiner Freundin selbst gestürzt hat“.

Erleichtert warfen sich Heiko und Carola in diesem Augenblick liebkosende Blicke zu. Tiefbewegt und voll zärtlicher Gefühle verließen sie kurz darauf das Gerichtshaus.

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