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Artikel ‘Falke aus Schmallenberg’

„Ich bin Deutsche und unterstütze mit meinem in Deutschland erarbeiteten Geld deutsche Unternehmen“, lautet die Lebensmaxime der 29jährigen Chemikerin Sonja Voigt. Das redet sie nicht nur so dahin, sie lebt tatsächlich streng nach dieser Devise.

Damit es nicht den geringsten Zweifel an ihrer politischen Einstellung gibt: „Ich wähle seit langem die FDP!“

Verrät weiter, dass sie Taillenslips trägt für 32,00 Euro das Stück und Nachthemden (56,50) von „trigema“, einem deutschen Wäschefabrikanten in dem 12.200 Einwohner – Ort Burladingen, 100 km südlich von Stuttgart. Der Baumwolleverarbeiter ist bekannt aus einer witzigen TV – Werbung mit ’nem Affen. An dessen Seite wirbt der Inhaber und Geschäftsführer der Firma, Wolfgang Grupp (*04.04.1942), Vater von zwei Kindern, lächelnd für den Kauf seiner „ausschließlich in Deutschland hergestellten Ware“.

 

Also: Sonja besorgt sich nicht nur dessen Figur betonende Artikel, sie fährt zudem in einem 18.380,00 Euro preiswerten deutschen Auto, einem VW Polo TGI, 90 PS, Abgasnorm Euro 6, zum nächstgelegenen „ trigema“ – Geschäft nach Bielefeld, Eckendorfer Strasse 64. Natürlich auch damit zur Arbeit. Oder zum Shopping nach Bremen, Enschede, Hannover, Minden, Osnabrück.

Sie trägt nur Strapsstrümpfe oder Halterlose von Falke aus Schmallenberg im Sauerland. Overkneestrümpfe von Dirks aus Billerbeck im Münsterland. Shorties – Sneaker und Antirutschsocken von Lindner aus Hohenstein – Ernstthal, 15.200 Einwohner, im Osten Sachsens. Bekannt ist das Städtchen durch die Rennstrecke „ Sachsenring“ und als Geburtsort des Schriftstellers Karl May.

Sonja kauft nichts anderes an Schmuck als den von Herbert Giloy aus Deutschlands Edelsteinhauptstadt Idar – Oberstein. Die 32.000 Einwohner blicken auf eine 500 Jahre alte Edelstein- und Schmuckindustrie zurück und sind superstolz auf das „Deutsche Edelsteinmuseum“ mit 10.000 Exponaten vom einfachen Silberring bis zum ausgefallenen Diamantcollier.

 

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„Natürlich schmiere ich mir nur deutsche Margarine von „Goldina“ aus Gera, „Schröder“ aus Lübeck, „Landkrone“ aus St. Ingbert sowie aus der 1902 von Wilhelm Lindemann in Bünde gegründeten, im Frühjahr 2017 an Bunge verkauften „Westfälischen Süßrahm – Margarine – Fabrik“ auf meine Frühstücksbrötchen oder eine Scheibe Dinkelbrot von Bäcker Schmidt aus Preußisch Oldendorf – Hedem“, versichert die 1,68 m, 58 kg Schlanke (Maße 94-74-96) glaubhaft .

Schick sieht sie aus in ihren Pumps (Farbe: navy) mit Trichterabsatz (29,95 Euro) von „tamaris“, Hersteller: Wortmann KG in Detmold. Mal trägt sie Ballerinas, dann Slipper von Peter Kaiser oder Sandaletten von Carl Semler (beide Pirmasens). Oder sie schlüpft in Halbschuhe von Mohr in Selbitz oder in Mokassins aus den Schuhwerken Schwarz in Riedelberg.

Sie trinkt während unseres Interviews aus einem Glas Mineralwasser. Die Flüssigware stammt nicht aus Italien (z.B. S. Pellegrino, Sorgente Linda, San Bernardo), Spanien (z.B. Veri, Les Creus, Fontemilla) oder Frankreich (z.B. Vittel, Evian, Badoit), sondern es ist wohlbekömmliches „Gerolsteiner“. In dem 8.300 Einwohner – Ort an der Kyll in Rheinland – Pfalz wird es Tag und Nacht aus dem Urgestein der Vulkaneifel herausgefiltert.

 

Auf der Arbeitsplatte ihrer Lifestyle – Küche eines Rödinghausener Herstellers steht je eine 1 Liter “WeserGold“- Kunststoff-Box gefüllt mit rotem Traubensaft und naturtrübem Apfelsaft. Gepresst zu 100% aus Früchten, die der Rintelner Hersteller in deutschen Anbaugebieten ernten lässt.

„Alles was ich esse, trinke, anziehe, meine Accessoires, die ich trage, der vierrädrige Untersatz, den ich fahre, muss in Deutschland hergestellt sein“, lautet Sonjas Credo.

„Germany first!“ lacht sie.

Das Motto hatte sie schon als 18jährige auf ihre Fahnen geheftet, bevor ihr die Comic- und Zeichentrickfilmfigur aus dem Disney-Studio, Donald Duck , ääähhh Donald Trump, das Urheberrecht klaute und es als 45. US-Präsident in seiner Antrittsrede am 20.01.2017 in Washington auf „America first“ umkopierte.

„Wer nach meinem Grundsatz lebt, mit eigenem Lohn das deutsche Bruttosozialprodukt unterstützt, möchte natürlich auch eine in Deutschland hergestellte Armbanduhr sein Eigen nennen“, wollte sie sich „spätestens bis zum 30. Geburtstag“ endlich einen Herzenswunsch erfüllen.

Die Suche nach was Besonderem in der Welt der Zeitmesser führte sie als Erstes in die Schweiz. Klar! Weil die dort ansässigen Hersteller seit Jahrzehnten große Anerkennung ernten. Mit ihren „Swiss Made Clocks“ haben sie sich zu Recht Weltruhm erarbeitet.

„Aber weshalb nun ausgerechnet eine Schweizer Uhr? Warum kein deutsches ticktack – Produkt? Wo du doch ein Fan von inländischer Ware bist!“

Die Frage beantworteten Sonjas Arbeitskolleginnen.

„Zum 10jährigen Betriebsjubiläum schenken wir dir eine „Nomos Tetra alpha“ – Armbanduhr“.

 

Das ist ein Erzeugnis aus der 6.771 Einwohner – Gemeinde Glashütte im Osterzgebirge. Da gibt es sage und schreibe 12 (!) Unternehmen, die sich mit der Herstellung von Chronometern befassen:

„A. Lange & Söhne“ ; „Bruno Söhnle“; „C.H. Wolf“; „Glashütter Original“; „Glashütter Uhrenbetrieb“; „Grossmann Uhren“; „Mühle Glashütte“; „Nomos“; „SUG Glashütte“; „Tutima Uhrenfabrik“; „Union Uhrenfabrik“; „Wempe Glashütte“.

Das „Deutsche Uhrenmuseum“ ist in Glashütte beheimatet. Na, wo denn sonst?

Der gute Ruf der Kulturstätte deutscher Feinmechanik geht auf Ferdinand Lange zurück, der 1845 anfing ausgerechnet hier, eine dreiviertel Autostunde südlich von Dresden, 15 km nördlich der tschechischen Grenze, eine Uhrenproduktion aufzubauen.

Sonjas edle Spender entschieden sich für ein 1.520,00 Euro teures Exemplar von „Nomos Glashütte“.

Selbsteinschätzung: Weltniveau!

Die Firma wurde 1990 gegründet. 260 Mitarbeiter fertigen alle 10 hauseigenen Kaliber selbst. „Feinste Produktgestaltung, deutsche Ingenieurskunst und traditionelles Glashütter Uhrmacherhandwerk sorgen für höchste Qualität und 130-fache Auszeichnung für Design, Qualität und Preis“, heißt es in der Eigenwerbung.

Das überzeugte Sonjas Gönner!

Beim heimischen „Nomos“ – Exklusiv – Händler Büttke, Juwelier und Uhrmacher mit eigener Meisterwerkstatt in der Bahnhofstrasse 7-9 in Bünde, kauften sie am 24.12. das Glanzstück. Und überreichten es der selig strahlenden Kollegin am Heiligen Abend um 18.00 Uhr als Jubiläums- und Weihnachtsgeschenk.

Die Freude über die “deutsche Ingenieurskunst“ und „höchste Qualität“ des Schmucks am rechten Handgelenk währte jedoch nicht lange.

Denn „NOMOS“ tat alles für die Vernichtung des von der eigenen Public Relations – Abteilung hoch gelobten Produkts aus dem „traditionellen Glashütter Uhrmacherhandwerk“.

Die „Meisterwerkstatt Büttke“, gegründet 1887, verkauft seit dem Sonja – Desaster keine „Nomos“- Ware mehr.

 

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Die Herrschaften im Erzgebirge ruinierten ihren Nimbus auf befremdliche Weise so:

Die „Tetra alpha“ Nr. 25899 gab nach vier Jahren, 2 Monaten, 28 Tagen ihren Geist auf. Dabei hatte sie keinerlei Grund zur Schwindsucht, denn sie wurde außerordentlich rücksichtsvoll behandelt.

So schmückte sie beispielsweise nicht das Unterarmende der Trägerin beim Abwasch in der Küche und beim Umpflanzen von Gewächsen in Blumenpötte. Sie war auch nicht mit dabei, wenn die Kletterrosen im Vorgarten geschnitten, die Fenster geputzt und das Treppenhaus gewischt wurden.

Der Uhr blieb viel Alltägliches erspart. Die erschütterte nichts. Dennoch machte das Prachtstück plötzlich einfach nicht mehr ticktack.

Die Diagnose des Verkäufers Büttke förderte Schlimmes zutage: Das Federhaus, eine Krone und eine Dichtung mussten erneuert werden. Die Operationskosten beliefen sich gemäß Rechnung Nr. 0959 vom 28.04. auf erkleckliche 126,05 Euro zzgl. 19% MwSt = 23,95 Euro, machte summa summarum 150,00 Euro.

Na ja, alle vier Jahre 150,00 Euro = 10% des Kaufpreises in einer Reparaturwerkstatt hinblättern ….. schöne Aussichten!

Eine von Sonjas Kolleginnen wandte sich bitter enttäuscht an NOMOS Glashütte/SA, die Roland Schwertner KG   Ferdinand-Adolph-Lange-Platz 2   D-01768 Glashütte, und machte ihrem Ärger Luft:

„Es geht nicht an, dass sich nach gerade mal vier Jahren sorgfältigster Pflege und behutsamstem Umgang mit Ihrem Fabrikat, dessen Preisniveau nicht im Lieschen Müller-Bereich angesiedelt ist und welches sich nicht jeder Otto Normalverbraucher leisten kann, eine Reparatur im 150,00 Euro – Bereich abspielt“.

 

Die NOMOS – Antwort ließ nur 3 Tage auf sich warten. Mit folgender Belehrung: „In unserem Garantiebuch empfehlen wir, dass eine NOMOS alle drei, spätestens jedoch alle 5 Jahre in Revision gegeben werden sollte. Dies hat nicht einmal etwas damit zu tun, ob sie viel oder wenig getragen wird, sie am Arm mehr oder weniger beansprucht wird; es hängt auch (und nur so als Beispiel) von der Lebensdauer des Öles ab, das dafür sorgt, dass eine mechanische Uhr einwandfrei läuft. Denn dies tut sie in der Regel. Jedoch: Selbst die hochwertigsten aller Öle, wie wir sie auch für unsere Uhren verwenden, halten nicht ewig. Und auch Gummidichtungen werden mit den Jahren porös“.

Es fehlte jeder Hinweis auf eine möglicherweise bereits abgelaufene Werkshaftung.

Sonjas Fürsprecherin fuhr aus der Haut: „Erschreckend unseriös, wie Sie sich aus der Verantwortung und damit aus der Garantie für die Uhr stehlen wollen mit Ihrer falschen Behauptung, NOMOS würde im Garantiebuch empfehlen, eine Uhr alle drei, spätestens jedoch alle 5 Jahre in Revision zu geben.

Denn in dem beim Kauf ausgehändigten 42 Seiten-Heftchen steht auf Seite 41 nix von einer alle drei, sondern in der Regel alle fünf Jahre sollte eine mechanische Uhrund so auch Ihre NOMOS – in die Revision. Bei dieser Sach- und Rechtslage müssen wir uns hoffentlich nicht mehr länger darüber unterhalten, dass die angefallenen Reparaturkosten von NOMOS getragen werden“.

 

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Die E-Mail wurde kichernd im NOMOS – Betrieb rumgereicht, als „ein schlechter Aprilscherz“ abgetan und tolldreist beantwortet:

„Die Uhr ist über vier Jahre alt. In dieser Zeit haben sich Räder, Unruh und Anker nahezu ununterbrochen bewegt. Da alle diese Teile in Verbindung stehen, entsteht unweigerlich Verschleiß. Auch ein Auto können Sie nicht vier Jahre ununterbrochen fahren, ohne dass es zur Inspektion, zum Service muss, neues Öl braucht oder neue Reifen. Auch hier würden Sie nicht erwarten, dass der Hersteller des Fahrzeugs die Kosten dafür nach dieser Zeit übernimmt“.

Was soll man auf soviel Dreistigkeit noch schreiben? Dieses per E-Mail nach Glashütte:

„Wenn Sie schon Service – Intervalle wie einen Pkw-Ölwechsel in Ihre abstruse Verteidigungsstrategie mit einbeziehen, dann lassen Sie bei diesen abenteuerlichen Gedankenspielereien das Wesentliche bewusst und gewollt außen vor, nämlich: dieser technisch notwendige Eingriff hat ebenso in einem festgelegten Zeitraum zu erfolgen wie eine allgemeine Inspektion mit Filterwechsel, Abgaskontrolle, Überprüfung der Lichtanlage und und und. Die finden sich in den Serviceheften und Garantiebestimmungen des Herstellers wieder.

 

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Dasselbe gilt für den von Ihnen zum Streit erhobenen NOMOS – Zeitmesser. Für den ist in Ihrem eigenen Garantieheft ein 5-Jahres-Rhythmus festgeschrieben. Nicht innerhalb von 5 Jahren soll die Uhr zur Revision. Nein, alle 5 Jahre sollte sie dorthin. Die 5 Jahre waren aber noch lange nicht rum.

Uns mit geistig Gestörten zu vergleichen, die innerhalb der Gewährleistung für ein Auto kostenlosen Ersatz abgefahrener Reifen oder für verbrauchtes Öl neues einfordern könnten, ist schlichtweg eine Frechheit“.

Es war nun Geschäftsführer Uwe Ahrendt höchstpersönlich, der 20 Tage später allen Mut zusammennahm wegen der „Worte, die die Kolleginnen untereinander ausgetauscht haben. Das geht nicht, und ich möchte mich dafür in aller Form entschuldigen“.

Er rügte damit die Ungezogenheit seiner Mitarbeiterinnen, die sich über den Inhalt des Beschwerdebriefes von Sonjas Freunden köstlich amüsiert, ihn am 06. April 11:40 Uhr als „einen schlechten Aprilscherz“ im Betrieb herumgereicht und sich halb totgelacht hatten.

„Wir werden“, versprach der Chef, „unsere Kommunikation intern hinterfragen und verbessern“.

In seinem 25 Zeilen kurzen Schriftstück verleiht er im letzten Absatz der Hoffnung Ausdruck, die Uhrenkritiker mögen mal bei NOMOS in Glashütte vorbeischauen um „mit eigenen Augen zu sehen, wie viel Arbeit und Mühe, aber auch Können, Tradition und Hightech in einem Uhrwerk stecken“.

Aber darum ging es doch gar nicht!

Sondern darum, ob ein Warenhersteller seine Kunden mit irreführenden Informationen in einer Garantiebroschüre an der Nase rumführen darf, ohne finanziell dafür einstehen zu müssen.

Weil Herr Ahrendt keine Silbe darüber verlor, ob sein Laden die Reparaturkosten für die „Tetra alpha“ Nr. 25899 übernimmt, haben Sonjas Investoren mit einem 5. und letzten Brief noch einmal nachgehakt.

 

Was als Erwiderung daraufhin eintrudelte, ist nichts anderes gewesen als das, was von unseriösen Zahlungsverweigerern landauf landab zu erwarten ist. Eine bodenlose Unverschämtheit! Die liest sich aus dem deutschen Uhren-Mekka so:

„Vom Kauftag an galt der gesetzliche Gewährleistungsanspruch von zwei Jahren. Der lief ab lange bevor die Uhr beim Fachhändler in Reparatur gegeben wurde“.

Die in dem 42 Seiten umfassenden Garantieheft „angebotene Revision ist keine Pflicht und bedeutet auch nicht, dass NOMOS Glashütte gleichzeitig eine Garantie von 5 Jahren einräumt.

Sicherlich verstehen Sie, dass wir unter diesen Umständen den Betrag von 150 Euro nicht erstatten können“.

„Schön verarscht“ fühlen sich die NOMOS – Käufer, „weil nirgendwo in dem Garantieheft steht, dass die Gewährleistung nach zwei Jahren abläuft. Das wird bewusst verschwiegen. Auf 42 (!) Seiten.

Jeder glaubt doch beim Lesen des besonders hervorgehobenen Hinweises auf die Fünfjahresfrist für eine erste Revision, dass nur beim Nichtbefolgen dieser Empfehlung die Mängelhaftung des Herstellers entfällt.

Eins noch zum Schluss: Uns Erwerbern geht es nicht um die 150,00 Euro, uns geht es um’s Prinzip! Wir fühlen uns vom Inhalt des Garantieheftchens, in dem nirgendwo von einem 2 oder 3 jährigen Gewährleistungsanspruch die Rede ist, böswillig getäuscht und belogen. Die Damen und Herren im Erzgebirge haben uns arglistig reingelegt.

„Made by NOMOS“.

Hat Sonja jetzt die Nase voll von der deutschen Produktpalette?

„Nein“, schüttelt sie den Kopf. „Das Geschenk aus Glashütte war hoffentlich meine erste und letzte ’Made in Germany’ – Enttäuschung“.

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