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Artikel ‘beschlagnahmter BMW’

„Guten Tag, Kriminalpolizei. Mein Name ist Adler, Andreas Adler, Ihr Auto ist beschlagnahmt! Es besteht der dringende Verdacht eines Unfalls mit Fahrerflucht!“ Der überrumpelte Fleischermeister Michael Dörrich (36) starrte auf den grünen Polizeiausweis, unterschrieb mit zittriger Hand ein ihm hingehaltenes Beschlagnahmepapier, zog verdattert den Fahrzeugschlüssel aus der Tasche und drückte ihn Polizeikommissar Adler in die Hand.

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Der sagte kurz „danke“, drehte sich um und stieg dienstbeflissen in den Audi A 8 4,2 Quattro. Mit ernster Miene fuhr er davon.

In diesen Sekunden war Herr Dörrich seinen schönen PKW los an einen Herrn Adler, der gar kein Polizist ist, sondern ein arbeitsloser Pflastersteinleger mit gefälschtem Polizeiausweis! Der wollte unbedingt in einem Audi A 8, seinem Traumauto, seiner 4 Jahre jüngeren Traumfrau mit einer Traumhochzeit imponieren. Seine Denisa (26) sollte am schönsten Tag ihres Lebens, der in 100 Stunden über die Bühne gehen würde, von ihm, dem Bräutigam, zum Standesamt in der Bahnhofstraße kutschiert werden. Für einen Leihwagen hatte er kein Geld. Für ein Leasingfahrzeug schon gar nicht.

„So einen, wie meinen Andreas, kriege ich nie wieder, den gibt’s nur einmal auf der Welt!“ blickte Denisa Griese den Richter treuherzig an. Der beugte sich weit vor, nickte und bestätigte: „Da haben Sie Recht. So etwas an Dreistigkeit und Einfallsreichtum habe ich hier noch nicht erlebt.  Aber aus Ihrer geplanten Hochzeit wird leider nichts. Ihr Bräutigam, der Herr Adler, muss nun für die nächsten 3 ½ Jahre ins Gefängnis“.

Menschen im Mediendreck

Schluchzen und Tränen bei Denisa, Niedergeschlagenheit beim schwarzhaarigen Angeklagten.

Wenige Minuten zuvor hatte der bestohlene Michael Dörrich als Zeuge geschildert, was ihm an dem angeblichen Beamten der Kripo Heilbronn so imponiert hatte: „Er stand vor mir, öffnete seine Weste und gab den Blick frei auf eine Pistole im Schulterhalfter. Ich war beeindruckt und absolut sicher, dass dieser Mann ein echter Polizeikommissar ist und wie er sagte, einer süddeutschen Sonderermittlereinheit angehört, die in Sachen Autodiebstahl, Autoschieberei, Verkehrsunfälle und Fahrerflucht bundesweit unterwegs ist von ihrer Zentrale im Polizeipräsidium Heilbronn“.

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Die Wahrheit war eine andere: Vor dem Audi A 8 – Besitzer stand ein bereits 8-fach vorbestrafter einfallsreicher Arbeitsloser! Das mit den Einfällen, wie komme ich an anderer Leute Geld, war jedoch sein einziger Reichtum.

Sein vorletzter Knaller: Er hatte sich die Liebe von Denisa erschlichen, wohnte auch schon bei ihr. Sie war hingerissen von dem gutaussehenden Brillenträger, wachsgestylte Haare, immer so gern Gentleman und Modegockel, sogar im Gerichtssaal. Da trug er ein ozeanblaues kurzärmeliges Hemd, schräggestreifte Seidenkrawatte, hellgraue Hose, dunkelgraue Weste, schwarze Lackschuhe – ein Typ, nach dem sich Frauen umdrehen!

„Einer zum Anbeißen, Ankuscheln, lieb haben“, schwärmt Denisa. Wären da nicht die hässlichen Fußfesseln gewesen, die den Charmeur nur zentimeterweise über den blank gewienerten Flur vom Gerichtssaal zum Gefängnis schlurfen ließen, hätte man der 26jährigen Kosmetikern die nette Geschichte vom harmlosen Bräutigam ungeprüft glauben können.

Eine, die ihm nicht glaubte, war die Staatsanwältin. Die kannte Herrn Adler anders und hatte überhaupt kein Mitleid mit ihm, der zwar den Realschulabschluss schaffte,  danach eine Straßenbaulehre abbrach, nichts Neues gelernt, aber 32.000,- EURO Schulden gemacht hat. „Ich bin verlobt“, lächelte er die 7 Schritte entfernt sitzende Denisa an, der er die Welt zu Füßen legen wollte – ohne Knete! Denn von der Sparkasse kriegte er nix mehr.

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In einem Internet – Chatroom waren sie einander begegnet. 6 Wochen später das 1. Rendezvous. Denisas Herz hüpfte vor Freude! Als er vorfuhr, schlug sie die Hände vor’s Gesicht, staunte, schüttelte ungläubig den Kopf: „Was habe ich für ein Glück!“ Ihr Liebster fuhr in einem eleganten brillantschwarzen Audi A 8 4,2 Quattro vor!

„Mein neuer Dienstwagen“, log er. „Ich brauche so ein Fahrzeug für meine Pendeleien zwischen Frankfurt und Stuttgart. 80.000,- EURO ist der Superhirsch noch wert“, erläuterte Herr Adler großspurig. Und schwärmte: „Hat Klimaautomatik, Anti-Blockiersystem, Wegfahrsperre, Luftfederung, Navi, Einparkhilfe, Rückfahrkamera. Nächste Woche fahren wir beide darin zur Trauung direkt vor’s Rathaus“, versprach er, der nach eigenen Worten „als Personalüberwacher einer Sicherheitsfirma viel Geld verdient. Mit sechstausend netto im Monat kommen wir zwei doch gut über die Runden, oder?“ Denisa standen Tränen der Glückseligkeit in den Augen.

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Auch Denisas Mama Alice (54) war von Herrn Adler angetan. „Was Besseres konnte meiner Tochter nicht passieren, als diesen flotten jungen Mann kennen zu lernen. Ein wunderbarer Kochkünstler ist er“, lobt sie ihn heute noch. „Am besten schmecken mir seine Lachsfilets in Rahm-Sahne-Soße mit Spaghetti“.

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3 Monate nach dem 1. Kuss verlobten sich Denisa und Andreas. „Er ist mein 3. Freund, aber ein ganz besonderer“, erzählt sie über ihn. „Ich mag ihn, weil er sehr unterhaltsam und ein Spaßvogel ist. Ich habe noch nie in meinem Leben mit jemandem so viel gelacht! Die anderen Beziehungen waren nach einem Jahr kaputt, bei Andi ist alles anders. Meine Gefühle spielen Purzelbaum. Ich liebe ihn, auch wenn er, wie ich jetzt weiß, ein Gauner ist“.

Das erfuhr sie nachts um 01:05 Uhr, als sie in Andreas’ Armen dem Hochzeitsvormittag entgegen schlief. „Es läutete und polterte an der Tür, ich wurde wach“, erzählt Denisa Griese. Weil sie nicht schnell genug aus dem Bett kam, wurde die Haustür eingetreten. 4 Polizeibeamte stürmten in den Flur. Unten wurden die Eltern der jungen Frau von 2 anderen Gesetzeshütern geweckt, 5 weitere Beamte hatten das Haus umstellt. Inzwischen war auch Andreas wach. „Wir rissen die Hände hoch, ’nicht schießen, nicht schießen‘, stammelte ich. Andi musste sich anziehen, danach machte es klick, in Handschellen führten sie ihn ab. Ich habe nur noch gejammert und geheult“.

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Um 11 Uhr, als die Trauung im Standesamt sein sollte, erschien sie mit rotgeweinten Augen und holte alle Hochzeitspapiere ab. Darum:

5 Tage vor der Zeremonie war Andreas Adler bei Fleischermeister Michael Dörrich erschienen, hielt dem einen am Computer perfekt gefälschten Polizeiausweis der Kripo Heilbronn unter die Nase sowie  einen ebenfalls gefälschten richterlichen Beschlagnahmebeschluß für den Audi A 8 4,2 Quattro.

Menschen im Mediendreck

Mit herrischer Stimme erklärte der angebliche Polizeikommissar vom Dezernat 5.1, der Audi sei auf der A 6, Saarbrücken – Waldhaus, in einen Unfall mit Fahrerflucht verwickelt gewesen. „Ein Augenzeuge hat uns das Autokennzeichen genannt! Deshalb muss das Fahrzeug“, ordnete er barsch an und las den Kilometerstand 47.478 ab, „nun von einem Gutachter auf fremde Lackspuren untersucht werden“.

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Dörrich händigte dem Polizeibeamten die Fahrzeugschlüssel aus, nicht ohne immer wieder einen Blick auf die Pistole zu werfen, die aussah wie eine der Marke Röhm, Modell RG 96, Kaliber 9 mm, die Herr Adler gekonnt unter seiner Jacke hervorblitzen ließ.

Die Wahrheit erfuhr Herr Dörrich später. Als er nichts mehr von Herrn Adler hörte und der schöne Audi verschwunden blieb, rief er bei der Heilbronner Kripo an. Die echten Polizisten fielen im Präsidium aus allen Wolken! Der Name Andreas Adler war ihnen nämlich sattsam bekannt. Der Metzger war auf einen polizeibekannten Betrüger reingefallen, vorverurteilt wegen Beteiligung an einem Banküberfall, gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung zu Lasten seines eigenen Bruders. Insgesamt 5 Jahre saß Adler schon im Gefängnis.

„Mit dem Audi A 8 wollte er vor seiner Braut angeben“, sagte der Richter bei der neuen, der vierten Urteilsverkündung, und verhängte „wegen Amtsanmaßung, Urkundenfälschung und Betruges 3 ½ Jahre Freiheitsstrafe. Sie legen ahnungslose Bürger mit Lügen rein. Als falscher Polizist sorgen Sie dafür, dass die Unsicherheit in der Bevölkerung wächst. Solche Gauner wie Sie brauchen einen Denkzettel. Eine Bewährungsstrafe, auf die Sie hoffen und die Ihr Verteidiger beantragt hat, kommt überhaupt nicht in Frage“.

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Denisa bibberte, Denisa weinte, Denisa wischte sich Tränen ab. Aber es half alles nichts. Lange winkte sie ihrem Herzbuben hinterher, als er am Ende des Flurs im Gefängnishof verschwand. Zuvor hatte sie ihm mit einem innigen Kuss versprochen: „Ich liebe dich immer noch und ich hoffe, dass wir nach deiner Freilassung sofort heiraten und du dein Geld durch ehrliche Arbeit verdienst“.

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Ehrliche Arbeit? Seine Strafe hat Andy verbüßt. Aber mit dem Thema Aufrichtigkeit, Geradlinigkeit, Wahrhaftigkeit, eine ehrliche Haut zu sein, hat er nach wie vor Probleme. So versuchte er an seinem Arbeitsplatz als Farbenmischer einen ahnungslosen Kollegen zu einer Geldanlage bei ihm zu überreden, mit dem Versprechen auf satte Gewinne. In Zeiten von 0-Zinsen empfinden viele so eine Offerte wie einen Wink des Himmels. Als eine Sternstunde in ihrem Leben, weil sie sich fragen: „Womit habe ich soviel Aufmerksamkeit von Glücksgöttin Fortuna verdient?“

Bevor der in sein finanzielles Verderben seine mühsam erarbeiteten Moneten vom Bankkonto abräumte, guckte sich sein Chef erst mal die Berufskarriere seines Farbenmischers an – und fiel aus allen Wolken! Denn er wurde in www.boulevard-buende.de über den „Vermögensberater“ Adler richtig aufgeklärt.

Daraufhin empfahl der Boss seinem Mitarbeiter dringend, die sauer verdienten Kröten lieber zinslos unter der Matratze aufzubewahren, anstatt sie dem im Nebenjob aktiven „Anlageberater“ in die Hand zu drücken. Von dessen schillernder Vergangenheit er nichts wußte, weil Herr Adler sie ihm beim Einstellungsgespräch schamhaft verschwiegen hat.

Der Gauner, der das Betrügen anscheinend nicht sein lassen kann und immer wieder auf der Suche nach neuen Opfern ist, mischt in der Lackfabrik keine Farben mehr.

www.boulevard-buende.de ist eine der spektakulärsten Zeitungen in Bünde = bekannt als Tabak-,

Zigarren- und Banderolenstadt, als „Fairtrade Town“ und als Radfahrer-Eldorado.