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Plötzlich flog Angelika mit 400 Hähnchen durch die Luft

Sie wollten nur glücklich miteinander werden, Kraftfahrzeugmechaniker Joachim Marczyk (40) und Zeitungsausträgerin Angelika Gräf (47). Drei Jahre lebten sie zusammen, hatten ihre Träume, malten sich die Zukunft in den schönsten Farben aus. Sie redeten von Heirat, einer Eigentumswohnung und schönen Ferien in den Bergen und am Meer. Er bevorzugte Wandertouren in der Schweiz und in Österreich. Sie Badeurlaub an der Nord- und Ostsee.

Doch statt Ringtausch und gemeinsame Freizeitgestaltung gab es einen großen Knall. Und was für einen!  Angelika,  inzwischen Hähnchenbraterin, flog mit ihrer rollenden Grillstation in die Luft. Die Gasleitung war geöffnet worden. Die Frau überlebte schwerverletzt.

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Wer wünschte sich Angelikas Tod?

Es geschah am 3. Dienstag im September. Pünktlich um 09.30 Uhr erreichte Angelika Gräf mit 400 frischen Hähnchen im Eisschrank ihres Grillautos den Standplatz vor einem Lebensmittel-Supermarkt. Hier machte sie seit Anfang an sehr gute Umsätze. 350 – 400 Stück gegrilltes Geflügel verkaufte sie Tag für Tag. Ihren Job als Zeitungsausträgerin hat sie vor einem halben Jahr für die Hähnchengrillerei aufgegeben.

An diesem Morgen öffnet sie wie immer die 2 x 1 Meter große Schutzklappe an der Fahrerseite des Fahrzeugs. Sie dreht den Haupthahn für die Gaszufuhr auf, streift sich den weißen Arbeitskittel über. Dann greift sie in die rechte Tasche und zieht ein schwarzes Feuerzeug hervor.  „Schnippschnapp-schnippschnapp“ macht es, das Metallrädchen reibt am Feuerstein.

Da! Ein fürchterlicher Knall! Die Hähnchen fliegen durch die Luft. Die Druckwelle erfasst Angelika – sie wird hinterher geschleudert. Alles brennt. Passanten schreien um Hilfe.

Angelika Gräf handelt trotz schwerster Verbrennungen überlegt: „Ich musste zuerst die Feuerwehr rufen, sonst hätten die Flammen auf Autos und das Gebäude übergegriffen. Nicht auszudenken, was dann noch alles passiert wäre“, erzählte sie bei ihrer ersten polizeilichen Vernehmung.

Den Notruf kann sie noch absetzen. Sie gibt den Standort durch – und fällt um. Bewusstlos wird sie ins Klinikum gebracht. Sie hat schwere Verbrennungen II. Grades erlitten; im Gesicht, an den Händen, an den Armen.

Aber sie lebt – und überlebt! Das mit den Brandnarben bekommen Schönheitschirurgen später wieder ganz gut hin. „Den Rest übertünche ich mit Schminke“, sagt sie lächelnd. Die Arbeitsstelle gibt sie auf. „Ich habe jetzt Angst“, hat sie zu ihrem Chef gesagt. „In der Nähe von Gas kann ich nicht mehr sein“.

Wie konnte es zu der Katastrophe kommen? Die Kripo fand die Ursache schnell heraus. Angelikas Freund Joachim Marczyk wurde festgenommen. Vorwurf: Mordversuch aus Eifersucht.

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„Er löste eine Sechskantschraube am Verschlussstopfen des Gasrohrs, um Angelika Gräf heimtückisch zu töten. Nach dem Öffnen des Haupthahns strömte Gas ins Wageninnere. Beim Funkenschlag mit dem Feuerzeug kam es zur Explosion“, warf ihm die Staatsanwaltschaft vor. „Bei dem Opfer handelt es sich um die ehemalige Lebensgefährtin des Täters“.

Wieso ehemalige? Die zwei wollten doch heiraten. Eine Wohnung kaufen. Urlaub in den Alpen und an den Badestränden in Norddeutschland machen!

Sie schleppte zunächst Zeitungen rum, darunter eine Fernsehzeitschrift für Marczyk. So fanden sie zueinander. Nach vier Monaten zog das Paar zusammen. Für den Kfz-Mechaniker war Angelika die erste wirklich große Liebe. Er redete schnell von Hochzeit, sie winkte noch ab. Wollte unter Leuten sein, arbeiten gehen, eigenes Geld verdienen, unabhängig wirtschaften können, keinen Mann um Geld anbetteln müssen.

Nach eineinhalb Jahren änderte sich ihre Einstellung. Sie hatte jetzt einen viel besser bezahlten Job. Den der Hähnchengrillerin. An seinen freien Samstagen begleitete Joachim seine Angelika. So wurden ihm alle Handgriffe des Grillmobils vertraut. Tatkräftig half er mit beim Auf- und Abbau der Verkaufsstation, auch bei der Befeuerung der Grillspieße.

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Plötzlich musste der Mann gegen ein hartes Schicksal ankämpfen.

Seine Nieren funktionierten nicht mehr. „Schrumpforgane“, stellten die Ärzte fest. Joachim Marczyk benötigte dringend eine Spenderniere. Nach langer Wartezeit bekam er die in der Universitätsklinik Essen. Nach der Transplantation blieb er noch ein Vierteljahr in stationärer Behandlung.

Als er wieder zu seiner Freundin zurückkehrte, erlebte er eine böse Überraschung: Seine Habe stand zusammengepackt vor der Tür. In die Wohnung war ein anderer eingezogen! Hüseyn Cicekci (36), ein türkischer Arbeitskollege Angelikas.

Joachim reagierte fassungslos. Er wurde krank, liebeskrank, drohte: „Wundere dich nicht, wenn ich dich eines Tages mit allen deinen Hähnchen und deinem Liebhaber in die Luft sprenge…“

Dem Schwurgericht gegenüber erklärte die Frau: „Ich habe nie geglaubt, dass er das wahr machen würde“.

Von seiner neuen 2-Zimmer-Wohnung blickte Joachim jeden Morgen um sieben Uhr zum Eingang eines nur siebzig Schritte entfernten Mehrfamilienhauses, wo sich sein Engel und ihr Neuer innige Küsse auf die Lippen drückten, wenn sie zur Arbeit fuhren. Der Ex-Freund geriet außer sich!

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Eines Nachts kletterte Marczyk über den Zaun auf das Betriebsgelände der Hähnchenfirma und öffnete  den Gastank des Fahrzeugs, mit dem Angelika morgens zu ihrem Standplatz fuhr. Stunden später kam es dann zu dem dramatischen Mordszenario.

Der Täter wurde wegen versuchten Mordes zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Angelika Gräf ist mit der feigen Tat ihres Ex-Freundes und Folgen nie fertig geworden. Nach außen spielte sie die starke Frau. Aber im Inneren nagten Verzweiflung, Angst und Schuldvorwürfe. Sie war unglücklich über ihr moralisches Fehlverhalten.

„Sie weinte sich bei mir aus und meinte, das hätte sie Joachim nicht antun dürfen. Sie verstehe nicht, warum sie sich mit  Hüseyn Cicekci eingelassen und nicht auf Joachim gewartet habe“, erzählt ihre Freundin Jessica Wagner (41).

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An den Selbstzweifeln ist Angelika zerbrochen. Im Auto fuhr sie nachts in einen außerhalb der Stadt  gelegenen Feldweg. Am anderen Tag fanden Spaziergänger die Frau. Sie hatte sich mit Auspuffgasen umgebracht.

Danach wollte auch Joachim Marczyk nicht mehr leben. Er wusste, dass er keinen Alkohol trinken durfte. Er machte das Gegenteil und zerstörte so nach der abgestoßenen 1. Spenderniere absichtlich auch die 2.

Er wurde nur 50 Schritte von Angelikas Grab beerdigt.

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