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Transplantation? Nierenspender Johannes (48) wurde für seine Nächstenliebe von der AOK, der Krankenkasse der Organempfängerin, ganz ganz bitter bestraft!

„Organspende? Ich doch nicht!“ sagt Ursula, die 2 Jahre jüngere Witwe des Lebensretters Johannes Ideus (48). Den kennen Tausende Feriengäste, die im Bünder Schullandheim oder anderswo auf Wangerooge Urlaub machten. Nierenverschenker Johannes war Beamter im Inselbahnhof. Als Fahrdienstleiter brachte er die Züge vom Dorf zum Westanleger und zurück auf den Weg, freute sich über die  Eingliederung eines Triebwagens der Baureihe 699 und einiger Wagen, die von Spiekeroog herüberkamen, als dort die Inselbahn stillgelegt wurde. Purzelbäume schlug sein Eisenbahnerherz im Sommer 1997! Da fuhr erstmals eine Museumslok, die extra vom Festland auf die Insel geholt worden war.

 

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Dieser lebensbejahende Mann zögerte keinen Augenblick, als seine 3 Jahre jüngere Schwester Irmgard schwer nierenkrank wurde. Er rettete ihr durch seine Nierenspende das Leben und ersparte ihrer Krankenkasse, der AOK, eine halbe Million Euro Kosten für jahrelange teure Dialysebehandlungen. Und was hat der Lebensretter von seiner Großherzigkeit gehabt? Er starb nach jahrelangen zermürbenden Prozessen als verarmter Mann in den Armen seiner Frau! Die AOK hatte ihm die Übernahme von 20% der Behandlungskosten verweigert, die für ihn nach der Erkrankung seiner eigenen Niere aufgebracht werden mußten. 80% bezahlte seine eigene Krankenkasse.

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Heute steht Witwe Ursula vor dem abrupten Ende einer Ehe, die romantisch begann und der die AOK den Todesstoß versetzte. Johannes lebte in Jever, arbeitete bei der Bahn und versah seinen Streckendienst zwischen Sande und Esens.

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Nach 8 Jahren wollte ein Kollege der Liebe wegen von Wangerooge aufs Festland wechseln. Er suchte einen Tauschwilligen. Johannes bot sich an und bezog eine kleine Wohnung auf der Insel. Lange blieb er nicht allein. Er verliebte sich in Krankenschwester Ursula. Anstelle einer von Pferden gezogenen Hochzeitskutsche dampften beide mit der Inselbahn ins Glück.

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Wen Ursula geheiratet hatte, wusste sie. „Einen sympathischen, liebenswerten Menschen, ein Geschenk für jede Frau. Seine Hilfsbereitschaft war auf der ganzen Insel bekannt seit dem 1. Tag seiner Ankunft. Er war 10 Jahre vor unserer Heirat zum Lebensretter seiner Schwester Irmgard Hanka geworden“.

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Die  ist 3 Jahre jünger, lebte damals in Wittmund. Während der Schwangerschaft erkrankte sie an einer Nierenbeckenentzündung, beide Nieren versagten. Sohn Michael kam per Kaiserschnitt zur Welt. Die Frau des 5 Jahre älteren Finanzbeamten Lothar wurde 2 Jahre an eine Blutwäschemaschine (Dialyse) angeschlossen. Eine Methode, um das Blut von harnpflichtigen Substanzen, Giftstoffen und überflüssigem Wasser zu reinigen. Etwa 1/5 des durch das Herz gepumpten Blutes läuft in die 2 Nieren des Menschen. Die filtern täglich bis zu 1500 Liter Blut und reabsorbieren daraus Natrium, Kalium, Kalzium, Aminosäuren, Glukose und Wasser. Über den Urin scheiden sie den aus dem Proteinabbau stammenden Stickstoff in Form von Harnstoff aus, ebenso wie Mineralien-, Toxin- und Arzneiüberschüsse. Funktionieren die Nieren nicht mehr, hat das auf Dauer lebensgefährliche Folgen, weil sich die Schlackenstoffe im Blut ansammeln. In solchen Fällen wird die ausgefallene Nierenfunktion durch die Dialyse ersetzt.

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Nach 2 Jahren vertrug Irmgards Körper diese maschinelle Blutreinigung mit aggressiver Chemie nicht mehr. Händeringend wurde eine Spenderniere gesucht. Johannes Ideus war sofort zur Organspende bereit. In der Medizinischen Hochschule Hannover transplantierte ein erfahrenes OP-Team die rechte Niere vom Bruder auf die Schwester. Ohne dieses Geschenk wäre die Empfängerin nach 6 Monaten gestorben, waren die Ärzte überzeugt.

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Bevor es zur Nierenübertragung kam, ist der Kostenaufwand geklärt worden. Irmgards AOK teilte der Klinik mit, die gesamten mit der Organentnahme verbundenen Aufwendungen des Spenders werden übernommen. Die Krankenkasse bezahlte 45.000,- EURO Behandlungskosten für Johannes Ideus.

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11 Jahre später dann die Tragödie! Der Bahnobersekretär erkrankte an Nierenkrebs. Die einzige noch vorhandene linke Niere musste entfernt werden, er war auf Dialyse angewiesen. Seine Krankenkasse, die Krankenversorgung der Bahnbeamten, übernahm  80 Prozent dieser Kosten. Die übriggebliebenen 20 Prozent sollte Irmgards AOK bezahlen. Doch die dachte nicht daran! Wegen läppischer 750,- EURO im Monat überließ die Krankenkasse den Lebensretter seinem Schicksal!

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„Für uns war das viel Geld, für die AOK sicher nicht. Wir mussten diese Summe alle 4 Wochen aus unserem eigenen Portemonnaie bezahlen“, erzählt Ursula Ideus www.boulevard-buende.de. Mitleid? Nein, Mitleid wollten die Eheleute nicht. „Nur Gerechtigkeit“, flüstert die Witwe mit belegter Stimme. „Mein Mann und ich überlegten lange, ob wir gegen die über Leben und Tod entscheidende AOK vorgehen sollen oder nicht. Wir entschieden uns für einen Musterprozess. Dabei stand nicht nur Johannes eigenes und mein Interesse im Vordergrund, sondern wir wollten diesen Kampf um Gerechtigkeit für all jene Menschen führen, die von ihrer Krankenkasse genau so schäbig, würdelos und verächtlich behandelt werden wie wir. Die Prozesskosten für das Sozial- und Landessozialgericht bezahlten wir von unseren Ersparnissen“.

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Die Richter dort, alle gesund und ohne Nierenprobleme, entschieden: Die AOK hat nur für die Transplantation und die nachfolgenden Untersuchungen aufzukommen. Die Dialysekosten des Spenders stehen in keinem Zusammenhang mit der Organspende und sind deshalb nicht von der Kasse der Organempfängerin zu übernehmen.

 

Die Medizinische Hochschule Hannover reagierte entsetzt. Sie unternahm mit einem 2-seitigen Brief an die AOK den Versuch, zu retten, was nicht zu retten ist bei solch engstirnigen Bürokraten in ihren Glaspalästen, die sich auf Milliardengewinnen ausruhen. 2 Professoren schrieben der Krankenkasse: „Treten im Zusammenhang mit der Organspende Komplikationen auf, durch die der Spender einen Gesundheitsschaden erleidet, so ist der Tatbestand des Arbeitsunfalls erfüllt. Vom Zeitpunkt an, in dem dieser Sachverhalt gegeben ist, hat der Spender Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung (§ 539 Abs. 1 Nr. 10 RVO).

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Wir halten den Fall des Patienten Ideus gesundheitspolitisch für brisant, da ein Publikwerden der wenig hilfreichen Behandlung des Organspenders durch die begünstigte Kasse die Bereitschaft anderer Bürger, für Verwandte noch eine Niere zu spenden, massiv beeinträchtigen würde. Auch mit den Konsequenzen, dass für die Kassen die Kosten höher wären und die Wartelisten länger. Wir als behandelnde Ärzte können guten Gewissens keinem potenziellen Spender zur Organspende raten, bis die Unklarheiten des Falles Ideus befriedigend gelöst sind“. 

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Gelöst wurde der Fall nicht! Durch kein Gericht, keine Gesetzesänderung, kein Entgegenkommen der Krankenkasse – nur durch Tod! Nierenspender Johannes und seine Ursula mussten den Traum vom Eigenheim begraben. Sie wollten von ihren Ersparnissen ein Haus mit vermietbaren Fereinwohnungen bauen, damit die Ehefrau nach seinem Tod abgesichert ist. Stattdessen mussten sie privat 60.000 EURO für die Dialysekosten des Lebensretters aufbringen.    

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Johannes machte sich nichts mehr vor. Er war körperlich zuletzt so geschwächt, dass er im Rollstuhl den Weg von seiner Wohnung zum Arbeitsplatz, dem Wangerooger Bahnhof, zurücklegen musste. Der Mann, der aus Nächstenliebe handelte, wurde einfach fallen gelassen. Das Bundesministerium für Gesundheit segnete die Ablehnung der Leistungspflicht der AOK sogar noch ab, fügte jedoch hinzu, „dass der zuständige Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für die Folgen einer Nierenspende entschädigungspflichtig ist, die sich aufgrund eines krankheitsbedingten Verlusts der zweiten Niere ergeben“.

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Endlich ein Lichtblick! Die von Johannes Ideus unverzüglich angeschriebene Unfallversicherung lehnte trotzdem ab mit dieser Begründung: „Es liegt kein Arbeitsunfall vor. Als Unfall gilt nur ein von außen auf den Körper einwirkendes, ihn schädigendes, plötzliches zeitlich eng begrenztes Ereignis, nicht jedoch ein Körperschaden, der sich durch eine innere Ursache ergibt… die später notwendig gewordene Entfernung der linken Niere infolge eines Nierenzellkarzinoms ist als sogenannter Nachschaden zu werten, der in keinem ursächlichen Zusammenhang mit Unfallfolgen steht. Entschädigungsansprüche aus Anlass der Entfernung der linken Niere sind deshalb abzulehnen“.

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„Verhöhnt und abgeschrieben, so kamen wir uns bis zum letzten Atemzug von Johannes vor“, sagt Witwe Ursula verständnislos zu www.boulevard-buende.de. Unübertroffen an Spott war das, was sich dann auch noch das Kuratorium für Dialyse- und Nierentransplantation e.V. Martin-Behaim-Straße 20, D – 63263 Neu-Isenburg (Telefon: 06102/3590, Telefax: 06102/359-410) leistete. Dort hieß es in einer Presseverlautbarung: die in Deutschland vorhandene Abneigung gegen die Organspende dürfe nicht noch größer werden, darum wolle der Verein dem Nierenspender Johannes Ideus finanziell unter die Arme greifen. Die Prozessniederlagen sollen ihn nicht in den ruinösen Abgrund reißen.

Witwe Ursula zieht ihre Augenbrauen hoch und legt ihre Stirn in Falten angesichts dieser öffentlich gemachten generösen Offerte: „Alle möglichen Leute beglückwünschten uns zu diesem Happy-End. Dabei gab es das gar nicht! Das Kuratorium bediente sich unseres Schicksals nur aus billiger Reklamemacherei, schickte aber nie Geld“.

Am 23.08.’12 bat www.boulevard-buende.de das Kuratorium um Mitteilung, wie viel Geld wohin bezahlt worden ist. Die Antwort: eisiges Schweigen!

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Kurz vor seinem Tod sagte der verzweifelte Mann zu www.boulevard-buende.de: „Was verlange ich denn von diesem Sozialstaat, der schon lange keiner mehr ist? Ich will doch nur das, was für die Verlängerung meines Lebens notwendig ist! Ich habe mit dem Verschenken meiner Niere an meine Schwester kein Geschäft gemacht. Wie etwa ein Fall des privaten Organhandels, der vom Bundessozialbericht in Kassel entschieden wurde. Da hatte sich ein Türke bereiterklärt, eine seiner Nieren seinem Bruder zur Verfügung zu stellen. Für die Niere erhielt der Lebensretter als Ausgleich für eine geringere Lebensqualität und eine geringere Lebenserwartung ein Grundstück und 30.000,- EURO in bar. Die Krankenkasse sollte diese Schenkungskosten übernehmen. Das Landessozialgericht und das Bundessozialgericht entschieden übereinstimmend, solche finanziellen Regelungen seien sittenwidrig. Damit könne die lebensgefährliche Not kranker Menschen ausgenutzt werden.

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Mein Fall ist anders. Ich will nichts geschenkt haben, kein Grundstück, kein Haus. Aber ich will doch als Organspender nicht auch noch draufzahlen! Womit habe ich das verdient?“ klagte Johannes Ideus die Herzlosigkeit der AOK an. „Die Kosten für meine Lebensverlängerung waren jederzeit kontrollier- und belegbar. Ich wollte keinen Cent mehr. Es kann nicht sein, dass ein Lebensretter so bestraft wird wie ich und meine Ursula“.

 

Doch genauso ist es gekommen! Johannes Ideus ist tot, seine Schwester Irmgard auch, die schaffte es ein bisschen länger. Ursula lebt immer noch in der kleinen Mietwohnung in Wangerooge, schaut sich Fotos an und hängt Erinnerungen nach.  „Wir konnten uns nichts mehr leisten, nur noch eine Beerdigung, die Johannes bis ins Detail plante, obwohl er gleichzeitig das Leben nicht loslassen konnte. Ich musste ihm versprechen, vor Gericht weiter zu kämpfen,  auch wenn er nicht mehr dabei sein kann. Diesen letzten Wunsch habe ich ihm erfüllt“.

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Inzwischen ist auch der Chirurg gestorben, der die Nierentransplantation von Johannes auf seine Schwester in der MHH vornahm. „Der Schatten des Todes liegt über diesem ganzen Organspendedrama“, meint Ursula Ideus. Traurig fügt sie hinzu: „Die AOK sparte durch meinen Johannes ein Vermögen, doch als er, der Nierenspender, selbst Hilfe brauchte, wurden er und ich bitter bestraft“.

„Spenden Sie trotzdem Organe! Sehen Sie mich an: mit meinem 3.Herz habe ich gerade quietschfidel meinen 19. Geburtstag gefeiert!“

Vanessa  lebte ab dem 12. Lebensjahr mit Herzschrittmacher und künstlichem Herzen. Jahre in Angst vorm drohenden Tod. „Ich lag schon in Narkose auf dem OP-Tisch, der Chefchirurg hielt das Spenderherz in der Hand und unterzog es einem letzten prüfenden Blick. Danach legte er es weg. Das Organ war nicht o.k. Ein Schock für meine Mama Elke (40) und mich. Monate später klappte es dann doch noch. Wenn ich morgens die Augen aufmache, kann ich nicht glauben, dass ich lebe!“

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9 Tabletten pro Tag, 3 Sorten habe ich immer griffbereit. Ein Signal meines Handys erinnert mich an’s Einnehmen. Das trage ich bei mir, wie alte Leute ihren Spazierstock“, schmunzelt die Hauptschul-Absolventin, die ihr Abi nachmacht und in 2 Jahren mit einem Medien-Studium beginnen möchte.

Alle 3 Monate vertraut sie sich für 1 Tag stationär Herzspezialisten für Kontrolluntersuchungen an. „Die Ergebnisse sind o.k., mir geht es gut“, sagt die 1,84 m junge Frau. Vor 3 Jahren wurde bei ihr Lymphdrüsenkrebs entdeckt. „Kein Grund zur Aufregung“, meint sie zuversichtlich, „durch Medikamente hab‘ ich den im Griff“.

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Jeden Morgen fährt sie mit dem Bus zur Schule. Sie trinkt täglich 3 Liter Flüssigkeit, Himbeersaft, Mineralwasser, Zitronenlimo, Tee, keinen Kaffee. „Meine Ferien oder Wochenenden verbringe ich auf einem Campingplatz mit Mama, Oma Maria (72) und Opa Walter (72). Ich spiele Federball, fahre Rad“.

Ihre Mutter hat den Arbeitsrhythmus als Bürokauffrau auf Vanessas Tagesprogramm abgestellt. Sie arbeitet 6 Stunden, macht den Haushalt, ist für ihre Tochter da.

Angefangen hatte alles mit fürchterlichem Husten. Der Hausarzt tippte auf Bronchitis und verschrieb Tabletten. Keine Besserung. Facharzt, Krankenhaus, Röntgen – auf dem Bild wurde ein überdimensionales Herz erkannt. Es fiel der Fachausdruck „Myokarditis“. 24 Stunden später lag Vanessa mit 200er Bluthochdruck, 41,8 Fieber in der Herzklinik.

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Nach einer Woche wurde das damals 12jährige Mädchen nach 15-stündiger OP an ein Kunstherz angeschlossen. Im Aufwachraum erblickte die Mutter nur Schläuche, einen Tubus im Mund, 2 Herzkammern auf dem Bauch, einen aufgeschnittenen, von 50 Klammern zusammengehaltenen Brustkorb. „16 Apparate hielten mein Kind am Leben“. Künstliche Ernährung erfolgte durch eine Nasensonde. Vanessa war nur noch Haut und Knochen, abgemagert auf 41,5 Kilo.

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Ihr Herz erholte sich so gut, dass die Kardiologen nach 5 Monaten glaubten, ihre Patientin könne mit einem Herzschrittmacher weiterleben. Ein Routineeingriff, doch das Leben der Patientin stand auf der Kippe! Aus der OP-Narbe sprudelte Blut in die Lunge. Vanessas Rücken wurde aufgeschnitten, der Brustkorb gespreizt, ein Schlauch in die Lunge gelegt und 2 ½ Liter des Lebenssaftes abgepumpt. 8 Blutkonserven retteten sie.

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6 Wochen später war der Herzschrittmacher-Versuch gescheitert. Nur der rechte Herzmuskel hatte sich erholt, der linke nicht. Eine Herztransplantation war unumgänglich. „Wir warteten und warteten. Dieses Warten auf den Tod eines anderen Menschen war das Schlimmste“, sagen Mutter und Tochter.

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Vanessas Gedanken kreisten immer um dasselbe Thema: „Warum hat es in letzter Zeit so wenig Unfälle gegeben? Zuerst denkst du, dieses Hoffen auf den Tod eines anderen ist pietätlos und grausam. Dann aber ertappst du dich dabei, dass es gar nicht so furchtbar ist, dafür zu beten, dass einer stirbt, damit du leben darfst. Ich sage mir, jedem ist vorbestimmt, wie lange er lebt. Der eine muss gehen, der andere darf bleiben.“

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Nach 7 Monaten war’s soweit! 15.20 Uhr: Vanessa liegt in Vollnarkose auf dem OP-Tisch. Der intravenöse Zugang ist gelegt, Herzkatheter, ein letzter prüfender Blick des Chefchirurgen, der das Spenderherz in den Händen hin- und herdreht. Es fachmännisch begutachtet und dann entscheidet: “Es geht nicht, dieses Herz hat ein großflächiges Hämatom. Wir können es nicht gebrauchen“.

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„Eine unerträgliche Situation“, erzählt Vanessa später in ihrer Schule. Die 24 Mädchen und Jungen ihrer Klasse wollen alles ganz genau wissen!

„Ihr fragt mich Löcher in den Bauch“, lachte sie und zog ihr T-Shirt hoch. „Schaut her, ich habe schon genug davon“. Sie meinte die Ein- und Ausgänge der daumendicken Schläuche, die vom Kunstherz durch die Bauchdecke im Körperinneren verschwanden. Der mitgereiste Herzspezialist beantwortete Fragen der Kinder nach Herz- und Lungenfunktion. Wann ein Herzschrittmacher notwendig ist oder eine künstliche Beatmungsmaschine. Wie viele Ärzte und Helfer bei einer Herztransplantation mitwirken. Wie lange Vanessa mit dem fremden Herzen leben kann.

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„Nach 9 Monaten bekam ich endlich ein neues Herz! Nach Kunstherz und Herzschrittmacher mein 3. Um 07.45 Uhr wurde ich in den OP geschoben. 23 Stunden später stand meine Mama neben meinem Bett auf der Intensivstation. Ich saß halb aufgerichtet, ohne Intubationsschlauch am Beatmungsgerät, lächelte sie an und sagte, Du, ich habe dich sehr lieb“.

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Und heute? „Alles super“, lacht Vanessa: „Keine Abstoßungsreaktionen, kein Nierenversagen, keine Atmungsprobleme. Ich radle mit anderen um die Wette und denke, das war schon komisch, als ich das1. Mal mit dem neuen 3. Herz mittags um 13.00 Uhr aufgestanden bin, 2 Schritte nach links und 2 nach rechts gemacht habe und langsam wieder gehen lernte“.

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Ihr fehlt 1 Schuljahr. „Ich musste es aufholen, es war nicht leicht, aber ich hab’s gepackt“. Ihren Traumjob, Bäuerin, kann sie leider nicht realisieren. „Da gibt’s zu viele Infektionsgefahren für mich“, weiß sie inzwischen. „Deshalb werde ich in irgendeinem Büro in der Medienbranche arbeiten“.

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Dankbar ist sie dem unbekannten Herzspender. „Dessen Familie geht es bestimmt nicht so gut wie mir. Aber sie soll wissen, sie hat mir das Weiterleben nur durch ihr großartiges Geschenk ermöglicht. Das werde ich nie vergessen “.

Vanessas Erkrankung Myokarditis

                                   

Die muskuläre Wand des Herzens wird als „Myokard“ bezeichnet. Eine Myokarditis ist eine

Entzündung dieses Muskels.

 

Sie tritt u. a. nach verschiedenen Infektionskrankheiten, rheumatischem Fieber oder Medikamenteneinnahme auf.

 

Die Diagnose erfolgt mit Hilfe von Elektrokardiographie und Röntgenaufnahmen. Oft wird Herzmuskelgewebe entnommen und untersucht (Biopsie). Bei Myokarditis kann es zu Herzversagen und Tod kommen.

 

Anstrengende Aktivitäten sind solange zu vermeiden, bis sich die Herzaktion wieder normalisiert hat. Wichtig ist bei der Ernährung eine Kochsalzreduktion!

„Mein Spenderherz schlägt nur für Roland“ freut sich die über beide Ohren verliebte Studentin Tamara (26).

„Zur Inspektion“ saß sie im Herzzentrum nach 36 Monaten wieder mal den Ärzten gegenüber, die ihr das neue Leben reinoperierten. Routineuntersuchung eines vor 20 Jahren implantierten Spenderherzens. Diesmal war alles anders, denn das geschenkte Organ klopfte wie noch nie. „Hör’n Sie mal, meine Herren Doktoren“, schmunzelte Tamara „mein Herz macht bumdidibumdidibum, man könnte glauben, da läuft was krumm!“ Doch so konzentriert sie auch hinhörten, die Kontrolleure haben nichts Knirschen und Knacken und „keinen Sand im Getriebe gehört“, freut sich die Beschenkte. „Kein Wunder, kerngesund fühle ich mich“, meint Tamara verschmitzt. „Das fremde Herz rotiert heftig! Ich habe einen Freund. Von Abstoßung keine Spur! Ganz das Gegenteil: die Liebe hilft ihm auf die Sprünge!“

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Seit Geburt kränkelte Tamara. Erst als sie drei war, stellte ein Arzt einen Herzfehler fest. Tamara musste immer husten, hatte wenig Abwehrkräfte. Sie litt unter Infektionen, Grippe, körperlicher Schwäche. Entweder lag sie zu Hause krank im Bett. Oder sie war mit der Mutti beim Arzt oder im Krankenhaus. „Es war wirklich ganz übel“, erinnert sich ihre 51jährige Mutter.

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Zunächst wurde die rechte Herzklappe 2 x erneuert, doch der Gesundheitszustand der kleinen Patientin besserte sich nicht entscheidend. Die Mutter: „Jeden Tag, den wir nicht in irgendeiner Arztpraxis verbrachten, fanden wir schon super für uns“. Doch das blieb nicht so.

Der körperliche Verfall wurde schlimmer. Nur ein neues Herz bedeutete die Rettung! Wie groß war die Freude, als schnell eins gefunden war! Wie bitter dann die Enttäuschung, als die Eltern eines 5jährigen Unfallopfers die zunächst gegebene Einwilligung zur Organentnahme wieder zurückgezogen. „Ich kann mit Worten nicht schildern, wie uns allen zumute war“, erinnert sich Tamaras Mama im Gespräch mit www.boulevard-buende.de , „an diesen entsetzlichen Augenblick. Mein Mann und ich dachten, jetzt ist alles vorbei für unser Kind“. Das hatte maximal noch 2 Wochen zu leben, als sich buchstäblich in letzter Minute ein 2. Organspender fand. Die Familie eines 12 Jahre alten Jungen aus Marseille, der beim Radfahren von einem Pkw getötet worden war, gab ihre Zustimmung für die Transplantation. „Seit ich verliebt bin ist mir erst richtig bewusst, dass ich nur durch den Tod des Herzspenders leben darf“, sagt die 26jährige nachdenklich.

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Ihr Glück heißt Roland, 31, graubraune Augen, gutaussehend. „Wenn ich in seinen Armen liege“, lächelt Tamara, „brauch’ ich keine andere Medizin. Die Liebe zu ihm hält Herz und Kreislauf in Schwung“.

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„Machts gut“, ruft sie lachend, hechtet über den Zaun und schwingt sich auf ihr Rad. „Ich fahr‘ mit Roland mal grad ’ne Runde“, ruft sie glücklich und kichert aus vollem Herzen – einem geschenkten! Tamara – eine junge Frau, die ihr Leben und die Liebe genießt!

Und noch eine nette Geschichte über die AOK: die schickt eine Rollstuhlfahrerin zum Idiotentest!

Erich Rieke (69) kann nicht fassen, was er mit Tante Franziska (93) erlebte: „Sie konnte nicht mehr raus, bewegte sich nur noch zwischen Bad, Bett und Küchenherd. Schon nach wenigen Metern mit dem Rollator bekam sie keine Luft mehr. Die Kraft in den Armen reichte nicht mal mehr aus für die Fortbewegung in einem normalen Rollstuhl“.

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Deshalb stellte die Hausärztin ein Rezept für einen elektrischen Rollstuhl aus. „Das reichen Sie einfach bei Ihrer Kasse ein“. Machte er, aber dann! Statt eines Rollstuhls bekam der Verwandte und Betreuer diesen Brief: „Vor der Bewilligung muss die Antragstellerin erst einen Test beim TÜV machen. Dort wird festgestellt, ob sie überhaupt fahrtauglich ist“.

Frohgelaunt machten sich beide am Terminstag auf den Weg. Außer der betagten Dame warteten lauter junge Leute auf ihren Aufruf – alles Verkehrssünder! Nach 20 Minuten ist Franziska dran. Sie wird vor einen Computer gesetzt, eine junge Frau erklärt ihr die Funktionen. Die 93jährige mit dem immer freundlichen Gesicht und dem schlohweißen Haar nickt brav – aber verstanden hat sie nur Bahnhof.

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Ihr verblüffter Neffe erklärt ihr, dass sie hier keinen praktischen Test für ihre Verkehrstauglichkeit absolviert, sondern das Spielen mit Symbolen auf dem Computer eine Medizinisch Psychologische Untersuchung (MPU) ist, im Volksmund auch „Idiotentest“ genannt. Seit 1954 lassen Fahrerlaubnisbehörden von Verkehrspsychologen die Zukunftsperspektiven von Führerscheinantragstellern einschätzen. Ihre Beurteilung beeinflusst erheblich die Entscheidungsfindung über Entziehung und Ausstellung einer Fahrerlaubnis.

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Die AOK erreichte ihr Ziel: Der Antrag für die Bewilligung eines Elektrorollstuhls „wird wegen des schlechten Testergebnisses abgelehnt“. Erich Rieke schrieb wütend an die Krankenkasse, legte Widerspruch gegen die Zurückweisung des Antrags seiner Tante ein. Die AOK dachte nicht daran einzulenken. Die MPU sei notwendig, weil ein Elektro-Krankenfahrzeug als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung der Versicherten nur leihweise überlassen würde. Der Rollstuhl bleibe Eigentum der AOK und diese übernehme auch die Haftung für Funktionalität und Gebrauch. Das Gesetz gestatte eine Überlassung an Krankenkassenmitglieder nur, wenn eine sachgerechte Bedienung gewährleistet sei.

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Erich Rieke kaufte seiner Tante einen elektrischen Rollstuhl von seinen eigenen Ersparnissen.

4.985,- EURO blätterte er dafür hin. „Ich kann nicht warten, bis irgendwann mal das Sozialgericht über Widerspruch, Beschwerde, erneuten Widerspruch und erneute Beschwerde entschieden hat. Wer weiß denn, wie lange meine Tante noch lebt? Jedenfalls habe ich eins erreicht“, freut er sich. „Franziska ist viel lebensfreudiger geworden. Sie saust mit dem Elektrorollstuhl zu ihrem Lieblingscafé oder auf die Straße und kann endlich wieder lachen und mit anderen Menschen tratschen“.

Wer heute die beim „Idiotentest“ durchgefallene Rollifahrerin erlebt, wie sie problemlos durch enge Türdurchgänge fährt oder zwischen Blumenbeeten die Gehwege passiert oder sich auf Bürgersteigen behende bewegt, kann über das Verhalten der AOK nur noch verständnislos den Kopf schütteln.

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