Ihre spektakuläre Zeitung

„Ich weinte vor Schmerzen – und wurde nur ausgelacht“

Tief rot zieht sich die hässliche Narbe vom Bauchnabel bis zum Schambereich. Eine unschöne Hinterlassenschaft, die Ursula Janke (61) für den Rest ihres Lebens an schlimmen Ärztepfusch erinnert. Nach einer Unterleibsoperation hatten Mediziner einen 30 Zentimeter langen, 5 Zentimeter breiten Spatel aus Metall in der Bauchhöhle stecken lassen und nach getaner Arbeit alles wieder zugenäht.

Danach erlebte die Patientin „die Hölle auf Erden“, sagt sie immer noch fassungslos. Sie konnte nicht liegen, nicht sitzen, nicht stehen, nicht gehen – und wurde nach 2 Wochen trotzdem nach Hause abgeschoben, mit den Worten, sie sei „übertrieben wehleidig“. Und das mit einem riesigen Fremdkörper in der Bauchhöhle, der während seines Aufenthalts zwischen Schambein und Brustkorb fünf Rippen und den Darm verletzte. Schmerzen quälen Ursula Janke bis an’s Lebensende. Essen kann sie nicht mehr alles.

Anzeige

In die graugrünen Augen der 1,55 m großen Frau mit dem schulterlangen, kastanienroten Haar, dem gepflegten Äußeren, die am liebsten Hosen mit Blusen oder Shirts 38/40er Konfektion trägt, ist dennoch wieder jene Fröhlichkeit zurückgekehrt, die nicht nur Ehemann Siegfried (68) so an seiner Ursula mag. Auch im Turnverein ist die lebenslustige ehemalige Elektromonteurin wegen ihres Frohsinns und ihrer Heiterkeit beliebt.

Alle freuten sich, als Ursula endlich wieder mit leichten gymnastischen Übungen anfing. Denn sie kennen natürlich die unglaublich klingende Leidensgeschichte dieser Frau, die 2 Jahre lang Richter mit einer Klage über 50.000,- EURO Schmerzensgeld beschäftigte.

„Denn was mir widerfahren ist, darf sich kein Mensch gefallen lassen“, sagte sie zu denen. Und weiter:

„Ich werde das Gesicht und die boshaften Äußerungen meines Arztes nie vergessen, als ich vor Schmerzen weinte, mich nicht bücken konnte und ich den Doktor bat, mir beim Anziehen der Strümpfe zu helfen. Am nächsten Tag sollte ich nach Hause entlassen werden. Die Hilfe hat er abgelehnt, mit diesen verhöhnenden Worten: ‚Sie sehen aber gar nicht glücklich aus. Warum freuen Sie sich denn nicht auf zu Hause?‘.

Anzeige

‚Die Schmerzen, mein Bauch, alles tut so weh’, antwortete ich. Der Arzt erwiderte lachend: ‚Sie haben doch jeden Tag was Neues!‘, schüttelte den Kopf und ging. Ich bekam danach noch eine Schmerzmittelinfusion, das war’s dann!“

Die Häme des arroganten Weißkittels reihte sich nahtlos ein in den Umgang voller Spott und Zynismus, der Ursula Janke während des gesamten 2-wöchigen Klinikaufenthalts widerfuhr. „Und das, obwohl die Schmerzen unter der linken Rippe immer schlimmer wurden. Bei jedem Aufstehen, Hinsetzen, schlurfenden Gehen und beim Essen konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Irrsinnige Qualen im Bauch machten mich fertig“.

Niemand nahm Notiz davon, wenn sie nach dem Verzehr eines halben Brötchens über Völlegefühl und Brechreiz klagte und obendrein noch Atembeschwerden bekam. „Aus Angst vor den irren Schmerzen beim Hinsetzen absolvierte ich die Toilettengänge nur im Stehen. Sprach ich darüber, begegneten mir alle mit kopfschüttelndem Unverständnis. Beispielsweise eine Krankenschwester. Die bellte drauflos: „Stellen Sie sich nicht so an! Sie sind übertrieben wehleidig!“

„Die haben mich beinahe kaputt operiert“, sagt Ursula Janke heute mit Wut, aber mittlerweile ohne das vergessene Operations-Instrument im Bauch. Ein Spatel wird von einem Assistenten des Operateurs benutzt, der damit Organe wegdrückt, um sie vor Verletzungen durch das Skalpell des Chirurgen zu schützen.

Angefangen hat Frau Jankes Malheur, als im Krankenhaus am rechten Eierstock ein Tumor entdeckt worden war. Die Patientin hatte die Wahl: In einer Klinik den Bauch aufschneiden lassen, um eine Gewebeprobe zu entnehmen, die dann eingeschickt werden musste. Würde das Untersuchungsergebnis eine Woche später die Entfernung eines bösaritgen Tumors für unabdingbar signalisieren, musste ein zweites Mal ritscheratsche gemacht werden.

Alternativ konnte sie ein anderes Krankenhaus aufsuchen, wo eine Gewebeprobe sofort im eigenen Labor auf Gut- oder Bösartigkeit geprüft werden kann. Ursula entschied sich für die zweite, die schnellere Möglichkeit.

Anzeige

„Insbesondere deshalb, weil der Tumor Druck auf den Darm ausübte und nach Meinung der Ärzte ein Darmverschluß drohte“, erzählt die Frau. Der Tumor war gutartig. Er wurde nach einem nur 7 cm kleinen Schnitt entfernt. Die Narbe verheilte gut.

Aber dann!

Der 3. Tag! Die Patientin krümmte sich vor Schmerzen. Atembeschwerden, Schweißausbrüche, Qualen Tag und Nacht. „Das einzige, was ich bekam, waren Schmerzmittel – und unverständliche Blicke“, erzählte die Geschundene den Richtern

Als ihr Mann sie nach 2 Wochen am Entlassungstag aus der Pfusch-Klink abholte, brachte er sie sofort zu einem anderen Krankenhaus. Dem Berufskraftfahrer, heute Rentner, treten die Tränen in die Augen, als er sich an den Tag erinnert:

„Hilf mir, Siggi, hilf mir, ich kann nicht mehr. Lieber will ich sterben, als so weiterleben zu müssen“, wimmerte und weinte meine Frau.

Anzeige

Im Krankenhaus wurden sofort Röntgenbilder gemacht. Was wir und die Ärzte auf den Fotos zu sehen bekamen, machte uns alle sprachlos. Im Bauch war dieser furchtbar lange Fremdkörper zu sehen. Der vergessen worden war! Ursula wurde notoperiert und von ihrer Pein erlöst.

Für den Fehler hat sich der Pfusch-Klinik-Chef bei Frau Janke entschuldigt. Aber Schmerzengeld bezahlen? Nein, du lieber Himmel! Keinen Cent! Der Herr Professor bedauerte lediglich den Fall und meinte: „So etwas darf einfach nicht passieren.“

Die unter den Operationsfolgen immer noch leidende Frau verklagte das Krankenhaus auf Schmerzensgeld und Schadensersatz (Verdienstausfall). Sie wusste, auf was sie sich da einließ: Auf jahrelange Streiterei mit Gutachten und Gegengutachten.

Ursulas Rechtsanwältin schrieb an das Gericht: „Zu den höchsten Pflichten eines jeden Operationsteams gehört, dass nach einem Eingriff die OP-Bestecke auf Vollständigkeit überprüft werden. Es ist völlig unbegreiflich, dass so ein großer Gegenstand nicht vermisst und in der Bauchhöhle der Patientin übersehen wurde. Dieser Fehler ist unentschuldbar“.

Anzeige

Das meinten auch die Richter. Nach 24 Monaten war der Prozess vorbei.

Ursula Janke bekam ihre geforderten 50.000,- Euro Schmerzensgeld.

Lesen Sie auch unseren Bericht: „Der verarschte Patient – was für skandalöse Zustände – aber die meisten nehmen sie kampflos hin“.

 

Unser Motto:

Der Wahrheit die Ehre.

Dem Lumpen den Pranger.

Dem Schwachen unsere Hilfe.

 

www.boulevard-buende.de ist die spektakulärste Zeitung in Bünde = bekannt als Tabak-,

Zigarren- und Banderolenstadt, als „Fairtrade Town“ und als Radfahrer-Eldorado.