Ihre spektakuläre Zeitung

Eine Heldin des Alltags: Für den Geliebten wollte sie sogar ihr eigenes Leben opfern.

Wie ein Schutzengel stellte sich Anita Jacob (27) aus Bünde vor ihren, mit einem 70 Zentimeter langen armdicken Axtstiel halb tot geschlagenen Liebhaber und schrie den Täter, ihren vor Zorn und Eifersucht kochenden Ehemann an: „Wenn du ihn töten willst, dann musst du mich auch umbringen! Mein Günter geht nicht allein aus dieser Welt!“

lebensretterin1.jpg

Bei dem Schläger handelte es sich um den Diskothekenbetreiber Johannes (55), für den sich von morgens bis nachts alles nur um seine Tanzdielen drehte. Die neueste Technik ausbaldowern. Die aktuellsten Beleuchtungskörper mit irren Lichtreflexen ausprobieren. Kosten-/Nutzen-Berechnungen von seinem Steuerberater entwerfen lassen. Über Einsparungen brüten: Gibt es einen billigeren DJ? Tanzfreudige Go-go-Girls, die nicht so teuer sind wie die jetzt engagierten?

Anzeige

halstenberg-1.jpg

 www.tankcenter-halstenber.de

„Ihm ging es nur noch darum, satte Gewinne einzustreichen. Zum Schluss sollte ich genauso funktionieren, wie die von ihm bevorzugten Besucherinnen in seinen Tingeltangelkneipen. Denen spendierte er Drinks – und genoss dafür deren Bewunderung. Auch in mich steckte er sein Geld rein, und erwartete Sex als Gegenleistung von mir. Aber ich brauche keine Ehe, die auf Touren kommt ähnlich wie ein Automat. Für die investierten Moneten wollte er seinen Spaß haben. Geld rein – Sex raus, nicht mit mir! Für Liebe und Zärtlichkeit fand er gar keine Zeit mehr“, berichtete Anita www.boulevard-buende.de.

anita-fertig10.jpg

Statt ihr mal Blumen oder Konfekt zu schenken, mit ihr shoppen zu gehen, mit ihr und Sebastian (8), dem Sohn der beiden, etwas Gemeinsames zu unternehmen, versuchte der Sonnyboy das drohende Unheil des Ehe-Endes nach 3 Jahren mit noch generöseren Geldzuwendungen auf-, und seine Gattin bei Laune zu halten. Die Funktionsstörung in der Partnerschaft war jedoch schon zu weit fortgeschritten.

Anita hatte zu lange gelangweilt und allein gelassen wie in einem Goldenen Käfig gelebt. Zwar recht romantisch am nördlichen Stadtrand in einem geräumigen Haus mit Blick auf den bewaldeten Höhenzug des Wiehengebirges, aber immerzu ohne ihren Johannes. Der schenkte seine ganze Aufmerksamkeit seinen drei Schüttelschuppen. Dass seine Ehe zerbröckelte, bemerkte er erst, als sich seine Frau, die vom Alter her seine Tochter sein konnte, in einen echten Nebenbuhler verknallte. Es kam zu dem besagten Drama, in dessen Verlauf Anita ihrem neuen Poussierstengelchen das Leben rettete.

lebensretterin-2.jpg

Als sich Johannes Jacob vor zehn Jahren in die Verwaltungsangestellte Anita verliebte, wurde er von seinen Freunden, aber auch von den zahlreichen Verehrern der damals 17jährigen um diese Errungenschaft beneidet: Sympathisches Gesicht, schwarzbraunes, bis auf die Brustspitzen hinab fallendes Haar, praller, wohlgeformter Busen, gepflegte Erscheinung, blaue Augen, Sommersprossen, Stubsnase, zartrosa Kussmund. Modisch immer auf der Höhe, lässig gekleidet in bevorzugt warmen Farben, gern in Cord und mit Karos, umweht vom Parfümduft „L’ Eau Monteil“. Kurzum, äußerte sich Johannes über seinen zweibeinigen Siegespokal „ein sexy-Vollblutweib, deren Gegenwart manchen Mann zu heißen Gedanken verleitet.“

anita-fertig9.jpg

Der doppelt so alte Ehemann hat seiner blutjungen Freundin viel bieten können und ihr am Anfang jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Er überhäufte sie mit Geschenken. Zum 18. Geburtstag bekam sie einen Porsche 911 Carrera, Neupreis 90.417,- €. Mit ihr plante er die Zukunft.  24 Monate nach dem Kennenlernen wurde Sebastian geboren. Als der Junge 5 war, heirateten seine Eltern.

Anita hatte im Gegensatz zu ihren gleichaltrigen Freundinnen ein sorgloses, finanziell mehr als abgesichertes Leben.

Anzeige

00172-zoll.jpg

 www.Hartmann-Kollegen.de

Die ehelichen Aufgaben waren strikt getrennt. Er kümmerte sich um seine Diskobetriebe, sie sich um Kindererziehung, die Inneneinrichtung des Einfamilienhauses auf 1.500 qm großem Grund, weiß verputzt, rotes Ziegeldach, Balkon, Dachüberstand, Fenster lindgrün gestrichen. Auch die Pflege der Außenanlage ging Anita enthusiastisch an.

anita-fertig11.jpg

Als Sebastian in den Kindergarten kam, ging die Mutter wieder arbeiten. Nicht Geld verdienen war ihr wichtig, sondern Kontakte knüpfen und Gespräche mit anderen Leuten. „Abwechslung, raus aus den vier Wänden“, lautete die Devise, denn ihren Ehemann sah sie seit der Hochzeit entweder erst nach Mitternacht, wenn er sich todmüde neben sie schlafen legte und sie dabei aufwachte. Oder morgens ein paar Minuten beim Frühstück. Er lehnte dabei am Kühlschrank, schlürfte seinen Kaffe. Sie saß brav am Tisch, aß ihr Müsli, Zwieback mit Quark und Marmelade, trank zwei Tassen Tee.

 „Ihm gingen nur noch seine Betriebe durch den Kopf und seine Kontostände, alles andere interessierte ihn nicht mehr“, fasst Anita ihr Eheende zusammen.

„Als Mauerblümchen wollte ich freilich nicht versauern“, fügt sie hinzu. Also drängte sie raus, „ich wollte leben, lachen, unter Freunden und Bekannten sein. Wenigstens alle 14 Tage zum Bowling gehen, was anderes um mich herum haben. Ja, auch mal erleben, ob ich immer noch attraktiv aussehe, begehrt bin, nicht links liegen gelassen werde wie von Johannes. Ja, ich habe die Blicke der Männer genossen.“

werbung-01.jpg

Konnte Flirten Sünde sein? Blöde Frage! Warum das denn? Ihr Ehemann ging ja auch raus, zog mit einer Clique durch seine Pressluftsaloons, salopp gekleidet, wie jetzt auf der Anklagebank.  Schwarze Lederlackschuhe, dunkle Hose, weites weißes modisches Sweatshirt,  seinen 100-Kilo-Fitnesskörper verdeckt unter einem kahl geschorenen Kopf.

Anita hatte es längst aufgegeben, sich bei ihm über ihr Alleingelassensein zu beklagen. „Stattdessen fing ich an, mich schick zu machen. Ich fuhr rum, fand schnell mein Lieblingslokal, ein Restaurant, in das ich jeden Sonntagmorgen zum Frühstück fuhr“.  Als sie zum 3. Mal als Gast  dort war und ihren Salbei-Tee trank, konnte ein Mann am Nebentisch seinen Blick nicht von den wohlig warmen weichen Formen der jungen Frau abwenden. Günter Rauter (54), geschieden, Vater von zwei Töchtern, Renate (27) und Ilselore (25), Fuhrunternehmer, suchte Augenkontakt – ein Volltreffer!

lebensretterin5.jpg

Sie wich seinem Blick nicht aus, lächelte ihn freundlich an. „Da war es passiert! Ich merkte es sofort“, lächelt Anita.

Sechs Wochen danach saß sie wieder allein in ihrer Wohnung und wusste, dass sie diese Ehe nicht mehr fortsetzen wollte. Sie hatte sich für Günter entschieden, mit dem sie sich bereits 3 x heimlich getroffen hatte. „Komm auf ein Gläschen Wein vorbei“, lud sie ihn am 3. Sonntagabend im November zu sich nach Hause ein. „Johannes ist nicht da, wie immer. Ich bin wieder allein“.

Günter ließ sich nicht 2 x bitten. Eine Stunde später parkte er sein Auto 200 Meter vom Jacob-Haus entfernt in einer Seitenstraße und schlich durch die Nacht zu seiner Liebsten.

lebensretterin-4.jpg

In der Diele zog er seine Schuhe aus, in der Stube hängte er seine Jacke rechts über eine Stuhllehne. Beide setzten sich auf die Couch, küssten sich und seine linke Hand begann unter ihrem Pulli den Busen zu massieren.  Was dann passierte, wird in der Anklageschrift so beschrieben:

„Am 16. November gegen 22.45 Uhr wartete der Angeklagte in

der Dunkelheit auf der Terrasse vor seinem Haus, um seine Ehefrau Anita

mit ihrem Liebhaber überraschen zu können. Nachdem Günter Rauter und

Anita Jacob begonnen hatten, sich zu küssen, schlug der Angeklagte mit einem Pflasterstein das Glas der Terrassentür ein, öffnete diese und betrat das

Wohnzimmer. Dort schlug er mit einem von ihm mitgeführten, 70 cm langen

Axtstiel Günter Rauter auf den Kopf. Erst als Anita Jacob dazwischen ging, ließ

der Angeklagte von seinem Opfer ab, das ein offenes Schädelhirntrauma, eine Schädeldachfraktur und eine Felsenbeinfraktur erlitten hatte.“

Anzeige

dach-101.jpg

 www.jura-dach.de

Der zusammen geschlagene Nebenbuhler leidet heute noch unter einem Gehörschaden und ständigem Kopfschmerz. Er kann nach eigenen Angaben seit dem Zwischenfall viele Leute um sich herum und laute Musik nicht mehr ertragen. „Seit ich in der Tatnacht in einen Krankenwagen geschoben wurde, ist meine Erinnerung abgerissen.

anita-fertig4.jpg

Nach Auskunft des behandelnden Arztes hat Anita Jacob ihrem neuen Freund durch das mutige Dazwischengehen das Leben gerettet. „Bei drei Litern Blutverlust ist er nach der Erstversorgung durch ein Notarztteam zu uns in’s Krankenhaus überstellt und sofort operiert worden. Drei Tage lag er im Koma. Ob er daraus je wieder aufwachen würde, war anfangs mehr als fraglich. Unter 10.000 Menschen mit diesen Verletzungen überlebt nur einer“.

Anzeige

provinziall-neu-1.jpg

Nach Überzeugung des Staatsanwalts „hat Johannes Jacob in Kenntnis der Zerrüttung seiner Ehe geplant, den Rivalen aus dem Weg zu räumen. Erst seine Frau hat ihn zur Besinnung gebracht durch ihre Schreie, als sie sich, beide Arme ausbreitend, schützend vor ihren Liebhaber gestellt hatte und rief: ‘Wenn du ihn töten willst, dann musst du mich auch umbringen! Mein Günter geht nicht allein aus dieser Welt!’“

lebensretterin-6.jpg

Der 55jährige habe sich eines versuchten Totschlags und einer schweren Körperverletzung schuldig gemacht. „Er hat seiner Ehefrau das Recht abgesprochen, sich für die Zukunft mit einem anderen Mann zu entscheiden. Jeder Mensch kann sich jedoch frei entfalten. Statt das zu akzeptieren, hat der Angeklagte Selbstjustiz verübt. So etwas kann nicht hingenommen werden“.

Anzeige

metank-1.jpg

Das Schwurgericht war der selben Meinung: „Eifersucht war sein Tatmotiv“, urteilte es und schickte Johannes Jacob nicht hinter Gitter! Vor der Gefängnisstrafe konnten ihn seine drei (!) Verteidiger retten, mit dem Angebot, der Angeklagte sehe seine Verfehlung ein und biete dem Opfer ein Schmerzensgeld an.

anita-fertig7.jpg

Das Schwurgericht verurteilte den Angeklagten nach zwei Monate langer Prozessdauer wegen gefährlicher Körperverletzung zu 2 Jahren Haft und setzte die Strafe für 3 Jahre zur Bewährung aus. Für die Dauer von 2 Jahren wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Johannes Jacob wurde sofort nach dem Urteil aus der Untersuchungshaft entlassen. Fünf Monate hatte er darin verbracht.

Zuvor traf er im Gerichtssaal mit seinem Opfer diese Vereinbarung.  „Zur Abgeltung aller Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüche erhält Günter Rauter zusätzlich zu bereits bezahlten 5.000,- EURO eine Restsumme von 25.000,- EURO zuzüglich 5 % Zinsen“.

Anita lebt heute bei ihm mit ihrem Sohn Sebastian.

  www.boulevard-buende.de ist eine der spektakulärsten Zeitungen in Bünde = bekannt als Tabak-,

Zigarren- und Banderolenstadt, als „Fairtrade Town“ und als Radfahrer-Eldorado.