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Ein Gerücht mit schlimmen Folgen

So schnell kann’s gehen durch  Klatsch und Tratsch im Bäckerladen:

Ein Gerücht

machte diesen Mann

zum Vater

„Wir führten 12 Jahre lang eine wunderschöne Beziehung, bis am 31.03.’08 der Brief vom Jugendamt kam“, kann Schuhmachermeister Rudolf Oberstucke (43) bis heute nicht glauben, was ihm widerfahren ist. Die Beamten dichteten ihm die Vaterschaft für ein im Jahre 2001 geborenes uneheliches Kind an! Verlangten rückwirkend und für die Zukunft Alimente! Für jeden Monat 253,87 EURO.

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Als der Briefträger klingelte und diese Hiobsbotschaft brachte, nahm Rudolfs Ehefrau Janna (39) das Schriftstück entgegen, las es – und warf noch am selben Abend Rudi aus dem Schlafzimmer. Die zwei führten bis dahin eine glückliche Beziehung, hatten mit 120 Gästen am 10. Jahrestag ihres Zusammenlebens im Juli 2006 geheiratet.

Der Streit um das verschwiegene Seitensprungkind eskalierte zum Dauerbrenner. Kein Tag verging, an dem die betrogene Frau ihrem Mann keine Szene machte. Seine Beteuerungen, er sei ihr immer treu gewesen, glaubte sie ihm nicht. Schließlich zog sie aus, fuhr mit der gemeinsamen, jetzt 15jährigen Tochter Kerstin zurück in ihre Heimatstadt Olszyna nach Polen.

Heute leben alle 3 wieder zusammen, denn es steht fest, dass Rudolf wirklich nicht der Vater des ihm angedichteten Kindes ist. Der Mann verklagte die Stadt auf Schmerzensgeld und Schadensersatz, Rechtsanwaltshonorar und erbbiologische Gutachterkosten. Unglaublich, wie es überhaupt zu diesem außergewöhnlichen Fall kommen konnte.

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Schuhmachermeister Rudolf Oberstucke ist ein angesehener Mann. Fleißig, unauffällig, aktiv in einem Gesangverein, bei den Rassegeflügelzüchtern und im Kegelclub teilt Rudi, wie er überall gerufen wird, das zurückhaltende Leben mit hunderten Bürgerinnen und Bürgern in Kleinstädten und auf dem Lande.

„Mein Alltag war nichts Welt bewegendes, der plätscherte so dahin, ich war glücklich und zufrieden. Millionär konnte ich mit meinem Schuhmacherladen nicht werden, aber ich war beruflich ausgefüllt, hatte gut zu tun. Mein Job ließ für Familie und Freizeitgenuss genügend Freiraum“, so der 43jährige.

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Bei einer Sportveranstaltung in einer Nachbargemeinde verliebte er sich in die Druckereiarbeiterin Janna Malich, die ihre polnische Heimat verlassen hatte, um in Deutschland mehr Geld zu verdienen. „Ich habe noch 5 Geschwister, meine Eltern betreiben eine Landwirtschaft mit einer kleinen Gänsefarm, die wirft nicht so viel ab, das wir alle unser Auskommen hätten“, erzählt die 39jährige.

Rudolf und Janna zogen zusammen, bekamen eine Tochter, Kerstin, und heirateten am 28. Juli 2006, dem 10. Jahrestag ihres Kennenlernens. „Unsere Ehe verlief so, wie die 10 Jahre vorher, glücklich und harmonisch“, sagt Janna. Am meisten freute sie sich darüber, dass ihr Mann sich glänzend mit ihren Eltern verstand. „Ja“, bestätigt Rudi, „die nahmen mich auf wie einen eigenen Sohn“. Janna wundert das nicht: „Wir waren ja 6 Mädchen zu Hause, meine Eltern hatten sich so sehr einen Sohn gewünscht“.

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Das änderte sich brutal, als das Jugendamt von dem Schuhmachermeister das Anerkenntnis der Vaterschaft für ein im Jahre 2001 geborenes uneheliches Kind verlangte. Der Brief sorgte für einen Eklat bei den Oberstuckes! In den Akten steht, welch schlimme Folgen dieses Schriftstück des Jugendamtes auslöste. Der jetzt damit befaßte Richter sagte zu www.boulevard-buende.de: „Die Ehefrau warf ihrem Mann vor, die Existenz dieses Kindes verschwiegen und sie betrogen zu haben. Sie wollte die Ehe annullieren lassen wegen böswilliger Täuschung. Noch am selben Tag wurde der Ehemann von ihr aus dem Schlafzimmer geworfen“.

Auf dem Höhepunkt des nicht enden wollenden Streits packte die Ehefrau nach 14 Tagen die Koffer und fuhr mit dem gemeinsamen ehelichen Kind Kerstin zu ihren Eltern nach Polen. Von dort wurde die Scheidung mit Hilfe einer deutschen Anwältin eingeleitet, was ebenfalls in den Prozessakten steht, aus denen der Richter auf Nachfrage von www.boulevard-buende.de zitiert: „Der Bestand der Ehe war massiv gefährdet. Der Ehemann litt unter Verlustängsten. Nur mit viel Mühe gelang es ihm nach mehr als 7 Monaten, seine Ehefrau zur Rückkehr zu bewegen“.

Das schaffte er nicht nur durch flehentliche Bitten und Blumengeschenke über die deutsch-polnische Grenze hinweg, sondern obendrein auch durch eine vom Notar beurkundete Eidesstattliche Versicherung des Inhalts: „Ich bin nicht der Vater des vom Jugendamt behaupteten Kindes. Ich habe Dich mit keiner anderen Frau betrogen. Ich war und bin Dir immer treu“.

Obendrein versuchte der Schuhmachermeister zu klären, wie es möglich war, dass ihn eine Behörde einfach zum Vater machte, einen Haufen Geld von ihm haben wollte, rückwirkend 22.340,56 EURO bis März 2008, obwohl er nie einen Treuebruch beging: „Seit ich mit Janna zusammen bin, also auch in den 10 Jahren vor der Eheschließung, kam ein Seitensprung für mich nie in Frage“.

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Der Schriftwechsel mit der Behörde blieb für den Vater wider Willen erfolglos. Deshalb ging er selbst wutentbrannt ins Rathaus und verlangte eine Erklärung. „Es gibt keine Frau, die ich geschwängert habe, außer meine eigene“, tobte er wutentbrannt und schrie außer sich vor Zorn das ganze Rathaus zusammen.   „Woher nehmen Sie die Frechheit und machen mich einfach zum Vater eines Kindes, das ich nicht kenne? Woher nehmen Sie die Dreistigkeit und stempeln mich zum Beischläfer einer Frau ab, deren Affäre mit mir nix als anderes als ein Hirngespinst ist in den Köpfen von ein paar Verantwortungslosen dieser Behörde?“

Das saß! Die dahin gestotterte Antwort lautete: „Sie kommen vom Hörensagen als Vater in Betracht. Es wurde in einem Bäckerladen erzählt, Sie hätten Ihre Frau betrogen und mit einer anderen ein Kind gezeugt! Es fiel der Name dieser Frau. Beim Blick in unsere Unterlagen haben wir festgestellt, dass wir für das Kind dieser Person Unterhaltsvorschüsse leisten“.

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Laut schimpfend verließ Rudi das Rathaus, doch damit war die Dreistigkeit des Jugendamtes nicht etwa vorbei! Es besaß auch noch die Frechheit, den armen Kerl mit einem Vaterschaftsfeststellungsprozess vor’s Familiengericht zu zerren! Zum Termin war auch die Kindesmutter geladen. Als die den Schuhmachermeister erblickte, prustete sie laut los! Die 34jährige Musiklehrerin sagte kopfschüttelnd zur Richterin: „Diesen Mann habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Er ist nicht der Vater meines im Dezember 2001 geborenen Sohnes Christian! Wie kommen Sie denn dazu, den zu meinem Ex-Liebhaber zu machen? “

Kleinlaut gab da der Abgesandte des Jugendamtes zu: „Uns ist die Vaterschaft durch ein Gerücht zu Ohren gekommen“.

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Die Klage wurde abgewiesen. Die Richterin stellte fest: „Der Beklagte kommt nicht als Christians Vater in Betracht“.

Wer nun glaubt, damit wäre der Streit beendet gewesen, kennt die Dickköpfigkeit mancher Beamter nicht! Die Stadt prozessierte auf Steuerzahlerkosten munter weiter ging in Berufung! Aber auch in der nächst höheren Instanz staunten die Richter – alles Männer – nicht schlecht, wie schnell und auf welche Weise Rudolf Oberstucke zum Vater gemacht worden war: „Durch Klatsch und Tratsch bei uns im Bäckerladen“, lachte Verkäuferin Christel (21) als Zeugin und fügte hinzu: „Wir sind eine richtige Nachrichtenzentrale. Bei uns gehen nicht nur Brötchen frisch über die Ladentheke, sondern auch die heißesten Infos. Manche Kunden wissen mehr als Radio, Fernsehen und Zeitung zusammen“.

Die Stadt verlor zum 2. Mal, diesmal vorm Oberlandesgericht. Das Urteil ist rechtskräftig.

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Der „Vater vom Hörensagen“ verklagte die Stadt auf Schmerzensgeld. Er wirft den Mitarbeitern des Jugendamtes Amtspflichtverletzung vor. Er sei ohne sorgfältige und erforderliche Überprüfung des Wahrheitsgehalts eines Gerüchts Opfer eines Vaterschaftsprozesses geworden, der ihm um ein Haar das Aus seiner Ehe beschert hätte.

Janna ist reumütig zu ihrem Rudi zurückgekehrt,  macht sich Vorwürfe, „weil ich ihm nicht glaubte“. Ihr Mann hat ihr verziehen.

Jetzt holten sie erst mal ihre Hochzeitsreise nach, die sie immer vor sich hergeschoben hatten. 3 Wochen erholten sie sich in Südtirol. Das letzte Wochenende verbrachten sie in Sankt Ulrich zu fünft.

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„Wir hatten auch Christian, die unschuldige Hauptperson dieser ganzen Katastrophe, mit seiner alleinerziehenden  Mama eingeladen. Seit dem sind wir Freunde“, zeigt sich besonders Janna glücklich über dieses Happy-End.

Ob es auch für’s Jugendamt eins gibt, wird sich zeigen. „Die Leute bei der Stadt sind total uneinsichtig“, regt sich der „Vater vom Hörensagen“ auf, „die rücken freiwillig keinen Cent Schadensersatz oder Schmerzensgeld raus, lassen sich verklagen. Dieser 2. Akt ist ebenso skandalös wie der 1., als die mich einfach zum Vater machten“.

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