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Ein Albtraum, diese Krankenpflegerin

Als Großgrundbesitzer Johannes Schüth (67) ein Pflegefall wurde, bestellte das Gericht eine Betreuerin, die den Kranken sogar vor der eigenen Ehefrau versteckte und mit ihm von einem Pflegeheim ins andere flüchtete. Als er schließlich starb, erfuhr die Witwe vom Tod ihres Mannes nichts. Nichts vom Pflegeheim, nichts von der Betreuerin, nichts vom Bestatter, nichts von ’ner Behörde. Dass ihr Mann gestorben war, las die Ehefrau in der Zeitung in einer Todesanzeige. Das war aber noch längst nicht alles:

Unglaublich! Betreuerin ließ Testament widerrufen und wollte sogar die Scheidung erzwingen!

„Puuuhhh“, holt Witwe Lilit Schüth (35) in ihrer schmucken Wohnstube mit Kristallleuchter unter der Decke und modernem Breitbandfernseher an der Wand erleichtert tief Luft, „das hab’ ich erst einmal geschafft!“ Seit dem Tod ihres Mannes am 07.01.06 führte dessen Bruder gegen die Witwe einen erbitterten Erbstreit, den er jetzt verloren hat. Schuld daran war die vom Vormundschaftsrichter eingesetzte Betreuerin. „Die gönnte mir meinen Wohlstand nicht“, empört sich die Witwe.

Hans hatte gleich nach der Hochzeit ’94 seine Frau als Alleinerbin eingesetzt. 2 Jahre später wurde der reiche Mann schwer krank und zum Pflegefall. Als er starb, war sein heute 14 Jahre alter Sohn Kevin gerade 9 geworden.

Das Vormundschaftsgericht setzte gegen den Willen der Ehefrau eine Betreuerin ein. Die nutzte ihre Macht schonungslos aus, plünderte Konten leer, verkaufte Grundstücke, verrechnete Unsummen Geld mit angeblichen Pflegekosten.

Sie versuchte sogar, die Ehe zwangsweise scheiden zu lassen. Zu dem Zweck fuhr sie heimlich mit Lilits Mann, der zu dem Zeitpunkt wegen Medikamenteneinnahme sichtbar handlungsunfähig war, zu einem Notar, ließ das Testament aus dem Jahr ’96 widerrufen und den Bruder des Kranken als Erben einsetzen.

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Die Ehefrau verzweifelte, kämpfte und siegte am Ende doch noch, obwohl die Staatsanwaltschaft ein Betrugs-Ermittlungsverfahren gegen die Betreuerin wegen Verjährung einstellte (Az.: 331 Js 622/06), außerdem das Amtsgericht im Sinne der Pflegerin entschied, die Witwe bekomme keinen Cent. Sie habe das Haus zu verlassen, der Bruder des Verstorbenen erbe alles. Lilit Schüth fasste es nicht! Mit Hilfe eines Anwalts, dem Erbrechtspezialisten Bernd Schomburg (47), prozessierte sie durch die Instanzen und errang beim Oberlandesgericht Hamm dieses Urteil: „Das geänderte Testament der Betreuerin hat keine Rechtskraft. Rechtmäßige Erbin ist die Witwe“.

„Bis dahin passierte soviel schockierendes“, sagt Anwalt Schomburg, „das einem vorm Altwerden Angst und Bange werden muß“. Der Notar vertrat die Interessen der Frau des Landwirts Schüth, der nur wenige Monate mit „meinem Traumgirl “ glücklich in seinem riesigen Vierkanthaus mit 4 Schlafzimmern, 2 Bädern, 300 qm Wohnfläche auf über 7.000 qm Grund zusammen leben durfte.

                                                                                                                                                                                                                          Anzeige

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Als 18jährige kam Lilit 1993 mit einem Touristenvisum von Armenien nach Deutschland und stellte einen Asylantrag. Es verschlug sie zu Freunden. Deren Vermieter war Johannes Schüth. Auf einer Geburtstagsfeier verliebte er sich in Lilit.

Am 08.12.‘94 heirateten sie. Das Landleben, die Arbeit auf dem Hof, im Stall und auf den Feldern machte der jungen Frau großen Spaß.

Gleich nach der Hochzeit hatten beide ein Testament gemacht und sich gegenseitig als Erben eingesetzt. „Leider keine zusätzliche Urkunde mit einer Vorsorgevollmacht“, erklärt Erbrechtsexperte Schomburg. „Das ist ein Dokument, in dem beide ausdrücklich erklären, dass im Fall geistiger Inkompetenz oder körperlicher Schwäche der Ehepartner alles Formelle regeln soll. Im Fall Schüth wurde deshalb vom Vormundschaftsgericht eine staatliche Betreuerin bestellt“. Im Oktober ’96 kam Johannes in ein Pflegeheim.

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„Die Pflegerin mochte mich vom ersten Tag an nicht“, erinnert sich Lilit. Sie vermutet „Ausländerfeindlichkeit und blanken Neid“. „Es gibt Indizien für diese These“, bestätigt Rechtsanwalt Bernd Schomburg, der heraus gefunden hat, das die Betreuerin 1996 das Testament der Eheleute ändern lassen wollte. „Sie fuhr mit dem Landwirt, als der im Pflegeheim lebte, zu einem Notar, ließ von Johannes Schüth das Testament widerrufen, obwohl seine Geschäfts- und Testierungsunfähigkeit gutachterlich festgestellt worden waren, was die Betreuerin wußte“.

Der Gipfel der Unverschämtheit war jedoch dies: 2 x versuchte die Betreuerin entgegen dem Wunsch und Willen beider Partner, die Ehe zwangsweise scheiden zu lassen. Zu dem Zweck erschien sie 2 x im Gericht, um Lilit aus dem Weg zu räumen.

Da machten die Richter aber nicht mit! 2004 bestätigten andere das, was Juristen bereits am 08.06.2000 in nichtöffentlicher Sitzung unter dem Az. 5 T 55/00) „in der Betreuungssache Schüth“ entschieden hatten: Die von der Betreuerin(!) inszenierte Scheidung wurde abgelehnt! Der Ehemann hatte – zum Entsetzen der Pflegerin – zu Protokoll erklärt: „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Frau. Ich strebe keine Scheidung an.“ Und Lilit Schüth sagte mit Tränen in den Augen: „Ich möchte, dass mein Mann wieder nach Hause kommt. Ich liebe ihn doch“.

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Fortan unternahm die Ehefrau alles, ihren Mann daheim pflegen zu dürfen. Die Auseinandersetzungen darüber mit der Betreuerin nahmen an Heftigkeit zu. Sie gipfelten darin, dass die, als Lilit für 2 Wochen in ihre Heimat verreist war und sich hunderte Kilometer entfernt bei Verwandten aufhielt, das Haus betrat, den Briefkasten leerte und wichtige Post verschwinden ließ. Anschließend verlegte sie den kranken Landwirt von einem Heim ins andere, ohne die neuen Aufenthaltsorte der Ehefrau mitzuteilen. Auf eigene Faust stellte Lilit Schüth Nachforschungen an und fand ihren Mann schließlich in einem Altersheim wieder.

Um die Heim- und Pflegekosten bezahlen zu können, verkaufte die Betreuerin ein Grundstück nach dem anderen. Vom Erlös wurden aus der Staatskasse ihre Betreuungskosten bezahlt, die sie beim Gericht am laufenden Band einreichte.

Im 07.01.2006 verstarb Johannes Schüth. Weder die Pflegeheimleitung, noch die Betreuerin und auch kein Bestatter oder eine Behörde informierten die Witwe. Die las die Sterbeanzeige ihres Mannes in der Zeitung.

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Mit dem Tod war der Ärger für die Witwe aber noch längst nicht vorbei. Sofort meldete nämlich der Bruder des Verstorbenen Erbansprüche an, Lilit und Sohn Kevin sollten leer ausgehen. „Er berief sich dabei auf das abgeänderte Testament, bei dem die Betreuerin ihre schmutzigen Finger im Spiel gehabt hat“, empört sich Lilit Schüth.

 Im Sinne des Bruders entschied das Amtsgericht, doch das Oberlandesgericht Hamm (Az.: 10 W 12/07) hob das Urteil auf und verwies den Erbstreit ans Landgericht (13 OM 74/09). Dort hatte der Einzelrichter endlich Erbarmen, war Lilits Meinung und erklärte sie für alleine erbberechtigt.

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 „Aber“, so schlug er vor „wäre es nicht besser für einen dauerhaften Familienfrieden, der Bruder bekommt das Sparbuch mit 25.000,- EURO plus ein paar tausend Quadratmeter Ackerland? Und Sie, die Witwe, behält die Immobilien und die übrig gebliebenen Ländereien?“

Lilit war sofort einverstanden, obwohl das Wohnhaus enorm sanierungsbedürftig ist. „Aber das werd’ ich schon schaffen!“ war sie sich sicher.

Sie täuschte sich nicht! Denn am Ende der jahrelangen Streiterei wartete ein neues Glück auf sie! Bei der Suche nach Handwerkern fand ich mein neues Glück“, strahlt sie mit purer Lebensfreunde im Gesicht und diesem seligen Glanz in den Augen, wie ihn nur Verliebte haben.

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„In einem Restaurant sah ich sie“, erzählt lachend Maurer Paul (48) aus Nordirland. „Wir saßen in lustiger Runde zusammen, spielten Skat – da kam sie mit ihrer Freundin rein. Wauuuh – und schon war’s um mich geschehen“.

„Die und keine andere!“ schwor sich der Junggeselle, ließ seine Skatbrüder sitzen, ging zu den beiden Frauen, stellte sich artig vor und durfte sich tatsächlich zu ihnen setzen. „Er hatte nur noch Augen für mich“, schwärmt Lilit. Bis tief in die Nacht plauderten sie, Lilits Freundin war längst gegangen. Als letzte Gäste verließ sie mit Paul das Lokal, verabredete sich für Samstagabend wieder dort.

„Es war Liebe auf den ersten Blick“, schwebt Paul auf Wolke 7. „Nach einem Vierteljahr machte er mir schon einen Heiratsantrag“ ergänzt sie lächelnd. „Die Hochzeitserlaubnis erteilte mir Kevin“. Nach der Trauung ging’s sofort auf Hochzeitsreise nach Dubai.

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Heute leben Lilit und Sohn Kevin zusammen mit Paul auf dem Hof, dessen Ländereien durch Grundstücksverkäufe der Betreuerin um sage und schreibe um 2/3 (!) geschrumpft sind.  Lilit’s Ehemann wird den 14jährigen adoptieren, der Antrag ist gestellt.

„Der Junge ist das Ergebnis einer künstlichen Befruchtung, durchgeführt mit dem Samen eines anderen Mannes in der Uniklinik Düsseldorf“, erzählt Kevins Mutter. „Es war ein Entschluss, den sich Johannes und ich nicht leicht gemacht haben. Lange besprach er, der aus medizinischen Gründen nicht Vater werden konnte, das Problem der Kinderlosigkeit mit mir. Wir entschieden uns beide gegen die Adoption eines Heimkindes und für eine künstliche Insemination. Leider hat Johannes das Heranwachsen seines Wunschkindes nur wenige Jahre erleben dürfen. Er starb, da war sein Sohn gerade 9 geworden“. Verstohlen wischt sich Lilit mit dem Handrücken über die feucht gewordenen Augen.

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Sekunden später lacht sie aber schon wieder. „Es ist im Sinne von Johannes, dass ich nicht traurig bin. Er hat immer gewollt, dass in unserem großen Haus viel gelacht wird. Ich bin sicher, dass er glücklich ist über meins und Kevins Happy-End“.

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Erbrechtsanwalt Schomburg warnt: „Dies ist ein Fall, von dem andere viel lernen können. Jeder sollte bei Zeiten Vorsorge für den Pflegefall treffen“.

 

 Vorsorgevollmacht

Mit diesem Dokument bestimmt man, wer sich im Fall der Fälle um alles kümmern soll. Zum Einsatz kommt die jederzeit widerrufbare Vorsorgevollmacht erst dann, wenn der Vollmachtgeber seine Angelegenheiten nicht mehr persönlich regeln kann oder will. Ein Musterformular finden Interessierte auf der Internetseite des Bundesjustizministeriums (www.bmj.bund.de) in der Rubrik Publikationen.