Ihre spektakuläre Zeitung

Dieser „Wunderdoktor“ kann’s nicht lassen

Nach der Abzocke mit einem falschen Krebsheilmittel probiert er es jetzt mit Verjüngungskuren aus der Tiefkühltruhe

Gewusst, wie! Der Arzt, der solange prächtig von Sterbenden lebte, bis seine „Heilmethoden“ in Verruf kamen, versucht jetzt mit dem Schönheitswahn der Lebenden das dicke Geld zu machen: Er injiziert ihnen eisigkalte Zellen aus ungeborenen Schafembryonen! Damit SIE noch mal richtig heiß wird, mit schlappen 60 aussieht wie eine Jungfrau, unverbraucht, wie hingegossen. Und ER sich als Siebzigjähriger vorkommt mit seinen Ackerfurchen im Gesicht wie ein unwiderstehlicher Herzensbrecher und Märchenprinz.

Egal, ob Tod oder Leben: wieder mal mussten sich Richter mit dem geschäftstüchtigen Tausendsassa der Privatklinik befassen, in der zuerst gestorben wurde, und nun munter drauflos verjüngt wird.

Also: zunächst hatte der Doktor dem Krebstod – mit teuren Rechnungen für die erfolglosen Schmeicheleien gegenüber seinen Patienten – den Kampf angesagt. Seit diese Fights in die Hose gingen, weil ihm eine sich abgezockt fühlende Witwe in Prozessen mächtig einheizte und sich „gegen die Horrorhonorare“, wie sie es nannte, heftig wehrte, zieht er nun in den last-minute-Krieg gegen das biologische Altern mit Hilfe arktischer Temperaturen.

Der Schlaumeier glaubt nicht nur zu wissen, dass seine begnadeten Hände für die Heilung von Krebskranken geeignet sind, sondern auch, wie er mit 10-Finger-System die Faltenbildung beim Menschen wirkungsvoll reduzieren kann. Weit, weit weg von gängigen und teuren Anti-Aging-Cremes und Collagen.

Für die Altershemmung wendet er freilich die 1931 von dem Schweizer Arzt Dr. Paul Niehans (*21.11.1882 – 01.09.1971) erfundene Methode gerade nicht an, der sofort die den Organen eines Schafes entnommenen Zellen unbehandelt mit Hilfe einer Spritze in die nach Jünglingslocken oder Lolitaface lechzenden menschlichen Körper jagte.

Anzeige

Der deutsche „Mümmelgreissanierer“ und „alte Schachtel – Restaurierer“ wollte sich stattdessen an tiefgekühltem Zeug aus den Körpern der vierbeinigen Rasenmäher bedienen.

Das verbot ihm jedoch flugs das „Landesamt für Soziales, Jugend (ja, Jugend!) und Versorgung“ Rheinland-Pflalz, weil es sich nach dessen Meinung bei dem Gefrierzellenpräparat um ein bedenkliches Arzneimittel handelt mit dem Risiko der Übertragung von Krankheitserregern tierischen Ursprungs. Und die können sich bei einem Schaf durchaus sehen lassen, beispielsweise

Maul- und Klauenseuche, Tollwut, Tuberkulose, Kehlgangödem, Anämie, Durchfall.

Das Geldverdienen mit dieser etwas aus dem Rahmen des Üblichen fallenden Tiefkühlkost wollte sich Dr. Burkhard Aschhoff (*1946) in seiner „Privatklinik für ganzheitliche Medizin“ freilich nicht entgehen lassen. Er klagte. Das Oberverwaltungsgericht Koblenz (Az.: 6 B 10500/16. OVG) genehmigte ihm zwar daraufhin sehr eingeschränkt – wie schon zuvor das Verwaltungsgericht Neustadt – die Verwendung des eingefrorenen Jungbrunnens. Allerdings nur unter der Bedingung, dass mindestens 18 Stunden vor Beginn der Behandlung eine ausführliche, schriftlich protokollierte Aufklärung stattfinden muss – „besser als bislang“ – über die in Fachkreisen bekannten fachlichen Einschätzungen von Erfolg und Misserfolg.

Die Misserfolge überwiegen. Es sind so gravierende, das man die junge Wilde machende Technik nur noch außerhalb der wissenschaftlichen Medizin anwendet. In keiner normalen Arztpraxis und in keinem öffentlichen Krankenhaus wird mit Innereien von Schafskadavern experimentiert. Dafür aber in Privatkliniken! Eben in so einer „Klinik für Naturheilkunde, Frischzellentherapie und Onkologie“,   in welcher „Wunderdoktor“ Burkhard Aschoff den Herbstzeitlosen und Schmalzdackeln die Moneten aus der Brieftasche zaubert.

Das war schon mal so. Die Fälle sind freilich gar nicht lustig. Wie der von Mechthild Pieper (49). Wenn sie darüber spricht, steht ihr die Erschütterung ins Gesicht geschrieben „über soviel Menschenverachtung ausgerechnet dieses Arztes, bei dem mein Mann Zuflucht suchte“.

Manfred Pieper (57), technischer Leiter eines großen Hotels, war als „unheilbar“ von der Schulmedizin aufgegeben worden. Er klammerte sich an den letzten Strohhalm, die Klinik südlich von Ludwigshafen, in der das aus Schöllkraut gewonnene Wundermedikament „Ukrain“ verabreicht wurde, das angeblich Krebstumore vernichtet. Anstatt den Todgeweihten nach dem ersten Begucken als nicht therapierbar nach Hause zu schicken, wurde an ihm richtig Kohle verdient: weit über 15.000,00 Euro. Um die 4.000,00 Euro kostete eine Woche.

„Die Rechnung kam, da war mein Mann gerade beerdigt worden“, erzählt die frustrierte Großmarkt-Kassiererin. „Er verstarb an Leber- und Lungenkrebs. Ich sollte nun die Schulden begleichen, die durch die Behandlung des angeblich krebstötenden Mittels verursacht worden waren“.

Als die Witwe nicht zahlte, zerrte der „Wunderdoktor“ sie vor Gericht – und verlor. Und wie! Gleich 2 x, weil er auf das „Sterbegeld“ keinesfalls verzichten wollte! Die erste Abfuhr holte er sich im Landgericht. Die 2. Schlappe erlitt er in der Berufung beim OLG.

„Ohne irgendeinen wissenschaftlichen Beweis“, so die Richter, seien in Patienten-Briefen Heilchancen durch das von dem Arzt verwendete Medikament suggeriert worden, und zwar mit diesen Worten: „Das Mittel verfügt über die Fähigkeit, den Tumor einzugrenzen und so langsam zu zerstören“.

Dabei hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte das Präparat als bedenklich eingestuft. In zahlreichen EU-Ländern und in der Schweiz ist es nicht erhältlich.

Schöllkraut ist alles andere, aber kein Krebsheilmittel. Als Tinktur wird es zur Reinigung der Leber, zur Unterstützung des Stoffwechsels, und als Tee gegen Ohrensausen und Gelbsucht empfohlen. Die naturheilkundige Klosterfrau Hildegard von Bingen (1098-1179) hantierte emsig damit rum.

Anzeige

Geld, Geld, Geld – unser „Wunderdoktor“ Aschoff lebte dank seiner Nichtaufklärung und falschen Versprechungen herrlich und in Freuden von dem Zaster der Sterbenden und der Toten!

Eines seiner weiteren Opfer ist Angelika Leßmann (47), Verwaltungsangestellte. Ihre von der Schulmedizin aufgegebene, an Knochenkrebs leidende 17 Jahre alte Tochter Diana wurde mit großer Freude von dem „Heiler“ in seiner Klinik aufgenommen. Sieben Wochen später lag die Schülerin auf dem Friedhof.

Das hielt den Medizinmann freilich nicht davon ab, der Mutter „mit freundlichen Grüssen“ eine gesalzene Rechnung zu präsentieren. Verbunden mit der Drohung „…dass wir auf Zahlung der Rechnung bestehen und dies auch weiter verfolgen werden“. Die arme Frau Leßmann bezahlte nichts. Wovon auch? Für die Rettung ihres Kindes hatte sie Bankkredite aufgenommen und sich hoch verschuldet.

Dianas Vater, Kraftfahrer Bernd Henze (45), holt einen Brief der Berliner Klinik „Charite“ aus dem Wohnzimmerschrank. Darin schreibt der Chefarzt des Kinderkrankenhauses, in dem die Schwerkranke gelegen hat: „Ich denke, dass eine Heilung bei Diana nach menschlichem Ermessen nicht mehr durchführbar ist. Sie wurde mit allen schulmedizinischen Methoden behandelt, die uns derzeit zur Verfügung stehen“.

Die Eltern suchten trotzdem weiter – und gerieten an den „Wunderdoktor“, der keinerlei Skrupel hatte, das todkranke Mädchen sofort für einen Haufen Geld aufzunehmen.

Doch der körperliche Verfall war augenscheinlich. Die Qualen der Sterbenden wurden unerträglich. Noch einmal versuchten es die Eltern in Berlin – vergeblich. Diana starb. Sie war schon lange rettungslos verloren.

„Wenn ich nur einen einzigen Menschen davon abhalten kann, sich in die Hände dieses geldgeilen Arztes zu begeben, habe ich viel erreicht“, sagt Witwe Mechthild Pieper. Sie liest aus dem landgerichtlichen Urteil gegen den „Wunderdoktor“ vor, das vom Oberlandesgericht Hamm bestätigt worden ist:

„Für den Patienten Manfred Pieper gab es nach der eigenen Einschätzung des Klägers Dr. Aschoff keine Heilungschance mehr. Er lässt selbst vortragen, das sei ihm ‚von vornherein klar’ gewesen. Er hätte also dem Patienten sagen müssen, dass mit dem Rückgang des Tumors nicht mehr zu rechnen war“.

Anzeige

Stattdessen verschwieg er dem Hilfesuchenden die Wahrheit. Warum? Jeder Tag, den der Patient dahinsiechte, sich mit gerade noch fühlbarem Puls auf der Schwelle vom Leben zum Tode quälte, brachte dem Weißkittel Geld.

„Hoffentlich“, meint Frau Pieper mit einem Anflug von Sarkasmus, „kommen die Leute bei ihrer Verjüngungskur mit den Schaf – Frischzellen aus der Tiefkühltruhe dieses Wunderheilers alle ungeschoren davon“.

Anzeige

 

Unser Motto:

Der Wahrheit die Ehre.

Dem Lumpen den Pranger.

Dem Schwachen unsere Hilfe.

 

www.boulevard-buende.de ist eine der spektakulärsten Zeitungen in Bünde = bekannt als Tabak-,

Zigarren- und Banderolenstadt, als „Fairtrade Town“ und als Radfahrer-Eldorado