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Die teuersten Erdnüsse der Welt gibt’s in Herford: Komischer Kauz zerrt Vogelscheuche vor Gericht

Ach, du dickes Ei! Mit welchen Kinkerlitzchen müssen sich Richter beschäftigen! In Herford geht es vor dem in ganz Deutschland bei Millionen überschnellen Autofahrern beliebt gewordenen Tempoblitz-Gericht na, 3 x dürfen Sie raten, doch darauf kommen Sie nie! Um sündhaft teure Erdnüsse! Ja, echt, um diese Partyschleckerchen.

 

Die sind dem Herforder CDU-Politiker und Landrat Christian Manz (57) einen Batzen Steuergelder wert. Er unterstützt deshalb einen komischen Kauz, der als Revierpächter durch Wald und Flur am Hunnebrocker Waldschlößchen schleicht. Mit stets schussbereiter Büchse im Anschlag. (Lesen Sie hierzu auch unsere Geschichte  durch Anklicken von RSS Feed: Tolle Karriere: Rentnerpolizist als Rechtsbrecher).

 

Der Schiesskünstler und Rabenfeind warf der in einem malerischen Fachwerkhäuschen zwischen Autobahn und Sportplatz wohnenden Tierfreundin Eva-Maria (50) zunächst vor, sie verfüttere Fleischstückchen an Krähen. Beweisen konnte er das nicht. Trotzdem schickte der Herr Landrat durch seinen Handlanger Bernd Gundlach aus dem Amt für Sicherheit und Ordnung, Zimmer 1.28, Amtshausstraße 3 in 32051 Herford, der Pflegemutter von aus dem Nest gefallenen Piepmätzen einen atemberaubenden Drohbrief in ihre kuschelige Bude. Es gehe  an ihr Portemonnaie, wenn sie nicht auf der Stelle damit aufhöre, tierische Fette und tierisches Eiweiß an die Flatterviecher zu verfüttern. 

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Eva in ihrer Arche Noah ließ sich diese Behördenattacke nicht gefallen. Sie wehrte sich mit Händen und Füßen, wortgewandt und eloquent. Sie lege nur Erdnüsse und Trockenfutter aus, werfe aber doch nicht mit Bauchspeck, Schwarzwälder Schinken, Züricher Geschnetzeltem oder Häppchen vom Argentinischen Rindersteak um sich. Selbst Gulasch sei ihr für die schwarz gefiederten Freunde zu schade. „Das futtere ich lieber selbst“, lacht sie, ein vitaler Wonneproppen, von gutem Essen verwöhnt.

 

Weil’s keine Beweise gab, beispielsweise Fotos, auf denen die Tierfreundin mit einer Bratpfanne lecker duftender Schnitzel oder einem prallgefüllten Kochtopf voller dampfender  Schweinerippchen oder Rinderrouladen zu sehen ist, wurde der Vorwurf einer nicht artgerechten Fütterung fallen gelassen.

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Statt dessen die nächste Schikane! Eva-Maria wurde auf 3 Seiten Blatt Papier im  feinsten Amtsdeutsch (Az.: 32.21.64) von den eifrigen Dienstboten des Herrn Landrats beschuldigt, als Vogelscheuche arglose zweibeinige Flieger vor den schussbereiten Flinten des Revierpächters sowie weiterer Jagdgenossen vertrieben zu haben. „Um eine Bejagung zu verhindern“, heißt es. „Hierbei handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit nach § 55 Abs. 1, Nr. 1 LJG NRW“. 

 

Na, da biste doch platt, was sich der komische Kauz mit der Schießbüchse alles einfallen lässt, um Eva zur Strecke zu bringen! Weil’s mit der Fleischspeise nicht klappte, probierte er’s so! Aber auch diese Unverschämtheit ließ sich Eva nicht gefallen. Sie forderte den Schlechtmacher zum Zweikampf auf. Eine 1. Runde fand vor Ringrichterin Sykulla statt.

 

Im Angesicht der Gerechtigkeit, mit festem Blick bestritt Vogelscheuche Eva vehement den Vorwurf des Vertreibens von Todeskandidaten. Woraufhin sich der Abgesandte des Herrn Landrats diesem Thema zuwandte: Erdnüsse! Beweise? Der Nimrod hatte keine parat!

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„Gegen 10.30 Uhr legten Sie am 09.05.2010 im Jagdbezirk Bünde-Hunnbebrock im Bereich der Carl-Severing-Straße auf dem dortigen Feldweg Erdnüsse aus, um Krähen zu füttern. Das Futter war auch für Schalenwild aufnehmbar. Dies stellt einen Verstoß gegen § 55 Abs. 1, Nr. 14 LJG NRW dar“.

 

In die verarmte Beamtenkasse des Kreises Herford sollte nach dem Willen des Rechts-, Staats- und Wirtschaftsstudierten der Ruhr-Universität Bochum, Landrat Manz, Vogelscheuche Eva-Maria 320, 55 EURO einbezahlen. 19 Tage Zeit waren ihr vom Motorradfahrer, Freizeitmusiker, DRKler und Feuerwehrmann Manz gegeben worden, um sich von diesem alle Vorstellungen sprengenden Erdnussgeld zu trennen. Zugunsten der Kreiskasse Herford, Konto 3806, Verwendungszweck Kz. 1615.000314.1-1615.

 

Als einziger Zeuge gegen die vogelfreundliche Dame trat dieser komische Kauz auf, der schießfreudige Revierpächter, ehemaliger Polizeibeamter in Führungsposition, jetzt Rentner, der anscheinend nix besseres zu tun hat, als hinter berockten Frauenbeinen herzujagen, um zu beobachten, in welche Himmelsrichtung die sich wenden und was von der Besitzerin an Fressbarem vor deren Füße geworfen wird.

 

Er war es,  der am 09.05.2010 bei seinem Sonntagspaziergang ein paar leckere Erdnüsse auf einem Feldweg entdeckte, über den täglich 30 Hundehalter und mehr ihre Vierbeiner ausführen, damit die dort und nicht vor der eigenen Haustür ihre Notdurft entrichten. Mit dem detektivischen Spürsinn eines Polizeibeamten im ich-will-nicht-in-den-Ruhestand-Fieber erkannte er: „Jetzt hab’ ich sie! Es ist nur bis zum 30.04. gestattet, überhaupt Rehwild zu füttern, mit Südfrüchten allerdings gar nicht. So steht es in § 55 Abs. 1 Nr. 14 des Landesjagdgesetzes Nordrhein-Westfalen. Jetzt liegen hier Erdnüsse rum. Hat sich die Vogelscheuche nicht damit verteidigt, sie verfüttere kein Fleisch, sondern sie bediene die arme Kreatur nur mit Erdnüssen und Trockenfutter?“

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Das unglaubliche Erdnussdrama nahm seinen Lauf! Die Früchte – der Same enthält bis zu 50 % Öl, Hauptanbaugebiete sind Indien und Westafrika – landeten  in Form einer Ermittlungsakte auf dem Tisch des Herrn Landrats, der sich am Tatort erstklassig auskennt, war er doch ab 1983 in Bünde an der Erich-Gutenberg-Berufsschule im Bereich Bundes- und Kommunalverwaltung tätig. Bis er am 30.08.09 mit 48,15 % der Stimmen seine Parteigenossin Lieselore Curländer ablöste. Eine seiner ausgefallensten Amtshandlungen ist der Brief mit dem Erdnuss-Inhalt: Südfrüchte an Rehe verfüttern stelle eine Ordnungswidrigkeit dar. Da mussten sogar erst einmal Eva-Marias Rechtsanwälte Gissel & Löffler, Bahnhofstraße 25, 32257 Bünde, Telefon (05223) 183080 heftig  schlucken. Aber keine Erdnüsse…

 

Nach genauem Hinsehen entpuppte sich das Geschreibsel als leere Luft. Der Erdnussspezi aus dem Herforder Bußgeldbescheidpalast brachte zwar viel auf’s Papier, über die Hülsenfrucht selbst weiß er anscheinend aber gar nichts. Bei seiner Forderung von 320, 55 EURO, übersieht er zunächst mal, wer die Erdnüsse ausstreute. War es  Eva-Maria? Sie sagt nein! Und mal angenommen, sie wäre bei der jagdgesetzlich verbotenen Leckereienfütterung erwischt worden, wer beweist dem Richter, dass es sich bei den Erdnüssen um echte Südfrüchte handelt, deren Verfütterung lt. Gesetz untersagt ist? Es könnte sich doch ebenso gut um welche handeln, die in einem Bünder Gewächshaus großgezogen wurden!

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Erdnusssamen kann heute nämlich jeder bei Spezialversendern einkaufen und das fertige Produkt nach 5 Monaten ernten. Im Wohnzimmer oder im heimischen Garten wächst aus der Samenrarität ein 50 cm hoher Strauch, der nach 8 Wochen gelbe Blüten ansetzt und sich selbst bestäubt. Die Blütenstiele wachsen danach weiter, senken sich in den Boden, wo sich Erdnüsse entwickeln. Die Zucht ist von Januar bis Oktober möglich. Erdnusssamen werden im raumwarmen Wasser vorgequellt, anschließend in leicht angefeuchtete Aufzuchterde gesetzt. Das Aufzuchtgefäß muss warm gestellt, aber nur mäßig gewässert werden. Die Keimdauer beträgt zwischen 5 Tagen und 3 Wochen. Am besten gedeiht Erdnusssamen an einem hellen West- oder Südfenster. Im Sommer wächst die Frucht auch im Freien. Ideal ist ein Topfdurchmesser von 20 – 30 cm.

 

Nichts fressen Vögel lieber als Erdnüsse! Insbesondere, wenn die Kerne auch noch schnabelgerecht zerkleinert worden sind. Wichtig: Sie sollen naturbelassen, nicht geröstet und nicht gesalzen sein.

 

Ach, du lieber Himmel, da hat der komische Kauz mit Unterstützung des Landrats dem Herforder Amtsgericht ja noch ’ne schöne Suppe eingebrockt! Und den Steuerzahlern erst!

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Die Erdnussrichterin machte mit dem ausgefallenen Streitgegenstand  kurzen Prozess. Sie will Erdnuss-Zeugen sehen und hören. Woher sollen die kommen? Der Anstifter des Erdnuss-Krimis, der komische Kauz mit dem Schießgewehr, macht sich gegenwärtig auf die Suche. Wär’ doch gelacht, glaubt er, wenn Vogelscheuche Eva nicht mit einem grandiosen Halali zur Strecke zu bringen wäre! Für eins hat er jetzt schon gesorgt:  Der Erdnussstreit ist zu einer teuren Provinzposse verkommen, über die ganz Deutschland lacht.

Am Donnerstagvormittag, 03.11.11, drückten sich 6 Zeugen (in Worten: sechs!) den Hintern platt vor Saal Nr. 005 im Amtsgericht Herford. Sie waren alle geladen worden, um etwas zur Wahrheitsfindung in dieser Erdnuss-Komödie beizutragen. Nach 42 Verhandlungsminuten und insgesamt 4020 Sekunden Rumsitzerei auf erdnussfarbenen Hartholzbänken rief Richterin Alexandra Sykulla (39) die 4 Männer und 2 Frauen zu sich, um ihnen mitzuteilen, sie dürften nun alle wieder nach Hause fahren. Ihre Aussagen würden noch nicht benötigt. Die Verdienstausfälle erstatte ihnen die Gerichtskasse. Justizdienerin Sykulla will sich in den nächsten Monaten Gedanken darüber machen, wie dieses denkwürdige Verfahren fortgeführt werden soll – und ob die Erdnüsse für den Steuerzahler nicht schon teuer genug geworden sind.

Die Fortsetzung dieser filmreifen Klamotte mit 10 Zeugen und 2.000,- EURO Prozesskosten fand im April 2012 statt an 2 x verschiedenen Verhandlungstagen. Zum 1. Termin am 16.04. war ein Zeuge aus Bünde nicht erschienen. Ihm wurde die Ladung unter einer falschen Anschrift zugestellt. Das Blatt Papier hat er nie zu Gesicht bekommen. Da aber Geld in diesem Erdnuss-Krimi keine Rolle spielt, verhängte Wahrheitssucherin Sykulla im Gerichtssaal 005 gegen den Ferngebliebenen flugs eine Ordnungsstrafe von 200,- EURO. Die entpuppten sich als heiße Luft und wurden von dem Zeugen, der nicht ordnungsgemäß an seiner richtigen Adresse angeschrieben worden ist, natürlich nicht bezahlt.

Das Lustspiel vom 300 x 100 Meter großen Krähenacker an der A 30, dem Hunnebrocker Friedhof und dem Waldschlösschen endete zur Freude des schnauzbärtigen Polizeirentners, der auch schon mal seinen Jagdhund auf fremdem Grundstück eine Legehenne massakrieren lässt und als Hobbyjäger das ganze Theater inszenierte, mit diesem Urteil:

300,- EURO Geldbuße wegen Jagdstörung. Der mit Schießgewehr und Digitalkamera bewaffnete Weidmann fühlte sich beim Krähenmorden durch die nach seiner Schätzung in 150 Meter Entfernung gesichtete Rabenmutter Eva-Maria beim Drauflosballern eingeschränkt. Der Gestörte gab zwar an, auf ihn sei noch eine andere Frau zugelaufen und hätte ihn sogar angesprochen. Der leicht störanfällige Totschießer fühlte sich durch den zweibeinigen Plagegeist jedoch nicht in seiner Jagdruhe behindert. Und auch Richterin Sykulla verlor in ihrem Urteil über diese Ablenkerin, die als „Frau Weber“ aktenkundig ist, kein Sterbenswörtchen.

Da nun die Rechtsprecherin schon mal beim Urteilsverkünden war, machte sie aus der Mücke gleich den richtigen Elefanten. Frau Sykulla verhängte gegen die völlig fassungslos neben ihrem Anwalt Dieter Löffler (63) sitzende Vogelfreundin noch eine weitere 300,- EURO-Geldbuße.

Nun wegen der Verfütterung von Erdnüssen ohne Fütterungsvorrichtung (wie sie von Jägern im Winter bei der Wildtierfütterung mit Heu, Kastanien oder Eicheln verwendet wird). Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Es wurde Berufung eingelegt. Noch Fragen? Rechtsanwälte Frank Gissel und Dieter Löffler, Bahnhofstraße 25, 32257 Bünde, Telefon: 05223/183080, Telefax: 05223/1830830, E-Mail: Gissel@gissel-loeffler.de