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Der unheimliche Malermeister mit den teuflischen Händen

„Wie war das, Herr Otte? Wie sind Sie zum Witwer geworden, als Sie Ihre 1. Frau verloren haben?“ fragte der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts den Angeklagten.

Mit fester Stimme antwortete Malermeister Karl Otte (55): „Ich war etwa 6 – 7 Meter vom dunklen Balkon entfernt. Meine Frau sah ich nur als einen Schatten. Ich habe geschossen. Einfach so, ohne zu zielen.

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Ehrenwort, ich wollte Silvia nicht treffen! Ich wollte sie nicht töten. Wie ich ihr in der Dunkelheit eine verpassen konnte, ist mir immer noch ein Rätsel. Es wäre mir lieber, ich wäre an ihrer Stelle tot“.

Was für ein gottloses Gejammere! Dabei hatte Herr Otte nichts anderes vor als seine 14 Jahre jüngere Frau dafür zu bestrafen, dass sie nach 4jähriger Ehe von der Fahne gehen und sich scheiden lassen wollte. Silvia Otte starb zwei Tage nach den fünf Schüssen, die im Sekundentakt auf sie abgefeuert worden waren. Sie nach den Worten des Mörders aber gar nicht treffen sollten.

„Wenn Sie Ihre Frau nicht umbringen, geschweige denn überhaupt treffen wollten, weshalb verballerten sie gleich fünf Kugeln in ihre Richtung? Eine einzige hätte doch genügt, um ihr einen Schrecken einzujagen!“

Otte zuckte mit den Schultern, zog seine Augenbrauen hoch – und schwieg.

„Wie war das denn mit Ihrer 2. Ehefrau? Was fällt Ihnen dazu ein als Ingrid starb, und Sie leider wieder Witwer wurden?“ setzte der Richter unnachgiebig seine Fragerei mit kühler Stimme fort.

„Ach, Herr Richter, das war so.

Wir hatten in einem Lokal beieinander gesessen, schnell was gegessen und etwas getrunken. Plötzlich flog die Tür auf und meine Ex-Freundin Regina schneite herein. „Hallo Charly“, rief sie schon von weitem, kam an unseren Tisch und setzte sich direkt neben mich. Von Ingrid nahm sie keine Notiz. Die sprang wütend auf und verließ die Gaststätte.

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Ich habe mich noch ein wenig mit Regina unterhalten. Danach bezahlte ich bei der Kellnerin und bin gegangen. Ich stieg ins Auto und bin meiner Frau hinter her gefahren. Dass ich sie mit dem Mercedes bei 100 Stundenkilometern erfasst und in eine Wiese geschleuderte haben soll, bemerkte ich nicht.  Klar, es hat schon dumpf gepoltert und ich bin nach dem Bremsen auch ausgestiegen. Ich sah jedoch nichts. Nun gut, dachte ich, das war ein Hase oder ein Reh, die sind weiter gelaufen. Ich bin ab nach Hause“.

Es war kein Karnickel und auch kein Stück Rotwild. Es war Ingrid Otte. Sie starb mit 44 an schweren Schädelverletzungen.

Wegen der tödlichen 5 Schüsse auf Silvia wurde Willibert Otte zu 12 Jahren Freiheitsstrafe verdonnert. Die Richter folgten der Einschätzung des Psychiaters, der was von einer „Bewusstseinseintrübung“ gefaselt hatte. Im Urteil hieß es: „Der Angeklagte handelte aus Enttäuschung, Eifersucht, Zorn. Er beging die Tat auf heimtückische Weise“. Die Staatsanwältin hatte vergeblich lebenslange Haft gefordert. Scheiterte mit ihrer Revision beim BGH.

Willibert und Silvia hatten sich nach vier Jahren Ehe scheiden lassen. „Jeder zog in eine eigene Mietwohnung. Aber schon nach acht Wochen lebten wir wieder zusammen. Mal für einige Tage in meiner, mal für zwei Wochen in ihrer Wohnung. Ich war Silvia mit Haut und Haaren verfallen, sie war mir sexuell hörig“, erzählte der Angeklagte den Richtern.

Nach einem halben Jahr „waren wir neu verliebt und planten unsere Wiederheirat“, tischte Willibert Otte während einer Verhandlungspause www.boulevard-buende.de auf.

An einem schönen Sommertag machten die beiden im Biergarten eines Lokals an der Else die Bekanntschaft eines Berufskollegen des Malermeisters, den seine Freundin gerade rausgeworfen hatte. „Das ging so plötzlich, dass ich nicht einmal meine Klamotten aus der Wohnung mitnehmen konnte. Bis das von meinem Anwalt geklärt ist, weiß ich nicht, wo ich unterkommen soll“, äußerte sich der Hinauskatapultierte stinksauer.

 „Du kannst bestimmt für ein paar Tage in Silvias Wohnung bleiben, bis Du eine neue Unterkunft gefunden hast“, schlug Willibert vor.

Die hübsche Schlanke nickte: „In meinen drei Zimmern ist Platz genug für zwei“.

Er zog ein. Zweieinhalb Wochen danach besuchte das Trio mit vier anderen Bekannten den Blasheimer Markt. Nach Bratwurst und Bier erfuhr Willibert am Schießstand von Silvia: „Ich bin an einem weiteren Zusammenleben mit Dir nicht mehr interessiert. Dein Kollege gefällt mir besser. Mit dem bleibe ich jetzt zusammen“.

Otte trat einen Schritt zurück. „Wie bitte?“ Silvia wurde laut: „Ich habe gesagt, verpiss dich. Ich werde Gerhard heiraten“.

„Für mich brach eine Welt zusammen. Ich war wie vor den Kopf gestoßen und wollte retten, was aber  nicht mehr zu retten war.  Auf keinen Fall wollte ich Silvia kampflos verlieren. Ich war total fertig“, schilderte der Geschasste seine damalige seelische Verfassung dem Schwurgericht.

Er verließ alleine den Festplatz und fuhr zu seiner Wohnung. „Im Schlafzimmer nahm ich den Revolver in die Hand, den ich mir als Schutz gegen Einbrecher besorgt hatte. Jetzt wollte ich mich umbringen,  hatte den Lauf schon an die rechte Schläfe gesetzt. Da kam mir der Gedanke, doch noch einmal mit meiner Frau zu sprechen“, so Otte.

Mit dem sechsschüssigen Colt, Kaliber 44,  im Hosenbund machte er sich zwanzig Minuten nach  Mitternacht auf zu seiner Liebsten. Die Haustür war verschlossen. Auf sein Sturmläuten öffnete Silvia nicht. Da trat er hinter’m Haus auf den vier Meter breiten Grünstreifen und rief laut ihren Namen. So oft und so laut, dass in drei Wohnungen das Licht anging. Nun trat Silvia auf den Balkon in der 1. Etage und bat ihren Ex-Mann: „Gib Ruhe und verschwinde. Zieh Leine! Es ist alles gesagt“. Sie drehte sich um, ging in’s Wohnzimmer und schloss die Tür.

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Der Maler drehte durch! Nun krakeelte er noch lauter. Immer wieder erschallte Silvias Name. Zornig  kehrte sie auf den Balkon zurück, schrie: „ Hau ab!  Es ist aus mit uns!“  Da fielen fünf Schüsse.  Ein Projektil zerschmetterte ihren Kopf. Die vier anderen Kugeln durchlöcherten ihre Brust und ihren Rücken.

Das harmonische Bild, das Otte von seiner Beziehung zu Silvia nach der Scheidung zeichnete, wurde von Zeugen nicht bestätigt. Beide Brüder und die Mutter der Frau erklärten übereinstimmend, die 41jährige hätte keinen Gedanken daran verschwendet ihren Ex-Mann erneut zu heiraten.

„Das genaue Gegenteil hat sie uns erzählt, dass sie nämlich von Willibert nichts mehr wissen wollte, weil der sie aus Eifersucht grün und blau geschlagen habe. Er sei nach ihrem Auszug gewaltsam in ihre Wohnung  eingedrungen. Sie hatte ständig Angst vor ihm. Die beiden haben nach der Scheidung auch nie wieder zusammengewohnt. Es gab mehrere Strafanzeigen wegen Körperverletzung von Silvia gegen Willibert. Einmal hat er sie sogar vom Balkon ihrer Wohnung gestoßen. Dabei verletzte sie sich so schwer,  dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden musste“.

Hausbewohner beobachteten, Otte brachte nachts eine Freundin mit nach Hause, als Silvia und er noch verheiratet waren und sie von ihm im sechsten Monat schwanger war. Er wollte mit der Geliebten Sex im Ehebett machen. Silvia weigerte sich, das Schlafzimmer dafür zu räumen. Er schlug sie, drohte ihr mit dem Umbringen. Durch den Lärm wurden Nachbarn wach. Die Polizei kam. Vier Beamte hatten alle Hände voll damit zu tun, den Tobenden zu bändigen.

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Ein Psychiater kam zu dem Ergebnis, bei dem Angeklagten handele es sich um einen Mann, der es über weite Strecken seines Lebens gewohnt war, seinen Willen durchzusetzen. „Wenn es sein musste,  auch mit brutaler Gewalt. Silvia betrachtete und behandelte er als Privatbesitz. Er dachte nicht daran, ihr die selben Freiheiten einzuräumen, die er für sich selbst in Anspruch nahm“.

Nach neun Jahren Haft von den zwölf wurde Otte auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Er lernte Ingrid kennen. Anders als Ottes erste Lebensgefährtin Helga, die sich nach neun Jahren von ihm trennte, weil sie sich nicht mehr durch seine Fremdgeherei demütigen lassen wollte, hat ihm Ingrid alles verziehen. Auch wenn er sie, wie am letzten Geburtstag ihres Lebens, so furchtbar malträtierte, dass sie sich hilfesuchend ins Frauenhaus schleppte.

Von dort betrieb sie die Scheidung. Aber im Gerichtssaal passierte Unglaubliches!

„Sie versöhnte sich mit mir. Sagte zur Richterin, ‚es gibt keinen Besseren als ihn‘. Händchenhaltend verließen wir das Amtsgericht, stiegen ins Auto und hatten Sex im Wiehengebirge. Alles war so wie früher“, erzählte der Malermeister dem staunenden Schwurgericht in seinem 2. Prozess, in dem es um  Ingrids Tod ging.

„Hilfsbereit“ sei er gewesen, „bis zur letzten Minute ihres Lebens“, prahlte er. „Ich transportierte ihre Möbel aus ihrer in meine Wohnung. Während einer Fahrtunterbrechung legten wir einen Stopp ein in einem Gasthof, um uns zu stärken. Da betrat meine ehemalige Freundin Regina (39), langbeinig, attraktiv, schlank, das Lokal und setzte sich zu mir. Die Frau plauderte mit mir, als sei Ingrid gar nicht da.

Die wurde eifersüchtig, rastete aus. Zwischen mir und meiner Frau kam es zum Ehekrach. Sie ging heim. Ich fuhr ihr bald darauf hinterher“.

Gegen 22:55 Uhr prallte ein Gegenstand vorn rechts an den Scheinwerfer. Er schleuderte hoch, krachte gegen die Windschutzscheibe und flog fünf Meter weit nach rechts in eine Wiese. Scheinwerfer und Frontscheibe zerbarsten.

„Ich habe einen Schlag gespürt. Nach ungefähr fünfzig Metern hielt ich an. Ich bin ausgestiegen, habe zurückgeschaut, aber nichts gesehen. Ich dachte, ich hätte einen Wildunfall gehabt, weil ich keinen Fußgänger und keinen Radfahrer wahrgenommen hatte. Ich bin die ganze Zeit mit Abblendlicht gefahren“, erzählte der Angeklagte seinen Richtern und dem Staatsanwalt.

Ein Sachverständiger stellte nach eingehender Untersuchung des Mercedes etwas ganz anderes fest. „Zum Unfallzeitpunkt war die Fernlichtwendel in Betrieb. Das bedeutet, der Angeklagte ist nicht mit Abblendlicht, sondern mit Fernlicht gefahren“.

Für Otte ein vernichtendes Ergebnis! Denn der Experte errechnete: „Bei Fernlicht war die Fußgängerin aus einer Entfernung von 95 Metern erkennbar.  Wenn der Angeklagte 90 km/h gefahren ist, betrug der Anhalteweg 70 bis 71 Meter, bei 100 km/h 84 – 85 Meter. Er hätte also gefahrlos ausweichen oder stoppen können“.

Menschen im Mediendreck

Für den Staatsanwalt war der Unfall Mord. „Der Angeklagte wusste genau, wen er auf der Straße in’s  Visier genommen hat. Er fuhr seine Frau über den Haufen, ließ sie sterbend am Unfallort liegen, türmte in eine Kneipe, wo er sich schnell vier Biere und 3 Doppelkorn hinter die Kehle schüttete. Dann fuhr er nach Hause und legte sich in’s Bett, wo er um 03:43 Uhr am nächsten Morgen von Polizeibeamten geweckt wurde. Die Blutprobe ergab 1,49 Promille. Alles sollte nicht nach Mord, sondern nach einer Unglücksfahrt unter Alkoholeinfluss aussehen“.

Die Rechnung des Malermeisters mit den teuflischen Händen am Colt und am Lenkrad ging nicht auf.

Karl Otte wurde zu lebenslanger Freiheitsstrafe wegen Mordes verurteilt. Der Richter schüttelte sich: „Sie wollten töten – und haben getötet! Als Mordwerkzeug haben Sie Ihr Auto benutzt. Wie können Sie noch ruhig schlafen, wo Sie zwei der liebsten Menschen töteten, die Sie je besessen haben?“

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