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„Behüt dich Gott!“ Das ist wohl wahr. Denn: Aller Segen kommt von oben!

Mit halb verfaulten Holzklötzchen oder gar nicht werden in Bünde wacklige Verkehrsschilder vorm Wegfliegen und Umkippen „gesichert“. Wie toll das funktioniert, hat Hobbygärtner Herbert Jacob (81) am eigenen Leib, ach was: an seinem plötzlich verbeulten Auto erfahren dürfen! Dem armen Kerl plumpste, gelenkt von unsichtbarer Himmelsmacht, am Zebrastreifen vor der Bismarckbrücke ein durchgerosteter Eisenpfosten mitsamt dem Bildsymbol eines Fußtourers, liebevoll hingemalt auf stählernen Grund, auf’s Vehikel. Bis dahin wusste der perplexe Herbert noch gar nicht, dass in Bünde Spaziergänger nicht nur auf Gehwegen stürzen, sondern auch vom Himmel fallen.

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Herberts Glück im Unglück: Er fährt kein Cabrio! „Sonst könnten mich meine Freunde jetzt anstatt zu Hause auf dem Friedhof besuchen“, argwöhnt das vom Winde verwehte Opfer.

Auf seinem wettergegerbten Gesicht liegt stets ein Hauch von Possenreißerei. Rote Wangen, wacher Blick aus graublauen Augen, schlagfertig, ständig auf der Lauer, einen neuen Witz loszuwerden: So kennen ihn seine Bekannten und Nachbarn in der Wilhelmstraße. Da ist der pensionierte Gärtner zwar gemeldet, aber selten anzutreffen.

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Herbert rennt lieber mit seinesgleichen durch die Gegend, einer von Regenwürmern geliebten Rentnergang des Vereins der Garten- und Blumenfreunde, die verkrustete Erdböden schön bearbeitet, damit Käfer und Larven und andere Versteckspieler ihre helle Freude in der spatentiefen Finsternis der aufgelockerten Scholle haben. Mit Gleichgesinnten trifft man ihn hin und wieder im Vorgarten am Bünder Tabakmuseum, den der auf die 90 zumarschierende Schelm gemeinsam mit seinen Unkrautkumpel augenfreundlich für Stadtbummler und zum Lobe des Herrn (=Bürgermeister) in regelmäßigen Intervallen und mit freudiger Handarbeit einem hübschen Stadtbild integriert.

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Herbert Jacob versteht sich als Gestalter, Verschönerer, der den Umgang mit der Jäthacke aus dem Effeff beherrscht, der die Stirn in Falten legt, die Augenbrauen hochzieht, die Nase kräuselt, wenn über die Verwendung von Insektengiften debattiert wird, die wohlmöglich auch noch intravenös gegen Schädlingsschocker wie schleimige Schnecken oder Blattläuse eingesetzt werden sollen. Diese vom Schöpfer mit großem Einfallsreichtum kreativ gestalteten Raubtiere werden von Herbert und seinem Reinemachetrupp behutsam weggepflückt und Leuten anvertraut, die sich auf das Entleeren von Mülleimern spezialisiert haben.

An Mordsgaudi mangelt es dem betagten Herrn mit dem silbergrauen Haupthaar nie! Herbert sorgt immer für reichlich Klönschnack und Gelächter, nun aber auch für riesengroßen Respekt. „Weil der’s denen im Rathaus mal so richtig gezeigt hat, dass mit uns vermeintlich bald-ins-Gras-Beißern auch kurz vor der Endlichkeit nicht zu spaßen ist“, lobt den „saustarken Herbert“ anerkennend seine ganze Methusalem-Clique.

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In der Tat bewies der Ex-Außendienstler der EWB, in Saft- und Kraft-Zeiten angestellter Mitarbeiter der sogenannten „Grünen Kolonne“, die für den Energie- und Wasserlieferanten 40 ha Grünfläche pflegte und gestaltete, gegenüber den Studierten und Gelehrten, Besserwissern, Naseweisen, mit dem Kopf durch die Wand Rennenden bei der Stadt Zivilcourage und Unbeugsamkeit. Und das einer, der den Schalk im Nacken hat, wie der Herbert, sehr wohl die Grenzen kennt, wo der Spaß aufhört. Und das kam so:


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An einem Montagvormittag im November gegen 10:30 Uhr, einem regnerischen Morgen mit Windböen aus wechselnden Richtungen, fuhr Herbert Jacob in seinem PKW Opel Corsa HF-JH 404 die Bismarckstraße vom Bünder Kaufhaus runter Richtung Norden zum Zollamt.

„Ich zuckelte mit 30 km/h am Postamt vorbei zur Wasserbreite. Kurz vor der Bismarckbrücke wurde ich noch vorsichtiger beim Anblick der beiden über 2 Meter hohen Hinweisschilder im blau-weißen Hofbräuhaus-Look, die hier den Fußgängerüberweg markieren“.

Weit und breit war kein Beinevertreter zu sehen. „Na ja“, dachte ich, „wer will bei so einem Sauwetter schon frische Luft schnappen?“ Nichts böses ahnend passierte Spätherbstler Herbert die Engstelle mit der Verkehrsinsel – da traf ihn im wahrsten Sinn des Wortes der Schlag! Von einer Windböe zunächst liebevoll umsäuselt, dann brutal erfasst knallte eins der zwei Verkehrsschilder auf den von Pensionär Jacob ach so liebkosten, so pfleglich behandelten Benzinesel.

Clever und überlegt, wie „Der Alte“ im Krimi

Die anfänglich geglaubte Sinnestäuschung wich einem herben Schock, als das Ausmaß des Schadens erkennbar war. Der Ohnmachtsanfall wiederum verwandelte sich in eine dem Corsa-Fahrer inne wohnende reaktionsschnelle Entschlusskraft.

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So fit in ’ner Birne muss erst mal jemand sein, wie dieser überrumpelte 81-Ender!

„Vom Handy rief ich zuerst in der Polizeistation an der Wittekindstraße an“, erzählt Herbert mit funkelnden Augen dem Reporter von www.boulevard-buende.de. Sekunden später läutete dann das Telefon bei Kfz-Meister Marco Sudmeier (39) in dessen Werkstatt, Osnabrücker Straße 211. Mit ruhiger Stimme bat der Verkehrsschildgeschädigte: „Marco, komm mal her zur Bismarckbrücke, bring’ aber ja deinen Fotoapparat mit!“

Also: Da biste einfach platt, wie „Der Alte“ in diesen Schreckminuten sorfort an den Beginn eines Krimis dachte und an die Beweismittelsicherstellung am „Tatort“!

2 Polizeibeamte zollten dem abgegriffenen grauen Lappen, der sich als gültiger Führerschein aus dem Jahr 1955 des durch technischen k.o. gestoppten Automobilisten entpuppte, uneingeschränkte Bewunderung. Eine Überprüfung ergab: Der Inhaber dieses Lenkerdiploms pflegt in Flensburg bei der Verkehrssünder-Bank ein 0-Punkte-Konto ohne Zinsen. Alle Achtung nach 55 Jahren auf der Straße!

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Die Kosten für die Schadensbeseitigung am ramponierten PKW in Höhe von 1.857,- EURO erbat Herbert Jacob mit einem höflich abgefassten Schreiben von der Stadt Bünde zurück. Doch aus dem Rathaus kam kein Geld, nur ein Blatt Papier auf dem geschrieben steht, dass – welch ein Zufall! – im Rahmen der Straßen- und Wegekontrolle just 14 Tage vor der Segenserteilung von oben durch das umgewehte Verkehrszeichen exakt diese Schilder auf ihre Standfestigkeit überprüft und keine Mängel festgestellt worden seien.

„Der Alte“ dachte sich: „Wenn Lügen kurze Beine haben, dann hier!“ Er schwor sich in diesem nun zur Klamotte verkommenen Kriminalfall: „Das macht ihr nicht mit mir! Himmelherrgottsakra!“

Der Havarist nahm sich einen Anwalt für den von der Stadt Bünde aufgebauten Hindernisparcours. Und dann ging’s los! Rüber über den großen Oxer, die dreifache Kombination – und dann diese aufmuckenden Stadtbüttel versenken im Wassergraben und in Pulvermanns Grab! Heidewitzka, das war ein Spaß! Herbert lief zur Irrsinns-Form auf!

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Bei dem Schild-Bürgerstreich kam es der Stadtregierung, die ständig über klamme Kassen stöhnt, auf ein paar Tausender Preisgeld nicht an. Sie zwang mit unfassbarer Trickserei Herbert Jacob in einen für sie von vornherein aussichtslosen Wettstreit.

Uneinsichtig, unnachgiebig, bürgerfeindlich, neunmalschlau ließ die Stadt über eine Rechtsanwaltskanzlei dem Landgericht Bielefeld (Az.: 8 O 573/08) mitteilen, sie sei ihrer Verkehrssicherungspflicht nachgekommen, auch wenn das umgekippte Schild bereits Rostspuren aufwies. Die visuelle Kontrolle des Schildermastes habe keinen Anlass gegeben für irgendwelche Sicherungsarbeiten. Rüttelproben durchzuführen sei eine Zumutung. Damit meinten die Rathäusler auf gut Deutsch: „Brrr, bei dem Grippe gefährlichen Wetter jagen wir doch keinen unserer hoch dotierten Beamten aus der mollig warmen Stube vor die Tür! Wird schon alles gut gehen!“ Die Schüttelei besorgte dann bei Regen ein Südwest-Sturm.

Wie die Stadtverwaltung das vom Winde verwehte Schild zuvor, als es schon wackelte, auf Standfestigkeit kontrollierte, steht so formuliert in der Rechtfertigungsschrift: „Der Kontrolleur…fuhr langsam an dem Schild vorbei und begutachtete den Schildermast vom Auto aus“.

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Vier Absätze weiter bezeichnen die Aufpasser mit einem bösartigen Wort-Angriff ihren grundehrlichen Mitbürger Jacob dreist und ausfallend indirekt als Lügner. Es sei zwar richtig, dass auf den von ihm eingereichten Fotos Schildmastbeschädigungen erkennbar seien. Aber zum Zeitpunkt der Kontrolle wären diese Schäden nicht sichtbar gewesen. Sie müssten, lassen die Beäuger aus dem Regierungsviertel wissen, „später durch fremde Einwirkung entstanden sein“.

Vielleicht wäre mal eine Augenuntersuchung beim Doktor vom Gesundheitsamt angebracht? Oder bei einem der niedergelassenen Ophthalmologen? Namen, Adressen, Telefon-Nr. sind bei www.boulevard-buende.de abruf- und abholbereit.

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Unverschämt und boshaft beschimpft die Stadt Opa Herbert 

Na sowas, empörten sich die Stadtregierer in ihrem Glashaus an der Else, da wirft uns dieser Greis vor, „das Verkehrsschild nicht nur nicht kontrolliert zu haben, sondern es wissentlich in einem den Anforderungen nicht genügenden Zustand stehen gelassen zu haben. Diese Unterstellung muss sich die Beklagte nicht gefallen lassen. Der Umstand, dass der Mast – während der Kläger den Straßenabschnitt befuhr – umgefallen ist und sein Auto beschädigt hat, ist höchst bedauerlich, dennoch kann dieser Umstand nicht als Verkehrssicherungspflichtverletzung zu Lasten der Beklagten vorgetragen werden. Es wird bestritten, dass der Stadt der Umstand bekannt war, dass das Verkehrsschild marode Stellen aufwies“.

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Unverschämter geht’s nun wirklich nicht! Dieser Flegelhaftigkeit schob dann auch die 8. Zivilkammer des Landgerichts Bielefeld mit einem 9 Seiten langen Urteil einen Riegel vor! Der durch Aller Segen kommt von oben verschreckte Töfftöffer bekam nicht nur von der Stadt Bünde die verlangten 1.969,- EURO plus 5 % Zinsen zugesprochen, sondern auch noch für die vorgerichtliche Inanspruchnahme seines Prozessbevollmächtigten 229,55 EURO zzgl. 5 % Zinsen. An Gerichtskosten muss die Stadt 219,00 ERUO bezahlen, für den Auftritt im Gerichtssaal an den Anwalt des Blumenbeetgarnierers 1.015,71 EURO. Die selbe Summe bezahlte die Stadtkasse auch an die Anwaltskanzlei der Rüttelproben-Verweigerer, so dass die Steuerzahler zähneknirschend für diese phänomenale Lust am Prozessieren nun das 3-fache an Zaster berappen müssen, als vom mit einem Verkehrsschild aus der Luft Angegriffenen ursprünglich gefordert worden war. In dieser Summe ist noch nicht mal der Zeitaufwand der Rathauseuphoristen enthalten, die sich stundenlang mit verschiedenen Denkmodellen der Schadensersatzforderung des sich nicht ins Boxhorn jagenden Ruheständlers (= Unruhestifters) widersetzten.

Weil die Stadtverantwortlichen das Urteil nicht am Schwarzen Brett für die Allgemeinheit aushängen, hier ein paar Bemerkungen des Richters exklusiv in www.boulevard-buende.de beispielsweise von Seite 5:

„Die zum Unfallzeitpunkt mangelnde Standfestigkeit des Hinweisschildes am Fußgängerüberweg vor der Elsebrücke auf der Bismarckstraße in Bünde stellt einen objektiv verkehrswidrigen Zustand im Sinne einer abhilfebedürftigen Gefahrenstelle dar“.

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Auf Seite 6 des Urteils heißt es im 2. Absatz:

„Im Streitfall ist die visuelle Kontrolle nach dem eigenen Vortrag der Beklagten lediglich in der Weise ausgestaltet worden, dass der Mitarbeiter alleine die streitgegenständliche Straße mit einem Fahrzeug abgefahren hat. Dem zuständigen Straßenwärter ist es bei einer solchen Kontrolle aber unmöglich, vom fahrenden Fahrzeug aus Schäden zu erkennen, die ein genaueres Hinsehen erfordern wie bei Eindellungen oder Durchrostungen die – wie im vorliegenden Fall – knapp über dem Boden liegen“.

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In der mündlichen Verhandlung gab die Stadt Bünde zu, dass das Verkehrsschild in der Vergangenheit bereits mehrfach umgefahren worden war und ausgewechselt werden mußte. Dazu heißt es im Urteil auf Seite 7 im 1. Absatz:

„Bei einer solchen Schadensanfälligkeit des Schildes genügt es nicht, dass der Straßenwärter sich bei seinen regelmäßigen Kontrollfahrten auf eine visuelle Kontrolle vom Fahrzeug aus beschränkt. Zumindest in solchen Fällen ist nach dem Dafürhalten des Gerichts regelmäßig eine besondere Überprüfung des Verkehrsschildes erforderlich. Hierfür muss der Straßenwärter das Fahrzeug verlassen und das Schild in geeigneter Weise von der Nähe aus kontrollieren. Nur auf diese Weise wird der Straßenwärter in die Lage versetzt, etwaige Beschädigungen des Verkehrsschildes zu erkennen. Angesichts der Gefahr, die von dem Umstürzen des Hinweisschildes ausgeht, stellt dies keine unzumutbare Belastung für die verkehrsicherungspflichtige Stadt Bünde dar“.

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Gegen ihre Verurteilung zog die Stadtverwaltung sogar noch tolldreist vor’s Oberlandesgericht

 

Als groteske Posse wird die Darstellung der Stadtverwaltung entlarvt, die Schäden am Schildermast seien erst nach der letzten Kontrolle 14 Tage vor dem Unglück entstanden. Was für ein schäbiges Stück aus einem Kindermärchen! Was für eine absurde Theaterspielerei!

So wird denn auch die Stadt Bünde in dem Urteil entsetzlich vorgeführt mit Sätzen, in dem jedes Wort beschämend klingt und für Durchfall mit einhergehenden Dauermagenbeschwerden bei denjenigen sorgen wird, die für diese Trivialität verantwortlich sind. Wörtlich heißt es in den Entscheidungsgründen schwarz auf weiß:

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„Die Stadt kann sich nicht mit Erfolg darauf berufen, dass die Vorschäden erst nach Durchführung der letzten Kontrolle durch Fremdeinwirkung entstanden sein müssten. Die letzte Kontrolle genügte nicht den Anforderungen. Deshalb ist nicht auszuschließen, dass die Vorschäden des Schildes vor der letzten Kontrolle eingetreten sind und das sie bei einer hinreichend sorgfältigen Kontrolle bemerkt worden wären“.

Aus dem rastlosen Rathaus wurde gegen diese Hinrichtung Berufung eingelegt. Erst auf dringende Empfehlung des Oberlandesgerichts Hamm zog sich die Stadt aus der nächsten Prozessrunde zurück.

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Was jene, die unser Steuergeld so kapital verpulvern, in ihrem Regierungspalast aus dieser Niederlage gelernt haben, kann jeder Bürger – man glaubt es kaum – rund um die Unfallstelle besichtigen. Dort werden Verkehrsschilder mit teilweise schon halb verfaulten Holzkeilen „gesichert“.

Na, mal kucken, wann und wem das nächste vom Winde verwehte Schild das Auto – oder Schädeldach zertrümmert! Den Kfz-Werkstätten sei’s gegönnt. Und für solche Notfälle sind im Lukas-Krankenhaus, welch ein Trost, stets Zimmer frei.

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