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Enkeltrick: Plötzlich war Omis falsche Enkelin dran und bettelte um Geld – dabei gehörte Carmen (35) beileibe nicht zu den wirklich Armen

9 x vorbestraft, doch immer gab’s Bewährung! Hätte die Justiz früher härter durchgegriffen, müßten heute nicht 16 Omas kurz vor’m Abnippeln bitterlich weinen –  sie verabschieden sich am Bettelstab von dieser Welt. Sie sind allesamt Enkeltrick-Opfer geworden. „Wie kann frau nur so blöd sein?“ fragen sich die meisten, wenn sie solche immer wiederkehrenden Meldungen lesen. Über die Opfer wird gelacht, über die Vorgehensweise der Täterinnen oder Täter nie richtig was bekannt. Hier und heute blicken Sie endlich mal in das Gesicht einer dieser Damen, der man das Böse nun wirklich nicht ansieht. Aber die’s echt ganz tolldreist getrieben hat!

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Carmen Stern (35) aus Buer kam im langen Schwarzen wie zu einer Beerdigung. Dabei gab’s für Trauer gar keinen Grund. Im Gegenteil, Freude war für sie angesagt! Denn die junge Frau mit dem Mittelscheitel und hinten zusammengesteckten dunklen, sonst immer schulterlang getragenen Haar, eingehüllt von einer Duftwolke des Pariser Parfums L’Eau de Monteil, wusste längst, was sie erwartete: Wieder staatsanwaltschaftliche Gnade und richterliche Barmherzigkeit! Für die Polizei zum Haare ausraufen! Weil die sich erneut für nix und wieder nix mit schweißtreibenden Ermittlungen die Beine ausgerissen hat. Justitia belohnte die Maloche nicht.

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Bei deeem Entgegenkommen der Rechtsprecher konnte sich die Handvoll Zuschauer nur noch verwundert die Augen darüber reiben, dass Carmens Mundwinkel nach unten runterhingen und der Blick ausdruckslos auf den Boden gerichtet war. Die 35jährige hätte doch mit ihren schwarzen Wildlederpumps und silberglänzenden Handschellen aus Edelstahl, die aus den weiten Ärmeln ihrer Kostümjacke lugten, lachend und beschwingten Schrittes durch die Hintertür ins Gerichtsgebäude spazieren können! Von ihrem Verteidiger wusste sie nämlich schon seit dessen letztem Besuch in der Untersuchungshaft: dieser, ihr Prozess, wird zur Farce. Sie, die Angeklagte, zur Witzfigur.

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Hinter den Kulissen war zwischen Anwalt, Staatsanwalt und Richtern längst das Urteil ausgekungelt worden. Die schlanke Hauptdarstellerin mit den herabfallenden Schultern und den traurigen Augen würde mit 3 Jahren Haft davonkommen für ein verbrecherisches Treiben, das 16 alte Leute ruinierte. „Schade“, meinte Augustine Gerkensmeier (71) aus Kirchlengern, „dass keine Mutter eines Richters zu den Geschädigten gehört! Weil die Ganovin dann bestimmt nicht mit so einem lächerlichen Urteil davongekommen wäre. Unsereins kann nicht mal mehr einen Sargnagel finanzieren“.

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In 18 Monaten und 7 Tagen verdiente sich Carmen Stern eine goldene Nase! Sie ergaunerte 236.000,- EURO (in Worten: zweihundertsechsunddreißigtausend) mit dem berühmt-berüchtigten Enkeltrick.

Dass heute in 16 Familien der Haussegen schief hängt und die Betrogenen auf die Hilfe und Unterstützung des Staates, ihrer Kinder oder der gnädigen Verwandtschaft angewiesen sind, haben sie einer haarsträubend laschen Justiz zu verdanken.

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Schon 1995 fiel die Vollzeit-Betrügerin durch Unterschlagung auf. Sie ist nach eigenen Angaben alleinerziehende Mutter von 4 Kindern im Alter von 2, 8, 13 und 18 Jahren. War noch nie verheiratet, lebt immer noch bei ihrer Mama. Außer Hilfsarbeiterei hat sie nichts gelernt.  Das 1. Urteil im Alter von 18 Jahren: Geldstrafe wegen Betruges.

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1996 kam sie wegen Körperverletzung auf die Anklagebank. 2. Urteil: Geldstrafe.

Anfang 1997 wieder Betrug – 3. Urteil: Geldstrafe.

Mitte 1997 vorsätzliches Fahren eines nicht zugelassenen und damit nicht versicherten Fahrzeugs im öffentlichen Straßenverkehr. 4. Urteil: Geldstrafe.

Ende 1997 wurde sie bei einem Diebstahl geschnappt – 5. Urteil: Geldstrafe.

1999 Wiederholungstäterin als Diebin. 6. Urteil, na, was schon? Geldstrafe!

2000 gemeinschaftlicher Betrug – 7. Urteil: Geldstrafe. Diese, wie all die anderen, zahlte sie locker aus der Matratzenkasse, ihrem Geldversteck.

Dessen Inhalt versuchte sie im September 2000 als Diebin aufzustocken. Erwischt! 8. Urteil: Geldstrafe!

2001 Betrug in 5 Fällen. Na, kaum zu glauben, die Justiz erwachte anscheinend aus ihrem Dornröschenschlaf! Sie verhängte 10 Monate Haft. Endlich ab in’s Gefängnis? Denkste! Die Kriminelle kriegte 2 Jahre Bewährung!

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„Danke schön“, sagte sie lächelnd zum Richter – und langte 2002 wieder zu mit Diebstahl, Betrug, Urkundenfälschung. Endlich musste Carmen einrücken! Die Bewährungsstrafe von 2001 wurde im Prozess 2003 widerrufen.

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2004 wieder in Freiheit, legte sie dann richtig los! Im Frauen-Knast hatte die Hauptschülerin mächtig dazugelernt! Als Telefonprofessionelle suchte sie sich jedenfalls jahrelang in ganz Deutschland bis zu ihrer Festnahme ausnahmslos betagte Damen aus Telefonbüchern raus. Dank ihrer exzellenten Redekunst fiel es ihr nicht schwer, als angebliche Verwandte im Handstreich das Vertrauen ihres unsichtbaren Gegenübers zu gewinnen. Sie täuschte allen, nun ja, einige waren nicht mehr so ganz richtig im Kopf, eine finanzielle Notlage vor, bat um Geld und schickte, weil sie am persönlichen Erscheinen gehindert war, eine Vertrauensperson für’s Pinkepinke abholen vorbei.

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16 x vollendeten Betrug plus 20-fachen Betrugsversuch warf die Anklage der skrupellosen Ganovin vor. Geschädigte Rentnerinnen aus Nord und Süd, Osnabrück, Köln, Willingen, Chemnitz, Freudenstadt, Breisach, Warnemünde, Kiel, Bad Zwischenahn, Konstanz, Dessau, Lindau, Oldenburg, Lüneburg, Ulm und Hamburg gaben der „in vorübergehender Not“ befindlichen lieben Enkelin Barbeträge zwischen 2.000,00 und 30.000,00 EURO!

In einem Plädoyer, das nur noch als Show-Inszenierung bezeichnet werden kann, weil die Höhe der Urteilsforderung ja seit Wochen feststand, bezeichnete der Anklagevertreter die Gaunereien der Angeklagten als „eine hinterhältige, sehr raffinierte und nahezu perfekte Vorgehensweise“.

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Die lernwilligen Zuhörer erfuhren aus den 5.293 (!) Seiten umfassenden Ermittlungsakten nichts. Kein Detail wurde genannt. Nicht ein Zeuge musste aussagen. Von den 16 Betrogenen war nicht mal einer geladen worden! Dabei wäre gerade die Schilderung all dieser Reingelegten aus Aufklärungs- und Abschreckungsgründen höchst segensreich gewesen. Sie hätten die von der Angeklagten angewandten Telefontricks öffentlich gemacht und so die Allgemeinheit warnen können.

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Eine der Geschädigten, die 26.000,- EURO an Carmen verloren hat, regte sich im Gerichtssaal „über dieses eigenartige und empörende Kasperletheater“ dermaßen auf, dass ihr der Vorsitzende Richter „im Wiederholungsfall mit der Entfernung aus dem Sitzungssaal“ drohte. Die betrogene 72jährige ließ sich nicht einschüchtern, sondern rief zornig: „Abschreckung kann nur gelingen, wenn alle Welt erfährt, wie Frau Stern mit uns umgegangen ist. Oder sind Sie anderer Meinung?“ Der Richter schwieg und blätterte irritiert in den Akten.

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Bei der 81jährigen, aus Muckum stammenden Herta Blase, ging die uncharmante Carmen so vor:

„Jetzt rate doch mal, wer am Apparat ist und dich anruft!“ habe ihr eine freundliche Frauenstimme aus dem Telefonhörer entgegen geschallt. „Du bist es, meine Enkelin Ida!“ antwortete die Rentnerin. „Richtig Omi, super, dass du meine Stimme noch wieder erkennst! Nach so langer Zeit! Irre! Das hätte ich nicht gedacht“. Schmeicheleinheiten für die Oma, die danach folgendes zu hören bekam:

„Ich stehe an einem tollen Hanggrundstück in Porta-Westfalica, sehr ruhig, fantastischer Blick auf die Weser“, erzählte die falsche Ida alias Carmen Stern. Leider sei das Grundstück „unverschämt teuer, jedenfalls für mich. Andere, die das Geld haben, würden es mir am liebsten vor der Nase wegschnappen. Omi, könntest du mir für kurze Zeit mit 26.000,- EURO helfen? Ich zahl‘ dir das Geld auch ganz schnell zurück. Mir ist das alles peinlich, aber ich stehe hier mit dem Makler aus Bünde und dem Grundstücksverkäufer aus Mennighüffen. Wenn ich nicht sofort bar bezahle, wird an einen anderen Interessenten verkauft. Omi, denk‘ an das Schöne: ich baue hier, wohne dann ganz in deiner Nähe und werde dich öfter besuchen können als bisher“.

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Oma Herta nickte zufrieden, obwohl die Anruferin sie ja gar nicht sehen konnte, und antwortete: „Ich geh‘ sofort zur Sparkasse. Ich hebe das Geld von meinem Konto ab und du kannst es dir bei mir abholen“.

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Das wäre natürlich ganz schlecht gewesen, weil Herta Blase bei einer persönlichen Begegnung mit Ida erkannt hätte: „Die Geldabholerin ist ja gar nicht meine Enkelin“. Deshalb beugte die Anruferin auch gleich vor und meinte: „Du, Omilein, ich kann hier nicht weg, ich stehe hier mit dem Bünder Makler und dem Verkäufer. Ich schicke dir meinen Freund, gib dem das Geld“.

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Gesagt, getan, 1 ½ Stunden später holte ein unbekannter Mann die 26.000,- EURO bei der vertrauensseligen Omi ab. Hinterließ nicht mal eine mit Falschnamen unterschriebene Quittung und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Seit dem gehört die ehemalige Angestellte zu jenem Kreis von wenigstens 16 betrogenen älteren Herrschaften in 9 Bundesländern. Die Staatsanwaltschaft vermutet noch mehr Reingelegte. Aus Scham hätten aber wohl viele keine Anzeige erstattet.

Nur aus Scham? Wohl sicher nicht! Was hätten die denn davon gehabt? Außer stundenlangen polizeilichen Vernehmungen, dem Einschalten von Anwälten und der Begleichung ihrer Honorarrechnungen. Was bei den 16 prozessbehandelten Fällen am Ende rausgekommen ist, ermutigt doch keinen Menschen, Strafanzeige zu erstatten und sich den ganzen Polizei- und Justizstress an den Hals zu laden! Hinzukommt: bei Carmen, dieser angeblich Armen, ist nichts zu holen. Die geklaute Kohle ist verschwunden. Hausdurchsuchung und Kontenbeschlagnahmungen förderten keinen EURO zutage. „Das ganze Geld ist  verbraucht“, kicherte die Angeklagte vor sich hin. Wer’s glaubt, wird noch gläubiger, danach selig.

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Beschämend dann das „abschreckende“ Urteil! Carmen wurde in keinem der 16 Fälle wegen vollendeten Betruges bestraft. Weil sie alles bestritt! Und kein Richter und kein Staatsanwalt ein Interesse daran zeigte, ihr das Gegenteil zu beweisen. Rangekriegt worden ist sie nur wegen 2 Betrugsversuchen. Die Trickserin wollte 2 Opfer um je 65.000,00 EURO erleichtern. Dabei ging sie ausnahmsweise unvorsichtig vor: sie sprach ohne Rufnummerunterdrückung auf den Anrufbeantworter der 1. Rentnerin, hinterließ damit ihre Stimme als akustische Visitenkarte.

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Über diese Spur kam die Polizei der 35jährigen auf die Schliche. Bei einer Wohnungsdurchsuchung beschlagnahmten Beamte einen Notizblock, worauf Name, Adresse und Telefonnummer des nächsten Opfers aufgeschrieben waren. Ein Schriftsachverständiger ließ keinen Zweifel an der Urheberin aufkommen. Festnahme, Untersuchungshaft, auf anwaltlichen Rat Geständnis nur dieser 2 Betrugsversuche. Alles andere wurde geleugnet.

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„Uns fehlten die Beweise“, jammerte das Gericht. Der Vorsitzende beklagte, dass der Versuch, die Beweise zu beschaffen, in ein Monsterverfahren ausgeartet wäre. Alle Betrogenen, wegen ihres Alters in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit teilweise beschränkten Zeugen, hätten vor Gericht erscheinen und aussagen müssen. Dabei wäre es fraglich gewesen, ob die Aussagen die Angeklagte tatsächlich überführt hätten. Der Richter: „Die Zeugen haben die Frau ja nie selbst gesehen, immer nur ihre Stimme gehört“. Er sagte nicht, dass man denen die Stimme von dem beschlagnahmten Anrufbeantworter hätte vorspielen können.

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Rentnerin Herta Blase mochte nicht glauben, was sie da zu hören kriegte. „Die Angeklagte konnte keine besseren Verteidiger finden, als diese 3 Berufsrichter“, regte sie sich bluthochdruckgefährlich auf. In allen Fällen, in denen der „Enkelin“ das Bargeld zur Verfügung gestellt worden sei, „wurde es ihr nie selbst ausgehändigt, sondern es ist stets von einer männlichen Person entgegen genommen worden. Die Angeklagte selbst erschien kein einziges Mal auf der Bildfläche“.

In ihrem „letzten Wort“ am Ende des nur 2-stündigen Prozesses machte die Angeklagte endlich einmal den Mund auf. Mit theatralisch-weinerlich einstudierter Stimme schloss sie sich „den Worten meines Verteidigers an“, der mit seinem grotesken Antrag auf Haftentlassung dem Fass den Boden ausschlug. „Eine Frechheit“, regte sich im Zuschauerraum Matilde Wiegand auf. Unbeirrt erbettelte der Anwalt die Freilassung seiner Mandantin, „weil 4 Kinder dringend ihre Mutter brauchen“.

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Der Verurteilten müsse tagsüber die Möglichkeit gegeben werden, ihre Kinder zu erziehen. „Nachts kann sie zum Schlafen eine Gefängniszelle in der Nähe ihres Wohnortes aufsuchen“, schlug der Anwalt ohne rot zu werden vor. „Durch die erlittene 7-monatige Untersuchungshaft ist die Angeklagte schon genug bestraft. Schon da musste die Oma die Enkel zu sich nehmen. Dieser unzumutbare Zustand würde andauern, wenn meine Mandantin wieder im Gefängnis weggeschlossen würde. Meine Herren, denken Sie an die armen unschuldigen Kinder“. Oh je oh je, da konnten einem ja die Tränen kommen! An das Schicksal ihrer Kinder hätte die erziehungsgeile Carmen besser früher denken sollen!

Auf diesen vorher nicht abgesprochenen Handel ließen sich die Richter dann nicht mehr ein. Bei Ablehnung des frechen Antrags hatten sie wohl auch vor Augen, was ihre Justizkollegen in den vergangenen 17 Jahren gegenüber der Enkeltrick-Betrügerin schon viel zu lange an unverständlicher Nachsicht hatten walten lassen. Sie verhängten die ausgekungelten 36 Monate Gefängnis „als einzige vor der Öffentlichkeit vertretbare Strafe“.

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„Wunderbar, dass es in diesem Land so eine herrliche Gerechtigkeit gibt“, lachte Frau Gerkensmeier spöttisch beim Hinausgehen aus dem Gerichtssaal. „Von den 3 Jahren Knast bleiben nach Abzug der 7 Monate Haft im Untersuchungsgefängnis noch 29 Monate übrig. Bei guter Führung kommt die falsche Enkelin nach 14 ½ Monaten auf freien Fuß. Eine wahnsinnig beeindruckende Strafe für die von ihr bei Seite geschafften 236.000,- EURO! Wir Betrogenen können alle stolz auf diese knallharten Richter sein“.

Vater und sein Sohn zockten eine Oma nach der anderen ab

Den Beruf Bandenführer erlernten Papa Josef Maletzcy (46) und Josef, sein Sohn (24). Als Enkeltrickser räumten sie in großem Stil ab. Sie waren Drahtzieher einer straff organisierten Abzockertruppe, die sich in „Keiler“, „Logistiker“ und „Läufer“ aufteilte. Eine korrupte Polizistin lieferte den Verbrechern sogar brandheiße Informationen aus dem Polizeicomputer über den Verlauf der Ermittlungen. So hatte die Beamtin auch ein bissel was von dem Beutegeld!

Eine Ausgenommene heißt Gertrude Carle, die Empfangsdame im Foyer einer heimischen Weltfirma hatte ihr Leben lang gespart. 120.000,- EURO legte die 80jährige beiseite. Da meldete sich „Holger“ am Telefon, der ihr Glauben machte, er sei ihr Enkel. In Wahrheit war es Josef senior. Der jammerte ihr vor, er sitze beim Notar und kaufe gerade ein Haus. Die Kaufsumme hatte er, aber für die Grunderwerbs- und Notarkosten fehle ihm noch eine kleine Restsumme. „Mit 34.000,- EURO könntest Du mir aus der Klemme helfen“. Die Rentnerin hob den Betrag vom Sparbuch ab!

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Gertrude ist eine von zig Hunderten, die täglich so um ihr Erspartes betrogen werden. Bei den Maletzcys waren alle Opfer über 70 Jahre alt. Zuerst konnten die Ermittler die “Läufer“ hinter Schloss und Riegel bringen. Die holten das Geld ab, es war der riskanteste Job. Die „Logistiker“ waren die nächsten, die festgenommen wurden. Die arbeiteten sicherer, die brachten die „Läufer“ zum Einsatzort, übernahmen die Beute und überwiesen die an die „Keiler“. Das waren die Strippenzieher im Ausland, die Maletzcys in Polen, wo sie sich sicher fühlten. Sie riefen die Opfer an, dirigierten die anderen Bandenmitglieder zu den Adressen.

Anni Albertsen (79) führte die Fahnder zum Erfolg! Als sich eine „Christiane“ bei ihr meldete und 35.000,- EURO erbat, informierte sie nach dem 1. Anruf sofort die Polizei. Anhand der „TÜ“ (Technischen Überwachung) beim 2. Anruf, ob sie das Geld von der Bank geholt habe, konnten die Drahtzieher in Polen ausgemacht werden. Festnahme, Auslieferung, Prozess. Für Papa und Sohnemann gab’s je 5 ½ Jahre Haft.

Die Fallstricke der Trickdieb-Mafia sind vielfältig

Um 1.400,- EURO brachten Trickdiebe die Rentnerin Eleonore Müller (81) aus Oberbauerschaft. In der Bahn hatte man ihr angeboten, ihren Koffer aus dem Wagon zu hieven. Die Diebe entrissen ihr das Gepäck, liefen damit weg und klauten daraus ihre Handtasche. Den Rolli-Koffer fand man 2 Tage später auf einem Autobahnparkplatz. Mit der gestohlenen Kreditkarte kauften die Kriminellen ein. „Das ging alles blitzschnell. Aber das passiert mir nie mehr“, schwört sich die resolute Seniorin. Zu ihrem Schutz hat sie sich einen Elektroschocker, Pfefferspray und eine Trillerpfeife gekauft. Das Geld, 286,- EURO, bekam sie vom Weißen Ring e.V. zurück. Warnung: diese Sorte von Dieben ist adrett gekleidet, hilfsbereit und gibt sich freundlich.

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Der Teppichtrick

Angebliche Händler bieten Teppiche zum Spottpreis an der Tür an. Sie versuchen, sich Geld vorstrecken zu lassen, um vom Zoll beschlagnahmte „noch viel wertvollere handgeknüpfte Unikate“ auszulösen. Als „doppelt teureres Pfand“ bieten sie völlig billige Maschinenwebware an. Auf diese Weise verloren 5 Rentner 112.000,- EURO.

Der Handwerker-Trick

Die Betrüger wollen Wasserleitungen auf Dichtigkeit überprüfen, Strom- und Wasseruhren kontrollieren. Angeblich noch offene Stromrechnungen sollen ausgeglichen werden. Oder eine angeblich dringend notwendige Reparatur „an der Gasleitung, sonst fliegt Ihr Haus in die Luft“, soll sofort bar bezahlt werden. Einer führt das Gespräch und geht mit in den Keller. In der Zeit durchsucht der Komplize die Wohnung nach Geld und Schmuck.

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Der Zetteltrick

2 Gangster wollen mit Vorwänden in die Wohnung: einen Schreibstift für die Nachbarin holen, heißes Wasser für die Babyflasche, Kühlwasser nach Autopanne – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Der Marktleitertrick

Ganz neu ist diese Masche: ein Mann verfolgt eine Oma (78) nach dem Einkaufen, klingelt bei ihr zu Hause. Er gibt sich als Marktleiter aus, will das Restgeld sehen. Angeblich hatte sie mit Falschgeld bezahlt. Die Frau händigt alles an Euro aus, was sie im Portemonnaie und in der Wohnung hat für eine schnelle Überprüfung bei der Polizei. Der Täter verschwindet mit dem Geld.

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