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Häcker Küchen: So wurden Arbeitsplätze kaputt gemacht

Als sie Jesus an’s Kreuz nagelten und der Geschundene vom hingehaltenen Essig gegen den quälenden Durst getrunken hatte, sprach er: „Es ist vollbracht“, neigte das Haupt und verschied (Johannes 19, 30).

Als sie der „Häcker Küchen GmbH“ ein flammendes Inferno unter’m Hintern entfachten, entschieden die Geschäftsführer: „Ihr könnt uns alle mal…“ (Weisung 08/2017) und verlegten den Bau einer neuen Firma kurzerhand von Nordrhein-Westfalen nach Niedersachsen.

180 Nervensägen hatten’s geschafft!

Jetzt wird bei denen kräftig in die Hände gespuckt, denn sie verhinderten, wie gewollt, den Anstieg vom Bruttosozialprodukt.

Über die Vernichtung hunderter geplanter Arbeitsplätze sind freilich nur wenige begeistert. Eine kleine Schar Bio-Gemüseliebhaber in Muckum, einem 725 Einwohner Ortsteil von Bünde, feiert ab sofort immer in der 2. Augustwoche frenetisch ihren historischen Sieg.

Nicht mit „Charles Heidsiek Schampus Rosé“, die Pulle für 279,00 Euro im günstigsten Fall, sondern mit Arterien verkalkendem Trinkwasser aus städtischen Brunnen. Dazu wird der Klassiker unter den Gemüsesorten gereicht: Feldsalat! Den können die Sieger nun massenweise im Juli aussäen, um ihn im Herbst zu ernten.

„Der Rapunzel“, wie Feldsalat auch genannt wird, verlangt einen „Platz an der Sonne“. Erinnert an den Slogan der „Deutsche Fernsehlotterie“, die – im Gegensatz zu den Häcker-Mördern – soziale Projekte fördert.

Jedenfalls keine Feldsalatflächen für den Anbau der zartblättrigen Sorten „Gala“ und „Favor“. Oder für die Überwinterung frostharter Züchtungen wie „Vit“, „Verte de Gambrai“, oder „Holländischer Breitblättriger“.

Während also die freiwillig in den Krieg gegen den Küchenmogul Gezogenen siegestrunken auch weiterhin ihre Hunde unangeleint unter Nichteinhaltung jagdrechtlicher Bestimmung über Feld und Flur flitzen lassen, werden arbeitslose Nachfahren der großen Flüchtlingstrecks an Deutschlands dunkelste Stunden erinnert:

1945 – 1947 sind 15 Millionen Menschen aus ihrer Heimat Danzig, Pommern, Ost- und Westpreußen, Ost – Brandenburg, Schlesien, den deutschen Siedlungsgebieten in Osteuropa, dem Sudetenland, vertrieben worden. 2,8 Millionen verloren ihr Leben.

Um eine andere Form von Verscheuchen geht es im Fall Häcker. Auch um Millionen. Allerdings um Rendite, Umsatz, die Stärkung der Arbeitsstandorte Rödinghausen und Bünde. 1450 Mitarbeiter schafften 2016 gut 512 Millionen Euro Verkaufserlös. 900 Küchen verlassen täglich das Werk. 360 davon finden den Weg in die Wohnungen ausländischer Häcker-Fans. Damit die Schar der Bewunderer mit Hilfe einer neuen Produktionsstätte nicht wächst, bliesen Häcker-Gegner zum Widerstand.

Deshalb lehnst Du heute an einem verwitterten Naturholzzaun am Feldweg „Im Krümpel“ nördlich der Droste-Hülshoff-Strasse in Muckum in unmittelbarer Nähe des Erlebnisbauernhofs „Steckenpferd“ mitten im Winter. Der Acker vor Dir ist tief gefroren und es bricht Dir das Herz, weil Du den Amseln, die Deine Nähe suchen, für deren Überleben nichts Leckeres anbieten kannst. Mangels Masse. Es herrscht Ebbe in Deiner Kasse.

Du bist ein Opfer derjenigen geworden, die 2017 lautstark für den Naturschutz in dieser Gegend votierten. Allesamt Fürsprecher von Amsel, Drossel, Fink und Star und der ganzen Vogelschar, die sich hier im Sommer den Magen mit Insekten und Gewürm vollhauen. Im Winter freilich nicht. Dann ist menschliche Hilfe angesagt. Wie gern würdest Du der armen Kreatur unter die erlahmenden Flügel greifen.

Das geht aber nicht „dank“ der flammenden Proteste von Natur- und Umweltschützern, die den Neubau einer Fabrik des Küchenmöbelriesen Häcker auf dem 30 Hektar großen Geläuf direkt vor Deiner Nase unterbunden haben. 400 Menschen sollten hier ihr tägliches Brot verdienen. 2600 Familien ernähren. Einer, der auf eine Anstellung Hoffenden, warst Du, 42 Jahre alt, Enkel des 1945 aus Stagard im Regierungsbezirk Stettin geflüchteten Klaus Kolkhoff.

Und jetzt das!

Du sitzt mit feuchten Augen hungrigen Piepmätzen gegenüber, die Dich um Futter anbetteln und nicht wissen, wie dreckig es Dir selber geht. Du hast keine Penunzen übrig für eine Tüte voll Rosinen, Getreideflocken und Sonnenblumenkernen. Kannst den Buchfinken, Gimpeln, Kernbeißern und Sperlingen keine Schmankerl wie Erdnussbruch, Hanf oder Mohn anbieten. Nur eine Handvoll angefaulte Äpfel hast Du dabei. Aufgesammelt im Gras an der Hansastrasse.

Die Schreihälse „Stoppt den Flächenfraß! Natur vor Profit! Hier kein Industriegebiet. Der Acker bleibt. Landschaftsschutzgebiet vor Häcker Küchen !“ lassen sich’s hinter’m warmen Ofen im Gegensatz zu Dir gut gehen. Die sind zwar mit viel Lärm zum Schutz der Tierwelt auf die Strasse gegangen – im Sommer. Jetzt aber ist es bitterkalt. Da lässt sich von den Ackerfurchenfanatikern keiner blicken. Sollen die Piepmätze doch zusehen, wo sie was zum Schlucken herkriegen! Den Protestmarschierern ist deren Schicksal hier auf dem Areal schnurzpiepegal.

So schnell ändern sich manche Menschen im Verlauf von Jahreszeiten…

Die Arbeitsplatzbeschaffungsgegner haben ja auch ihr Ziel erreicht. Sonst säßest Du nicht hier, sondern würdest Dir die Knete für das leibliche Wohl Deiner gefiederten Freunde an einer der Montagestrassen in jenem Möbelwerk verdienen, das – so schlägt sich die Horde der Altersarmutsbefürworter diabolisch lachend schenkelklopfend auf beide Gehwerkzeuge – nur Fiktion auf Reißbrettern geblieben ist. Das Monstrum aus Stahlträgern und Beton ragt nicht fünfzehn Meter, wie geplant, gen Himmel gleichsam als Grundmauer eines neuen Turms zu Babel. Das wäre ja wie Gotteslästerung mitten im Grünen.

So denken jedenfalls jene Landschaftsdekorateure, deren Ablehnungsparolen von Dächern, aus Vorgärten und von Hauswänden auf anfangs weißen, längst freilich unästhetisch anzuschauenden Bettlaken Vorbeikommende irritieren. Die Wortwahl verrät die innere Einstellung der Baumwolltuchbeschrifter zu Themen wie Bruttoinlandsprodukt, Hartz IV, soziale Gerechtigkeit, Arbeitsfreude, Futterneid, Unternehmenssteuern, Kreditwesen, die Zukunftssicherung von Arbeitsplätzen.

Tatsächlich haben es all diese Eiferer und Mißgünstler geschafft, mit ihrer zur Show aufgepeppten Naturschutzliebe den Bau einer Zweigstelle jener Fabrik zu verhindern, deren Umrisse jenseits der Ackerkrumen vom Wegesrand „Im Krümpel“ seit Jahr und Tag herüber grüßen. Und dass das, was unser Vogelfreund anfangs als Albtraum in schlaflosen Nächten durchlitt, mitten im Sommer 2017 wahr geworden ist.

„Ich wünschte mir von Anfang an so sehr die Firmenvergrößerung hier“, sagt er mit brüchiger Stimme. Dabei macht er mit ausgestrecktem Arm eine kreisrunde Bewegung in der Luft.

Die Firma, die er meint, ist Deutschlands drittgrößter Kochgenussförderer „Häcker Küchen GmbH & Co KG“, größter Arbeitgeber in Rödinghausen.

1898 von Tischlermeister Hermann Häcker als Bautischlerei aus der Taufe gehoben.
1938 von dessen Sohn Friedrich, Schreiner von Beruf, fortgeführt.
1965 fing Horst Finkemeier als Tischlergeselle dort an und baute die ersten Küchenschränke. Er heiratete die Tochter von Friedrich Häcker.
Seit 1972 industrieller Fertiger.

Im August 2017 fingen 22 Azubis bei Häcker mit einer Ausbildung an. Am Ende wollen sie als Holzmechaniker, Anwendungsentwickler, Industriekaufleute, Bachelor of Arts, Systemintegrierer und im kaufmännischen Metier zeigen, was ihnen beigebogen wurde. Das Schöne ist: Alle dürfen, wenn sie es möchten, nach erfolgreichem Lehrabschluss ihr Geld in dieser Firma verdienen.

Dieser Betrieb ist Opfer von egoistischen Scheinheiligen geworden, die sich u.a. am 13.07.2017 in der Aula der örtlichen Gesamtschule zum Widerstand versammelten. Ihre Mäuler aufrissen. Und sich als rummotzende, 180 Köpfe zählende Naturschützertruppe hochleben ließ.

Die einen jammerten über die Vertreibung von Marienkäfern. Andere über den Anblick von Aluminiumaußenwänden am neuen Bauwerk. Die dritte Clique befürchtete die Vernichtung von Löwenzahn und Wiesenschaumkraut. Die nächste Kategorie wollte partout kein Anwachsen des Autoverkehrs in der fast abgasfreien Idylle. Wo für den Verkauf von Eiern aus den Hintern freilaufender Hühner fleißig Werbung gemacht wird.

Einig waren sich die Glühwürmchenanbeter über das Verschweigen von Schicksalen anderer lärmgeplagter Leute, die in unmittelbarer Nähe von Sportplätzen, Schulen, Autobahnen, Gleisanlagen, Flughäfen oder Freibädern wohnen. Denen wird regelmäßig der Schlaf geraubt, die Freude am sonntäglichen Kaffeepläuschchen vergällt. Über diese Stressgebeutelten verloren die introvertierten Maulwurfshügelzähler kein Wort.

Sie alle einte die Wut, dass sie Häcker-Chef Jochen Finkemeier nicht beschimpfen und beleidigen konnten, weil der es vorgezogen hatte, diesem Volkstribunal als „Drückeberger“, wie es hieß, fernzubleiben. Angeheizt worden war die Exekution des Küchenproduzenten-Bosses durch das gemeine Volk von einem Lokalblatt. Dessen regionaler Redaktionschef profilierte sich auch noch als Diskussionsleiter.

Hand auf’s Herz: Wie blöde muss ein Wirtschaftskapitän sein, der sich, wenn er nicht Gips, sondern Grips im Kopf hat, in so eine Höhle voller Löwen wagt? Nur, um sich in der fiebrigen Arena – vollgestopft mit neurasthenischen Nervenschwachen – trotz aller von ihm vorgebrachten sachgerechten Argumente in Grund und Boden pfeifen oder mit 08/15 Parolen erniedrigen und zerfleischen zu lassen?

Gut, er hat mal gesagt, ein Firmenneubau im Landschaftsschutzgebiet komme für ihn nicht in Frage. Diese Aussage war unüberlegt. Dann war er anderer Ansicht. Aber muss er sich dafür schämen? Oder sich als Schachtelhalmvernichter von Andersdenkenden kränken lassen? Meinungen sind dazu da, dass man sie ändern kann. Ohne beim Umschwenken mit ehrenrührigem Hass übergossen zu werden.

Für einen Finkemeier gilt das offenbar nicht!

Vater Horst und Sohn Jochen beschäftigten am Tag der Schmähung in ihrer Firma 1450 Leute. Singles, Alleinerziehende, Lebensgemeinschaften, Ehepaare mit minderjährigen 1, 2, 3 Kindern. Hinzuzurechnen sind Lieferanten. Insgesamt ernährt die ganze Schar der Erwerbstätigen weit über 10.000 Menschen. Das ist die Einwohnerzahl der Kernstadt Bünde ohne Randgemeinden.

Die Streitlustigen übersehen das.

Zehntausend Menschen schaffen durch Mitgliedschaften in Turn- und Sportvereinen, Kegel- und Schützenclubs, Geflügel- und Reitervereinigungen, bei den Landfrauen, Garten- und Blumenfreunden (ja, auch dort!), den Besuch von Grund- und höheren Schulen, Musik- und Tanzschulen, die Nutzung von Schwimmbädern, Kino-, Theater-, Gastronomieangeboten, Berufsfortbildung, Urlaube, Studium, Einkäufe und, und, und jede Menge Arbeitsplätze.

Die Kinder in den vom Häcker-Lohn profitierenden Familien lernen Buchhalterin, Sprechstundenhelferin, Kindergärtnerin, Krankenpflegerin, Bürofachkraft, Hebamme, Sales Managerin, Restaurantfachfrau, Stewardess, Maurer, Tischler, Maschinenschlosser, Dreher, Elektroinstallateur, Chemiebetriebswerker, Mechatroniker, Zahnmedizinerin, Rechtsanwaltsgehilfe, Berufsfeuerwehrmann, Sanitäter, Braumeister, Koch, Fotograf, Lkw- und Busfahrer, Physiotherapeut, Chemikant, Altenpfleger, und, und, und.

Noch Fragen?

Die von Häcker erwirtschafteten Steuern kommen uns allen zugute, denn sie unterstützen wichtige Projekte für das Gemeinwohl.

Weil Häcker in dem Neubau 400 zusätzliche Stellen schaffen wollte, hätte die Firma für einen weiteren Knalleffekt auf dem Arbeits-, Konsum- und Wohnungsmarkt gesorgt.

Wie groß das Zetermordio wohl bei den Diestel-, Margeriten-, Mohnblumen-, Amsel- und Ackerfurchenschützern jetzt wohl ist, wo die von ihnen vergraulten Finkemeiers ihre Küchenproduktion woanders hin verlagern?

Ja, nach Venne an die B 218, wo ab 2020 die Bänder laufen sollen. Was für ein Glück, dass die Häcker-Manager nicht nach Polen, Tschechien, in die Slowakei oder sonst wohin abgewandert sind.

Täten sie das aus Profitgier, wie ihnen die nicht das Schwarze unter den Nägeln gönnenden Krachschlagenden vorwerfen, wären sie in den drei genannten Ländern bestens aufgehoben. Dort würden sie wesentlich mehr in die eigene Tasche wirtschaften als hierzulande. Bei viel weniger Lohnaufwand und Sozialabgaben.

Ihre im Stich gelassenen Mitarbeiter im schönen Rödinghausen wären im Falle eines solchen Supergaus einem finanziellen Desaster ausgeliefert. Der für’s Überleben so immens wichtige Sauerstoff, der aus den Wäldern des Wiehengebirges mit Nordwestböen in ihre Gärten hinabgepustet wird, könnte ihren Frohsinn nicht mehr steigern. Den Blutdruck schon bei jeder Betätigung der Kontoauszugdrucker in den örtlichen Banken und Sparkassen. Sie lesen da, die Angst vor dem sozialen Absturz in’s Bodenlose ist real geworden.

„Natur vor Altersarmut“ heißt dann die Losung. Wie sollen die Arbeitslosen Hypotheken und Überziehungskredite zurückzahlen?

Werden die Anti-Häcker-Hetzer für sie einspringen? Werden die mit Sammelbüchsen durch die von ihnen vorläufig gerettete Gegend ziehen?

Noch ist so ein angst und bange machendes Szenario unbegründet. „Der Küchenzar von Rödinghausen“ hält am Standort Deutschland fest.

20 Autominuten weiter weg, im nur 30 km entfernten Örtchen Dissen am Südrand des Teutoburger Waldes, kriegen 1200 Arbeitnehmer und deren Familien nachts kein Auge mehr zu, seit die „Homann Feinkost GmbH“ ihre seit 1876 dort bestehende Bude im Jahr 2020 schließen wird.

Der Mayo-, Salat- und Gewürzehändler, 1991 vom Großkonzern Unilever übernommen, von diesem an den Bäcker und „Nordsee“-Ladenbesitzer Heiner Kamps verscherbelt, der den Betrieb dann an die „Theo Müller-Gruppe“ verkaufte, wird in dem 971 Einwohner-Kaff Leppersdorf im Landkreis Bautzen an der 577 km langen A 4 Aachen-Görlitz seine Nudel-, Kartoffelsalate und anderes essbares Zeug herstellen.

Da konnten sich die Gewerkschaften sowie der umstrittene niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) noch so sehr für die Beibehaltung der Kapazitäten am Standort Dissen in’s Zeug legen, es half nichts. Die geschassten Homann-Mitarbeiter wurden obendrein sogar noch von Onkel Theos Management verhöhnt: „Zieht doch nach Leppersdorf an die polnische Grenze. Da könnt ihr weiterarbeiten“.

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In Rödinghausen, bei den Finkemeiers wird so ein Sarkasmus nicht gepflegt. Grund zum Ausrasten gäbe es in Hülle und Fülle bei der Masse von Knüppeln, die ihnen eine Clique von Streithanseln zwischen die Beine geschleudert hat.

Die „Natur vor Altersarmut“- Haudegen haben ja auch jede Menge Vorbilder, an denen sie sich mit ihren arbeitnehmerfeindlichen Forderungen orientieren können.

Einen Haufen aufmüpfige „Airbus“– Gegner beispielsweise. Der Flugzeugbauer wollte im Flussgebiet „Mühlenberger Loch“, wo sich die „Löffelente“ auf freien Wasserflächen, im Schilf und Schlamm ihre Nester baute, das Betriebsgelände erweitern. Naturschützer liefen Sturm.

Das Geld, das sie für ihre Empörung ausgegeben haben, hätten sie lieber in den Naturschutz stecken sollen.

Am Ende der ganzen Krakeelerei wurden 80 Hektar Ausgleichsfläche geschaffen, die Firma vergrößert. Die „Löffelente“ schiss was auf’s neue Wohnungsangebot. Die tauchte ab – und woanders wieder auf.

Vom „Bachneunauge“ schon mal was gehört? Nein? Das ist ein 500 Millionen Jahre alter wurmartiger Fisch-Vorfahr. Der verzögerte nach seiner Entdeckung den Ausbau des Flughafens Münster-Osnabrück, bis eine 400 Meter lange Brücke über sein Biotop errichtet worden war.

Wenn kleine Viecher also großen Bauvorhaben in die Quere kommen, kann es schon mal ganz schön heftig zur Sache gehen. Da ist der „Fall Häcker“ noch gar nix!

Der „Juchtenkäfer“ legte zum Beispiel das umstrittene Bauprojekt „Stuttgart 21“ lahm. Der kleine Krabbler wohnte in Bäumen, die gefällt wurden. Tierschützer sorgten sich um die Fortpflanzung. Sie inszenierten einen Riesenaufruhr und erreichten einen Baustopp. Die Polizeieinsätze mit Wasserwerfern und Prügelorgien auf den Strassen verfolgten wir alle wochenlang im Fernsehen. Die Abholzerei des Grünzeugs wurde gerichtlich unterbunden, bis die Deutsche Bahn Artenschutzauflagen erfüllt hatte. Dann wurde weiter gerodet.

Berühmtheit erlangte auch die Fledermausart „Hufeisennase“. Die verzögerte drei Monate lang den Baubeginn der Dresdner „Waldschlößchenbrücke“.

Kein Geringerer als der „Wachtelkönig“ war’s, der Bagger, Lastkraftwagen und Baukräne zum Stillstehen verdammte. 3.000 Wohnungen für 10.000 Menschen in Neugraben–Fischbek wurde der Garaus gemacht.

„Gelbbauchunken“ sorgten für Schlagzeilen, als es um das Auffüllen eines stillgelegten Steinbruchs ging.

Für „Kammmolche“ musste vor dem Fortführen der A 49 zwischen den Ortschaften Helsa und Hessisch-Lichtenau ein vier Kilometer langer Tunnel zur Erhaltung ihres Lebensraums geschaffen werden.

„Großtrappen“, flugunfähige Vögel, zwangen die Deutsche Bahn, an einer ICE-Strecke durch das Havelland für 23 Millionen einen 5,6 km langen beidseitigen Schutzwall entlang der Trasse Hannover-Berlin zu errichten. Das war eine Investition von 273.000,00 Euro für jedes gezählte Tier.

An der deutsch-niederländischen Grenze sollte „Avantis“ entstehen, ein riesiger Gewerbepark. Umweltschützer bliesen zum Aufmarsch. Sie hatten Hamsterlöcher entdeckt. 12.000 Arbeitsplätze standen auf der Kippe. Mit jedem Tag fanden die Tierfreunde mehr Gänge, die hinab in’s Erdreich führten.

Ein Gutachter wurde eingeschaltet. Der zählte sage und schreibe 300 Durchlässe. „Der hat die Löcher für die Messlatten mitgezählt“, wurde er ausgelacht. Jedenfalls wurde nie ein Feldhamster bei lebendigem Leibe gesehen.

Wen wundert’s? Die putzigen Gesellen waren längst über alle Berge! Denn seit dem rücksichtslosen Getrampel der Löcherzähler über ihren Köpfen litten sie an Migräne. Wie gerne hätten sie in einer Apotheke „Aspirin“ gehamstert.

Jahrelang wurde in Abwesenheit der unter Tage-Flüchtlinge rumgestritten. Dann rückten die Bagger doch an. Auflage: „Avantis“ muss bis in’s Jahr 2022 „Feldhamster-Ausgleichsflächen“ anlegen und pflegen.

Produkte unseres himmlischen Schöpfers verhinderten in Hangelar den Auftritt des Papstes beim katholischen Weltjugendtag 2005 auf einem künstlich aufgeschütteten 12 Meter-Hügel. Weil das Getöse der Radlader aber Kiebitze, Kreuzkröten und Krickenten bei der Errichtung des „Predigtstuhls“ aus Erde verscheucht hätten, musste Hochwürden seine Schäfchen an anderer Stelle segnen.

Vögel zwitschern und balzen, Käfer fliegen. Der „Rothalsige Düsterkäfer“ wächst unter der Baumrinde heran, wird nur ein bis zwei Wochen alt – aber wehe, Naturschützer entdecken den! Dann ist Schluss mit lustig. Jedes Bauvorhaben wird im Keim erstickt.

Der „Schierlings-Wasserfenchel“ brachte in Hamburg seit dem Jahr 2002 die Vertiefung der Unterelbe zum Erliegen. Er schaffte es durch Umweltfanatiker sogar bis vor’s Bundesverwaltungsgericht. Die Juristen entschieden letztendlich für die Stadtväter der Hansemetropole: „Schafft einen neuen tidebeeinflussten Standort für den seltenen Doldenblüter. Danach könnt ihr losbaggern“.

Ob die nun durch die 15 Jahre dauernde Hängepartie genervten und geflüchteten Kunden je wieder den Hamburger Hafen anlaufen werden, weiß nicht einmal der woanders hin verbannte „Oenanthe conioides“, der schlickige Uferbereiche bevorzugt. Und bei jeder Flut 2 – 4 Meter unter Wasser steht.

„Der Erhalt von Kulturlandschaft ist wichtig“, meint Amselfreund Kolkhoff am Feldrain von „Im Krümpel“.

„Aber ebenso wichtig ist die Schaffung von Arbeitsplätzen. Baumaßnahmen sind immer ein enormer Eingriff in Natur und Landschaft. Der sorgfältige Umgang mit dem Boden, der Vegetation, dem Grundwasser und der Tierwelt trägt aber dazu bei, negative Auswirkungen auf ein Mindestmaß zu beschränken.

Alles ist möglich. Vor allem: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“.

Genauso ist es!

Das fängt beim Versetzen von Regenwürmern mit Schnappatmung und Heuschnupfen an und hört nicht beim Abfangen von Kröten im Frühjahr an Straßenrändern auf.

Ein neuer Firmenkomplex, wie der von Häcker-Küchen geplante, von Anwohnern abgelehnte, von Arbeit Suchenden herbeigesehnte, wäre hinter Bäumen und Hecken verschwunden. So dass er das Landschaftsbild nicht über Gebühr verschandelt. Mit professionell angelegten Anpflanzungen wird die Regeneration der Wunden beschleunigt und ein völlig neues Naturbild geschaffen.

Von dem meuchelmörderischen Streit mit den Arbeitsplatzvernichtern hatten die Finkemeiers am Ende die Nase gestrichen voll. Das behördliche Genehmigungsverfahren für den Bau im Landschaftsschutzgebiet hätte sich noch Monate hingeschleppt. Ende ungewiss.

Aus welchem Grund sollte sich Häcker den letzten Nerv von seinen Gegnern ziehen lassen? Es gibt keinen.

Also wird nun nicht in Muckum, sondern in Venne, einem 3.301 Einwohner Dorf (Stand: 01.04.2017) 10 km von der A1-Auffahrt Bramsche entfernt, auf 21,5 Hektar gebaut. Seit dem 01.02.2017 ist dort ein 24 Hektar großes Gewerbe- und Industriegebiet voll erschlossen. Der Küchengigant schlug sofort zu. In böser Vorahnung, es könnte ihm in Muckum ebenso ergehen, wie dem Hamburger Hafenbetreiber mit der 15 Jahre dauernden Streiterei um den „Schierlings-Wasserfenchel“.

Nein, 1 ½ Jahrzehnte Prozessiererei. Wenn die rum sind, marschiert Firmengründer und Seniorchef Horst Finkemeier stramm auf die 100 zu! Spätestens dann denkt er über die Endlichkeit des Lebens nach. Aber nicht über die Unendlichkeit der „Meuterei in einem Muckumer Landschaftsschutzgebiet.“

In Venne freuen sich jedenfalls nun mehr als 400 Menschen auf einen neuen Arbeitgeber und damit auf eine sichere Zukunft.

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Die Sieger von gestern können ja jetzt den Muckumer Acker für ein paar Millionen von Häcker kaufen oder pachten und zeigen, was sie betriebsindividuell ökonomisch auf die Beine bringen. Nun hätten sie die Chancen sich mit der Anpflanzung von Wintergerste, Zuckerrüben, Mais, Raps alle ihre Träumereien eines gottgesegneten Paradieses zu erfüllen. Schön anzusehen ist auch ein Winterweizenfeld. Obst- und Weinanbau böte sich als weitere Alternative an.

Tipp vom Fachmann: Damit alle eure Hoffnungen sprießen und gedeihen, aber euch nicht ruinieren, vergesst den Unkrautvernichter Glyphosat nicht! Ohne dessen Einsatz werdet ihr Naturapostel nämlich – dem Herrgott sei’s geklagt – leider nicht zum Geldadel aufsteigen. „Dieses Gift ist zur konservierenden Bodenbearbeitung in vielen Regionen Standard“, stellte das Institut für Agrarpolitik der Universität Gießen fest.

Heißt übersetzt: Eine wildkrautkonforme Ackerbewirtschaftung ist mit enormen finanziellen Nachteilen verbunden. Um das zu verhindern, werden jährlich 6.000 Tonnen Glyphosat in Deutschland gespritzt. 40% auf Landwirtschaftsflächen.

Ohne Verwendung dieses Kampfstoffes könnten bäuerliche Betriebe nicht überleben. Nach Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Glyphosat „nicht irgendein Pestizid“, sondern krebserregend. Es ist das am häufigsten eingesetzte Pflanzengift. 800.000 Tonnen davon verseuchen jährlich Felder auf der ganzen Welt – zur Unkrautvernichtung.

Mal abwarten, ob die Häcker-Killer was Schönes mit dem Acker anstellen.

Vielleicht begegnen wir dort Stefanie Janßen, einer 50 Jahre alten Buchhalterin in einem nur 1.000 Meter Luftlinie entfernten Industriebetrieb auf der Wirtsheide,  seit dem Frühjahr 2016 Vorsitzende der 5-köpfigen Fraktion der Grünen im Bünder Stadtrat. Die freute sich diebisch in der Postille „Neue Westfälische“ über den Häcker-Tod in Muckum als eindeutige Entscheidung für den Naturschutz.

Ist das nicht toll? Frau Janßen kann nun gemeinsam mit Andrea Kieper (57), Landwirtstochter aus Herford, Einzelhandelsverkäuferin, SPD-Fraktionsvorsitzende in Bünde, Schmetterlinge und Piepmätze auf dem von Häcker zurückgelassenen Sterbeacker füttern.

Sie zeigte, die fest in Lohn und Brot steht, keine Umsatz-, Gewerbe- und Kapitalertragssteuer abdrücken muss, bei Lohnsteuersonderprüfungen vom Finanzamt Bünde keine Rechtsfolgen zu befürchten hat – da haftet ihr Boss –  ebenfalls in der „NW“ überhaupt kein Verständnis dafür, dass sich die Küchenmöbel-Administration mit dem Argument vom Acker gemacht hat, sie könne nicht jahrelang auf eine baurechtliche Genehmigung für Muckum warten.

Wer das nicht versteht, weiß um unternehmerische Zwänge nicht Bescheid. Ist ja auch schwierig und ein echt komplexes Thema für jeden Arbeitnehmer. Im Volksmund wird das, was Frau Kieper als Sprachrohr ihrer Partei von sich gegeben hat, als „von Tuten und Blasen keine Ahnung zu haben,“ bezeichnet.

Ach so: Andrea Kieper ist Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Ennigloh-Muckum. Ausgerechnet Muckum.

 

Unser Motto:

Der Wahrheit die Ehre.

Dem Lumpen der Pranger.

Dem Schwachen unsere Hilfe.

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