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„Gewinnen ist geil!“ glaubte ein Besucher der Spielsuchthölle „Casino“ in Bünde – und machte seine ganze Familie krank.

Was für ein Leben, wenn jeder Tag so anfängt wie für Pizzabäcker und Eisverkäufer Guiseppe Merino (44) aus Sizilien, dem dreieckigen Fußball vor der italienischen Stiefelspitze, der vor der 245.000 Einwohner Hafenstadt Messina mit dem großen Zeh in Richtung Tunesien gekickt wird. Er verließ die Mafia-Insel, wo die Arbeitslosenquote mit 19,5 % doppelt so hoch ist wie im übrigen Italien und landete bei Verwandten in Bünde. Hier bekam er nach rascher Eingewöhnungsphase jeden Morgen um 07:00 Uhr 6,- € geschenkt, den Wert eines kompletten Frühstücks, 3,10 € mit Ei im Café Hensel, Holzhauser Straße 4, Gesundheitszentrum Ennigloh oder Fenstergucker Bistro, Eschstraße 35, Bünde-Innenstadt, wo ein belegtes Käsebrötchen 1,55 €, ein belegtes Brötchen mit Kochschinken 1,65 €, plus eine Tasse Kaffee 1,75 € kostet.

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So viel christliche Nächstenliebe, wo der Papst gerade eine Schimpfkanonade einem Orkan gleich gegen die sizilianischen Verbrecherbanden losgeblasen hat, tat dem kleinen Italiener richtig gut. Umturtelt von immer freundlichen jungen Damen geriet er in einen schwerelosen Zustand, obwohl er noch nie eine Astronautenkapsel von innen gesehen hat. Nicht mal die Wuppertaler Schwebebahn. Dennoch glitt er wie über Wolken dahin. 6,- € bekommt nun mal nicht jeder jeden Tag geschenkt, oder? Na ja, im Vergleich mit den meisten von uns ist er ja auch ein Besonderer, dieser Guiseppe!

Fleißig wollte er sein, Geld anhäufen und damit in seiner des öfteren vom Feuer und Steine spuckenden Ätna in Angst und Schrecken versetzten Heimat was auf die Beine stellen. Ein Eissalon, ein Restaurant oder ein kleines Familienhotel, so was schwebte ihm vor. Er wollte mit seinen Lieben ein sorgenfreies Leben führen da unten im Mittelmeer. Nach seiner Vorstellung kamen dafür aus Bünde die Mittel her.

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Alles fing gut an nach seiner Ankunft in Ostwestfalen. Pizzabuden, das sah er auf den 1. Blick, gibt es hier wie Sand bei sich zuhaus an den Badestränden von Taormina im Norden oder Sampieri im Süden, abkühlend umschmeichelt von türkisblauem bis smaragdgrünem Wasser. Dazu gesellen sich die rollenden Backstuben, mit denen seine Landsleute beim Frühlingsfest, Zwiebelmarkt und anderen neckischen Volksbelustigungen wie dem Oktoberfest in Löhne, dem Kilver Markt in Rödinghausen, dem Kirschblütenfest in Enger oder dem Meller Erntedank- und Volksfest ihr Glück mit dem Geldverdienen versuchen. „Zu viele Bäcker verderben den Brei“, argwöhnte Guiseppe zwar zunächst, machte dann aber mit als Hersteller von superleckeren knusprigen dünnen Böden, die im Steinofen oder auf Lavaschmelz zu Gaumenfreuden heranreifen.

Welch ein Glück für ihn: schon bald lernte er ein süßes deutsches Hauptschul-Schnuckelchen kennen, Anna (42). Sie heirateten und wurden Eltern von 3 Kindern: Marco (22), Lisa (21), Maria (17). Anna gab ihren Job auf, schmiss den Haushalt, kümmerte sich um die Erziehung des Sohnes und der beiden Töchter. Guiseppe brachte als emsiger Alleinverdiener genügend Geld mit nach Hause, eine gemietete 4 Zimmer-Wohnung in einem 6 Familien-Wohnblock an der östlichen Bünder Stadtgrenze. Es lief rund in der Familie. Doch das war einmal. Heute sieht die Merino-Welt ganz anders aus.

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Von einer Rückkehr in die Heimat sprach Guiseppe schon bald nicht mehr. Er fühlte sich pudelwohl im Minden-Ravensberger Land, war sparsam, kloppte Überstunden runter. Seine Frau avancierte zum zweibeinigen Inbegriff von Geiz, drehte jeden Cent 5 x um, kaufte nur Lebensmittel als Sonderangebot in Supermärkten. Auch bei der Anschaffung von Klamotten achtete sie auf die Preise bei Textildiscountern oder, wenns mal was Exklusiveres sein sollte, schaute sie sich in Second Hand Shops um in Osnabrück, Minden, Bad Oeynhausen.

Nach 15 Jahren war das Ziel erreicht: die Merinos erstanden ein runtergekommenes Einfamilienhaus. Sie investierten ihr Erspartes, werkelten innen und außen dran herum, damit es ein Schmuckstück wird. Fertig ist es immer noch nicht. „Sie waren sehr glücklich“, sagt eine Verwandte.

„Sie waren glücklich?“

„Ja, bis ihr Lebensweg dornenreich und zerbrechlich wurde“, antwortet sie leise. Und fügt hinzu: „Alle Achtung, dass die Ehe noch besteht, Anna nicht über Scheidung redete, auch wenn zwischendurch die Fetzen flogen“. Das ist kaum glaubhaft. Wenn’s stimmt, bewundernswert.

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Denn Guiseppe setzte alles aufs Spiel – im schlimmsten Sinn des Wortes. Er? „Nein“, bescheinigte ihm sein Arzt, ein Bünder Psychiater. „Nein“, sagen auch 3 Richter im Landgericht Bielefeld auf einmal und 3 in Hamm. „Doch, er ist ganz allein Schuld an seinem Unglück“, verhöhnen ihn die Verursacher der Gottlob überstandenen Ehekrise, gewissenlose Ausbeuter, an die Guiseppe seine arme Seele verlor. Diese Blutsauger sind die Wurzel allen Übels, die Luntenleger und bösen Initialzündler von Annas schlaflosen Nächten, den Tränenbächen, die sie und ihre fassungslos gemachten Kinder vergossen haben.

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Der Familien – Untergang begann mit der Eröffnung des „Casino“ an der A 30, Abfahrt 27 Bünde-Ennigloh. Auf dem Weg in die Stadt kam Guiseppe regelmäßig an der Baustelle des Freudenparks vorbei auf dem ehemaligen Fabrikgelände einer Kehlleistenfabrik und ersehnte sich auf die Schnelle den Abbau der Kräne und den Abzug der Handwerker. Endlich war es soweit! Die Türen in dem niegelnagelneuen Spielsalon in Bünde flogen auf, und unser ehrgeiziger Herr Merino war überzeugt, da drinnen im Fegefeuer von blinkenden und piependen, von flimmernden und tutenden, von rattattatata machenden Spielautomaten sein Geld nicht zu verbrennen, sondern zu vermehren, um damit die Hypothekenlast für sein und Annas Haus schneller abbezahlen zu können.

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Er war dann auch einer der ersten neugierigen Hineindrängler, die vom Geschäftsführer (so Ende 40) der „Lübbecker Spiel GmbH“, der, wie albern, seinen bei Google unter „Lübbecker Spiel GmbH Geschäftsleitung“ zu findenden Namen nicht hier lesen möchte, Hallihallohallöchen begrüßt und mit den in gedämpftes augenfreundliches diffuses Licht sowie mit jeder Menge Spielautomaten bestückten Gästezimmern bekannt gemacht wurde. Neben Sekt und Schnittchen gab’s 400,- € Bargeld, alles 2,- €-Stücke. Ja wirklich! Bißechtes Geld, das locker einem Test von Zweiflern standhielt, die mit 3. Zähnen bewaffnet ungläubig an den silberglänzenden Mäusen rumknabberten. Resultat dieses Prüfergebnisses: es handelte sich um 200 Stück authentische 2,- €-Münzen aus der staatlichen Prägestätte Stuttgart. Für Schatzsucher Guiseppe der Einstieg in das Superding Suchthölle. Unfassbar! Der Werbeslogan der www.spielothek.de, Betreiber von Spielcasinos mit Münzautomaten, Vergnügungshallen und Einarmigen Banditen „Ihre Freizeit in guten Händen“, hielt Wort! Unser Guiseppe ließ echtes Geld zwischen seinen Fingern durchrieseln.

„Das ist der Traum eines jeden Spielers, in einer Schüssel Geld geschenkt zu bekommen zum Füttern von Merkur-Spielautomaten wie Tripel Chance, Secrets of India, Girls Wanna, Gladiators, Yucatan“, schüttelt einer aus der Merino-Sippe heute noch staunend den Kopf.

Außer dem Spielteufel aus Sizilien lachte die Merkur-Sonne weiteren Beschenkten ins Gesicht. Dieser vom Himmel geholte Feuerwerkskörper, der von Paul Gauselmann in Espelkamp, Oberkommandierender seiner an vorderster Front für eine noch größere Verbreitung von Glücksspielautomaten kämpfenden, 8.000 Männer und Frauen starken Bodentruppen, stolzbrüstig als „Deutschlands beliebtestes Spiel- und Glückssymbol“ gerühmt wird. Seit 1976 hat der Erfinder über 2 Millionen Spielgeräte mit der lachenden Merkur-Sonne verkauft. In der Branche wird mit knallharten Bandagen gekämpft. Die Staatsanwaltschaft Essen hat nach einer bundesweiten Beschlagnahmeaktion wegen banden- und gewerbsmäßigen Computerbetruges herausgefunden, dass die Betreiber zum Nachteil der Spieler die Gewinnquote senken, mit einer nur den Betreibern bekannten Tastenkombination selbst Bargewinne abschöpfen konnten.

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„Die Merkur-Sonne“, prahlt Paul Gauselmann, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Automatenindustrie und Vorstandsmitglied der Deutschen Automatenwirtschaft, “ist national und international der Garant für modernstes Freizeit-Entertainment auf höchstem Niveau“. 1993 bekam der ranghöchste Sonnenanbeter aus der Retorten-Flüchtlingsstadt sogar das Bundesverdienstkreuz, 10 Jahre danach das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Seit seinem 70. Geburtstag ist der Suchtpotenzial-Verbreiter Ehrenbürger der Städte Espelkamp und Lübbecke. Wie sich das mit dem Unterhaltungsvergnügen „auf höchstem Niveau“ bei manipulierbaren Menschen auswirkt, ist an Guiseppe dramatisch effizient ablesbar. Er ist heute einer von bundesweit 400.000 krank gewordenen Maschinenbedienern.

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Für die geschenkten beißfesten 400,- € musste der Sizilianer in der blinkenden, blitzenden, glitzernden, funkelnden Wettkampfarena, einer von 10 Spielotheken in Bünde, nicht mal ein Gedicht aufsagen wie etwa seine Kinder, als die noch klein waren und zu Weihnachten ihre Liebesgabenpäckchen entgegen nahmen. Ihr Papa hatte es da einfacher, obwohl ihm ein paar Verszeilen ohne langes Überlegen bestimmt schnell über die Lippen gerutscht wären. Sowas vielleicht:

Danke, wie verwunderlich!

Ist das ganze Geld für mich?

Ja? Und wirklich nicht ein Witz?

Dann steck ich’s ganz schnell in den Schlitz

all dieser schönen Automaten,

die so bunt sind wie mein Garten.

Ein 3 x Hoch der Unterhaltungsindustrie!!!

Ich verspreche hoch und heilig: die 400 Piepen werden vermehrt.

Verlieren, ich? Verlieren werde ich sie nie!

Also, er bekam die vierhundert Euro ohne jede Gegenleistung. Dass ihn allerdings, der keine Strahlenabwehrbrille trägt, das Care-Paket fast erblinden ließ und er den totalen Durchblick verlor, bemerkte er nicht!

Dafür wurde eine andere von der Merkur-Sonne wachgeküsst: Anna, nachdem die Ehepaar-Konten bei der Sparkasse Herford und der Deutschen Bank ins Minus abgestürzt, die Dispokredite von je 6.000,- € bis auf den letzten Cent abgeschöpft waren. Mit ihrer EC-Karte kriegte sie nicht mal mehr 5,- €. Die Geldautomaten in Ennigloh und in der Bünder Bahnhofstraße meldeten den niedrigsten Kontostand: Ebbe. An Flut war nicht zu denken. „Ich fiel fast in Ohnmacht, als ich die Wahrheit erfuhr. Ich konnte für uns nichts mehr zu essen kaufen“.

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Da hatte es ihr Göttergatte beneidenswert besser! Der kriegte um 07:00 Uhr Tag für Tag  3 x 2,- € -Münzen geschenkt, sobald er den Fuß über die Schwelle des „Casino“ gesetzt hatte. Wofür sich andere ’ne Tasse Kaffee und leckere Brötchen reingeschoben hätten, war für den Glückspilz die Fortsetzung aller Laster Anfang im Anschluss an das längst verprasste 400,- €-Präsent. Die 6,- € jeden Morgen machten ihm weiterhin Mut und trieben ihn tief, tiefer, tiefer ging’s nicht mehr, in die Spielsucht hinein.

Bei Wind und Wetter hing er mit Stielaugen, verklärtem Blick, Schweißausbrüchen und Herz-3-fach Salto unter den Merkur-Sonnen.  Natürlich nicht um braun zu werden, sondern als Besessener die Apparate zu besiegen. Alles, restlos alles haute er auf den Kopf: Arbeitslosen-, Kindergeld, Hartz IV. In ihrer Not ging seine Frau für 900,- € wieder arbeiten. „Kam ich nach Hause, fing er mich schon an der Tür ab, durchsuchte meine Taschen. ‚Ich brauche Geld’, fauchte er mich an“.

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Warum ging sie nicht zum Scheidungsanwalt? Weil Liebe für sie kein leeres Wort ist. Eine Verwandte: „Sie hat ihrem Mann lebenslange Treue in guten und schlechten Zeiten versprochen. Für sie ist das ein Ehrenwort, an dem sie auch in den bittersten Stunden festgehalten hat“.

Anstatt sich über eine Trennung Gedanken zu machen, rief sie seine Eltern in Italien an. Denen schilderte sie die beängstigende High-noon Situation und die halfen sofort. Sie nahmen ihren geistig nicht mehr auf der Höhe befindlichen Sohn zurück. Alle hofften, wenn er für ein halbes Jahr aus dem Magnetfeld vom „Casino“ verschwindet, ist alles gut und der vom Spielteufel besessene Junge geheilt. Ein fataler Irrtum! Kaum in Bünde, fing alles wieder von vorne an.

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Schulden über Schulden! Ständig bis zum Geht nicht mehr überzogene Konten. Mahnungen, Drohungen der Kreditgeber. „Wenn Sie nicht bis zum Ihr Konto ausgeglichen haben, dann“. Ja, dem Haus drohte die Zwangsversteigerung. Nur mit Mühe brachte Anna die Darlehenszahlungen auf plus 300,- € monatliche Nebenkosten für Versicherungen, Wasser, Strom, Grundbesitzabgaben, Telefon, Kfz-Steuer. Sogar Marcos Freundin und deren Eltern versuchten auf den Spielsüchtigen einzuwirken. Es fruchtete nichts. Auch nicht, dass Anna ihrem Mann den Autoschlüssel abnahm. Da ging er zu Fuß zur Lustgrotte am Bünder Autohof. „Angesichts dieser Hoffnungslosigkeit bin ich meinem Mann ein einziges Mal bei einer unserer Auseinandersetzungen an die Wäsche gegangen“, gesteht Anna verschämt. „Meine Nerven lagen blank. Ich war am Ende“.

Nicht er, sie suchte Hilfe. Psychiater Dr. Frank Heinemann, Holzhauser Straße 6, Gesundheitszentrum Ennigloh (05223/492453) stellte fest: „Der Patient ist pathologisch spielsüchtig“.

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„Mein Mann musste dringend in eine Therapie“, war Anna nicht erst mit diesem ärztlichen Attest klar. Merkur sonnenklar war ihr inzwischen, sie wollte sich den Verursacher ihres familiären Unglücks vorknöpfen, die Lübbecker Spiel GmbH, Bleichenbrücke 10, 32312 Lübbecke, 05743/558, eingetragen im Handelsregister Amtsgericht Bad Oeynhausen HRB 8435, Betreiber des Entertainment Center „Casino“ in Bünde.

Anna holte sich Rat bei den Bünder Rechtsanwälten Meier, Dr. Schlüter und Kollegen, (Elysiumstraße 10, 32257 Bünde, 05223/16050, Fax 05223/160530). Dort legte sie alle Kontoauszüge vor mit den Abbuchungen jener Beträge, die ihr Ehemann in 3 Jahren verzockt hatte. Die meisten Abhebungen erfolgten am Geldautomaten in der Spielhölle. Für das Ausleben seiner ungebremsten Leidenschaft in spannungsgeladener Atmosphäre verkaufte er sogar PKW und Schmuck. Hatte er gewonnenes Geld verjubelt, holte er sich im „Casino“ Nachschub, denn dafür musste er nicht weit laufen auf dem flauschigen, schallschluckenden, daumendick belegten Boden. Es sind nur ein paar Schritte von den Merkur-Sonnen bis zum immer randvoll gefütterten Geldrausschleuderer eines ortsfremden Bankhauses.

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Anna errechnete 65.000,- € Schadensersatz, alles sauer verdientes Geld und erarbeitetes Vermögen, das von den Merkur Sonnen-Apparaten wie speichelleckend eingesackt worden war. Zuzüglich 15.000,- € Schmerzensgeld wollte sie haben, denn schließlich war ihre Gesundheit auf der Strecke geblieben. 3 Jahre schluckte sie Beruhigungs- und Schlaftabletten. 3 Jahre kämpfte sie gegen die Spielsucht ihres Mannes an. 3 Jahre hatte sie nicht mehr durchgeschlafen. 3 Jahre geriet sie in permanenten Erklärungsnotstand gegenüber den Kindern. 3 kaputte Jahre, die mit Geld nicht zu bezahlen sind. 3 Jahre weiniger Lebensqualität. 3 Jahre, in denen sie um 10 alterte mit dunklen Ringen unter den Augen und Falten im Gesicht.

Na klaro zahlte die „Lübbecker Spiel GmbH“ nicht! Schließlich hätten weder die noch das „Casino“-Personal den Familienvater zum Spielen gezwungen. Jeder müsse selbst wissen, was er tut oder besser bleiben lässt in der Spielothek-Geldvernichtungsanlage, in der 24 Stunden lang 78 topaktuelle Spielgeräte der Unterhaltungsindustrie laufen wie Touch-Games, Flipper, Fahrsimulatoren. Wo man/frau in 4 Pool-Billard-Turniertischschlitzen jede Menge EURO-Münzen versenken kann.

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15 Milliarden Euro werden jedes Jahr von Zockern auf dem deutschen Glücksspielautomatenmarkt umgesetzt. Nun plant das Wirtschaftsministerium Beschränkungen. Mögliche Verluste werden auf 60,- € und der maximale Gewinn auf 400,- € pro Stunde eingegrenzt. Auch die Automatiktaste soll wegfallen. Sie ermöglicht das gleichzeitige Spielen an mehreren Automaten. In Gaststätten sollen künftig nur noch 2 statt 3 Geräte erlaubt sein. Wird das so kommen, müssen jede Menge der insgesamt 75.000 Spielautomaten in den deutschen Kneipen abgebaut werden.

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„Auf 1.200 qm wird den Gästen Freizeitspaß pur in angenehmer Atmosphäre und edlem Ambiente geboten. Es ist die 1. Adresse in Bünde und Umgebung, wenn es um innovative Freizeitgestaltung der besonderen Art geht. Das Entertainment-Center hat die strenge Prüfung der Automaten-Wirtschaftverbände Berlin (AWI) in den Kategorien Angebot, Ausstrahlung, Ambiente und Service mit Bravour bestanden“, heißt es in der selbstbeweihräuchernden Eigenwerbung. Und weiter: „Am 27.02.2008 erhielt das „Casino“ sogar den „Branchen-Oskar“, den „Golden Jack“. Es gehört damit zu den besten Einrichtungen dieser Art in der gesamten Bundesrepublik“.

Von soviel Eigenlob der Lübbecker Spiel GmbH und Merkur-Sonnen-Geldspielautomaten-Aufsteller bekamen die Richter der 6. Zivilkammer im Landgericht Bielefeld zunächst einen heftigen Sonnenbrand mit Eintrübung ihrer Sehschärfe. Was dazu führte, dass sie Annas Prozesskostenhilfeantrag ablehnten. Mit dem Brustton der Überzeugung argumentierten sie, die mit Anstiftung zur Spielsucht begründete Klage werde bei ihnen keinen Erfolg haben. Das „Casino“ hätte sich rechtlich einwandfrei verhalten. Gegen den von allen guten Geistern verlassenen Zocker, den Ehemann der Klägerin, hätten die Entertainer keine Sperre verhängen können , begründeten sie ihre Zurückweisung, weil einer solchen Maßnahme der Glücksspielstaatsvertrag des Landes Nordrhein-Westfalen entgegen stehe. Darin wird den staatlich kontrollierten Spielbanken eine Spielersperre erlaubt, aber nicht den Krankmachern, die sich mit ihren Automaten in Spielotheken um die Ecke an bereits geistig vergifteten Gewinnträumern dumm und dämlich verdienen.

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Die Bielefelder Studierten gaben also Annas Armengesuch nicht statt, dem Wunsch der gebeutelten Frau, gegen Vorschuss auf Steuerzahlerkosten losprozessieren zu dürfen. Denn nichts anderes ist ein Prozesskostenhilfeantrag, eine Anleihe auf den erwarteten Gewinn, den Prozess-Sieg. Von der Absage war die seelisch und körperlich Gepeinigte nun aber gar nicht begeistert. Vor allem, weil sie an Zeugen alles benannt hatte, was den Mund aufmachen kann und Beine hat. Vorne weg ihren spielsüchtig gemachten Ehemann, dazu ihre und die Kinder dieses geistig weggetretenen Hasardeurs mit dem sie Tisch und Bett teilt. Außerdem das „Casino“-Personal und den Psychiater.

So bespickt wurde dem Oberlandesgericht Hamm die Beschwerde überreicht gegen den negativen Bescheid aus dem Justizhaus am Teutoburger Wald. Mit voller Durchschlagskraft, denn die Richter Manfred Heine als Vorsitzender, Detlef König und Ludwig Reuter vom 11. Senat schrieben mit ihrer Entscheidung Justizgeschichte: die mit dem Branchen-Oscar geehrten Ekstaseförderer und Suchtvorantreiber seien schadensersatzpflichtig, weil das Personal den Ehemann der Klägerin zum Glücksspiel verleitet und ständig weiter animiert hat.

Brutaler Beweis seien die Schüssel mit den geschenkten 400,- am Eröffnungstag und die 6,- € jeden Morgen um 07:00 Uhr zum Verfrühstücken in den unersättlichen Mägen der Merkur Spielgeräte. Der Fall müsse verhandelt werden. Die Erfolgsaussichten seien gut. Der Prozesskostenhilfeantrag wurde bewilligt. Die Akten ans Landgericht zurückgeschickt.

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Das war’s für die Abhängigmacher! Nun schlugen sich die 3 Bielefelder Richter im Saal Nr. 9 nach der Weisung „von oben“ auf Annas Seite und meinten, die 1. Adresse für Glücksucher in Bünde und Umgebung möge sich von 50.000,- € trennen zu Gunsten der Ehefrau des erkrankten Guiseppe. Ansonsten drohe ein langwieriger, sich Jahre hinziehender Prozess mit vielen Zeugen. Das würde teuer.

Anna stimmte zu, das „Casino“ erst nach Bauchschmerzen (Az.: 6 O 623/11). Unter Berücksichtigung von ca. 10.000,- € Anwaltsgebühren, die der inzwischen aus der Bünder Kanzlei Meier & Schlüter nach Bielefeld abgewanderte Jurist für sich berechnete sowie nach Abzug des halben Gerichtskostenanteils von ca. 400,- €, den jede Prozesspartei auszugleichen hatte, blieben weniger als 40.000,- € übrig. Wieviel  genau, möchten weder Anna noch ihr bei dieser Frage fuchsteufelswild gewordener Rechtsanwalt preisgeben. Der Herr Geschäftsführer der „Lübbecker Spiel GmbH“ sagt überhaupt nichts zu allem. Er ließ ein Schreiben von www.boulevard-buende.de unbeantwortet, das ihm per Fax am 13.03.2014 um 17:28 Uhr und 17 Stunden später per Mail übemittel wurde. Fest steht trotz aller Geheimniskrämerei: Anna kassierte nicht mal die Hälfte von dem, was sie haben wollte. Immerhin: der Spielsuchthöllen-Manager musste bluten. Er mobilisierte mit über einem Jahr Verspätung, am 20.03.2015, die Hamburger Presserechtskanzlei des Professors Dr. Matthias Prinz gegen unsere Berichterstattung, weil ihm seine namentliche Nennung und „Casino Bünde“, „Entertainment Casino Bünde“ sowie „Lübbecker Spiel GmbH“ als Beinahe-Sterbehelfer der Merino-Ehe nicht gefiel.

Dabei haben die Matchverlierer in diesem Fall gut lachen: die 50.000,-  EURO, die Anwalts- und Gerichtskosten können sie als Betriebsausgabe steuerlich voll geltend machen. Anna ist da belemmerter dran. Weil ihr Mann als Hartz IVer Einkommen verjubelte, werden die aus dem Vergleich übrig gebliebenen 39.600,- EURO auf die staatlichen Zuschußleistungen angerechnet. Unter’m Strich bleibt also gar nichts übrig. Deshalb konnten sich die Merinos auch keine Ferien in Italien leisten. Oder sich ein neues Auto gönnen. Oder einen größeren Fernseher. Oder etwas anderes für die Wohnung. Nicht mal für die Kinder konnten sie ein paar EURO abzwacken. Der Geschäftsführer der „Lübbecker Spiel GmbH“ hat im Gegensatz dazu soviel Zaster in der Ecke, dass er sich einen der teuersten Medienanwälte Deutschlands leisten kann.

Den holte er sich freilich erst in’s Boot, nachdem www.boulevard-buende.de am Vormittag des 02. März 2015 dieses per Handy übermittelte Angebot schriftlich zurückgewiesen hatte: Wenn wir den Namen des Geschäftsführers in unserer Reportage „Gewinnen ist geil!“ verschwinden lassen, schaltet die „Lübbecker Spiel GmbH“ als Dankeschön Inserate. Unsere Ablehnung fiel eindeutig aus: „Keine Verquickung journalistischer Produkte mit Werbung“. Offensichtlich gilt in der glänzend verdienenden Spielsucht-Branche die Regel: „Mit Geld erledigen wir alles. Insbesondere lassen wir uns dann nicht lumpen, wenn es um die Namensnennung eines Strippenziehers im Hintergrund geht“.

Mit reichlich klingender  Münze schlugen die Lübbecker unlängst in der Bünder City zu. Sie erwarben die Immobilie des ehemaligen Optiker- und Uhrmachermeisters Fritz Menninghaus, Eschstraße 2, einschließlich des Eiscafés Rialto von Francesco Molla am Museumsplatz 1, direkt gegenüber des Kaufhauses Woolworth.

Mit dem Leid von Spielsüchtigen lässt sich anscheinend soviel Pulver verdienen, dass damit ganze Innenstädte gepflastert werden können.

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Dabei hätten sie so gern „Schulden getilgt“, antwortete Anna www.boulevard-buende.de. „Wir wollen raus aus dem Schuldensumpf, zurück in ein normales Leben. Wir fahren einen uralten Golf, der genügt uns als Fortbewegungsmittel. Mein Mann ist leider immer noch arbeitslos, aber auf einem guten Weg, mit Hilfe von Therapeuten wieder gesund zu werden. Das, und nichts anderes ist uns allen das Wichtigste“.

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In Bünde kommt 1 Spielautomat auf 200 Einwohner

227 Glück verheißende Apparate rotieren

in 10 Spielhallen. Die Steuereinnahmen der Stadt betrugen daraus im Jahr 2013 rund 400.000,- €. Die Höhe der Vergnügungssteuer beträgt für Spielgeräte mit Gewinnmöglichkeit 12 % vom Einspielergebnis.  Im Jahr 2008 lagen diese Steuereinkünfte bei 256.000,- €.

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Zwanghafte = pathologische Spielsucht

Unter dieser Krankheit leidet, wer ein unwiderstehliches Verlangen hat zu spielen.  Zwang ist nicht vernunftgesteuert, er wird vom Kontrollverlust vorangetrieben. Spielsucht und nichts anderes bestimmt das Leben. Finanzielle Verluste sollen raschestmöglich ausgeglichen werden. Pathologische Spieler riskieren dafür eine immer höhere Risikostufe und setzen noch mehr Geld ein. Fehlen die finanziellen Mittel, kommt es zu entzugsähnlichen Symptomen wie Schweißausbrüchen, Reizbarkeit, innere Unruhe, Konzentrations- und Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Magen- und Kopfschmerzen. Betroffene pfeifen auf ihren Beruf, verzocken Abfindungen, Arbeitslosenstütze, nehmen Kredite auf, beleihen oder verkaufen Hab und Gut.

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Pathologisches Spielen hat eine Wirkung wie Drogen-Konsum. Das Hochgefühl wird durch die vermehrte Ausschüttung der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin ausgelöst. Sucht ist das Verlangen nach diesem Erlebniszustand.

Bei zwanghaften Spielern leidet die freie Entfaltung der Persönlichkeit,  soziale Bindungen zerbrechen. Von den Betroffenen sind 1/3 Frauen. Neben einer ambulanten Therapie, die meist 1 ½ Jahre dauert, gibt es auch stationäre. Anlaufstellen sind zum Beispiel:

Eine von zahlreichen Selbsthilfegruppen ist:

Gemeinsam gegen Glücksspielsucht e.V.

Heilsberger Straße 14

28779 Bremen

Telefon (0151) 40727708

Eine von vielen Beratungsstellen ist:

Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen

Hochemmericher Markt 1 – 3

47226 Duisburg

Telefon 02065/255690

Fax 02065/2556929

Der Vorteil einer Klinik liegt in der Abgeschiedenheit fern ab von der gewohnten Umgebung.

Hier 2 Adressen:

Fachklinik Zwieselberg GmbH

Zwieselberg 9

72250 Freudenstadt

Telfon 07441/2205

Fax 07441/85586

Therapie- und Rehabilitationszentrum für Abhänigkeitserkrankungen

Eichertweg 37

93437 Furth im Wald

Telefon 09973/5020

Fax 09973/502217

„Glück ist machbar,  gewinnen ist geil“

dachte sich Chemiker Imre Friedrich (43), als er an diesem 2. Mittwoch im März mit einem letzten Gehaltsvorschuss doch noch einen Gewinn machen wollte. Es ging schief! Wie schon immer in den letzten 7 Monaten. Ein halbes Jahr hatte ihm sein Chef schon Lohn-Vorschüsse bezahlt.  Aber anstatt damit seine auf 228.723,46 EURO angewachsenen Bankschulden langsam zurückzubezahlen, manövrierte er sich immer weiter ins Unglück.

„Glück ist machbar, gewinnen geil“, verabschiedete er sich von den Leuten, die ihn schon lange aus Spielhallen, Wettbüros und Casinos kannten.  „Aber“, fügte er hinzu, „leider nicht für mich, für Euch vielleicht. Ich hatte in letzter Zeit nur Pech, mit Gewinnen war nichts drin“.

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Imre gehört zu den 438.000 deutschen Spielsuchtkranken, die im Lotto, am Spielautomaten, bei Pferdewetten und Online-Poker mit Geldeinsätzen ihr Glück versuchen. Zuletzt pumpte er sich Geld von seiner Mutter für Spieleinsätze, weil er von seiner Bank, Bekannten und Verwandten nichts mehr bekam. Er sieht ja auch Vertrauen erweckend aus, ein geklonter Bruder des hochdotierten Bayern-Trainers Pep Guardiola (43), aus Santpedor (Spanien). Der hätte einem echten Zwilling ganz sicher mit ein paar Hunderttausendern aus der Klemme geholfen. Leider sind sie jedoch nicht miteinander verwandt, so dass diese Geldquelle für Imre nicht sprudelte und er den ehemaligen Fußballer des FC Barcelona – 6 Tore in 263 Spielen – nur um dessen Reichtum beneiden konnte. So versuchte er auf eigene Faust, den Wohlstand zu vermehren.

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Die Vorsitzende vom Fachverband Glücksspielsucht e. V., Meindersstraße 1 a, 33615 Bielefeld (Telefon: 0521/55772124), Ilona Füchtenschnieder (48) warnt: „Glücksspielsucht ist die teuerste aller Süchte. Sie verläuft oft schwer und hat die höchste Selbstmordrate“.

Imre merkte man die Sucht nicht an. Wen wundert das? Sie verläuft unauffälliger als andere Süchte. Er roch nicht nach Alkohol, auch nicht nach Zigarettenqualm. Seine Hände zitterten nicht, die Unterarme wiesen keine Einstiche auf. Er lief nicht unrasiert oder sonst wie ungepflegt rum. Trug immer frisch Gebügeltes, duftete nicht nach Deo oder Parfüm der Niedrigpreisklasse. Trotzdem veränderte er sich. Er reagierte gereizter als früher, wenn es um das Thema Geld ging. Er wurde verschlossener, wortkarger. Das ist normal bei solchen Kranken, denn sie wollen natürlich mit ihrer Spielleidenschaft niemandem auffallen, sich nicht verplappern. Da ist Reden Silber,  Schweigen Gold.

Das Schwierigste aber war für ihn, er brauchte immer Geld. Er musste außerdem organisieren, wie und wann er zockt. Seine Umgebung sollte von seiner Krankheit ja nichts merken.

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Nach 6 verbrauchten Gehalts-Vorschüssen folgte dem finanziellen Absturz auch der seelische. Unbezahlte Rechnungen, Mahnungen und Mietschulden häuften sich. Er stand vor dem Ruin. Bei seiner Bank hob er sein letztes Geld ab. Dann fuhr er zu der 3-Zimmer-Wohnung in einem gepflegten, weißen Mehrfamilienhaus, wo er mit seiner 76jährigen Mutter Iren lebte.

Auf der Fahrt dorthin dachte er über alles nach. „Tüte über den Kopf, das war’s“, ließen ihn seine perversen Gedanken nicht mehr los. „Es kann Stunden dauern bis zum geröchelten Tod. Manche wachen mit bleibenden Schäden wieder auf. Was ist dann?“

Er hat sein Ziel erreicht. „Hallo Mama“, steht er in der Wohnung.  „Schön Junge, dass Du da bist“, nimmt die Witwe ihren einzigen Sohn in die Arme. Der Vater ist vor 9 Jahren an einer schweren Krankheit gestorben.

Iren ist in der Küche beschäftigt. Als sie Imre den Rücken zudreht, stülpt er ihr eine Plastiktüte über den Kopf. Fest zieht er zu, drückt mit beiden Händen ihren Hals zusammen. Die Mama ist zu alt, zu gebrechlich, um sich noch wirksam gegen das Sterben auflehnen zu können. Trotzdem bäumt sich ihr Körper im Todeskampf kurz auf.

„Der Tod mit der Plastiktüte ist kein leichter Tod“, wird Imre später sagen. Auch dies: „Den Erstickungsbeutel hatte ich für mich mitgenommen. Ich wollte mich umbringen, nicht meine Mutter. Aber dann hätte sie noch mehr leiden müssen. Ich konnte sie nicht allein zurücklassen. Sie hätte dann von meinen Schulden erfahren.  Dies alles hielt ich von meiner Mutter fern, weil sie ein erhöhtes Schlaganfallrisiko hatte und sich nicht aufregen durfte. Meine Mama war von mir finanziell abhängig. Zuletzt drohte uns der Verlust unserer Wohnung. Ich konnte die Miete nicht mehr aufbringen“.

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Dabei war Imre Spitzenverdiener, seit 5 Jahren  in einer Anwaltskanzlei als Gutachter beschäftigt.  Er beherrschte 4 Sprachen, erledigte Auslandsaufträge.  Um 17 Uhr stand er im Büro seines Chefs. „Ich habe Ihnen Geld und Schmuck mitgebracht, um einen Teil meiner Schulden zurückzuzahlen“, sagte er. Den goldenen Ehering, den er mit ablieferte, hatte er seiner toten Mutter vom Finger abgezogen. Auch mit ihrem Schmuck war er hergekommen. Der Chef sah ihn lange wortlos an. Es herrschte Stille, Totenstille. Schließlich konnte Imre nicht mehr schweigen: „Ich habe meine Mutter umgebracht“.

Um 17:45 Uhr wählte der Chef die Notrufnummer 110. Polizeibeamte rasten zu Irens Wohnung. Sie fanden eine Leiche mit ’ner Plastiktüte über dem Kopf. Zeitgleich holten Kripoleute den Täter aus der Kanzlei.

Ob’s heimtückischer Mord war, müssen Richter noch entscheiden. Es war jedenfalls die Tat eines Spielsüchtigen, der glaubte alles im Griff zu haben, vor allem seine Leidenschaft für’s Erzwingen von Glück. Tatsächlich aber wurde er ein Opfer des hohen Suchtpotenzials, das Geldspielautomaten mit Gewinnmöglichkeit so anlockend macht. Die Apparate stehen nicht nur in Spielhallen, nein, nein, auch in Pommesbuden und Eckkneipen,  den typischen Einstiegsorten in die Sucht.

Bei 80 % der Menschen, die Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen kontakten oder in Fachkliniken eingewiesen werden, ist die Abhängigkeit von solchen Spielautomaten der Grund. Dann erst folgen als Krankmacher Casinospiele und Sportwetten. „Es besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der leichten Verfügbarkeit und Zugriffsnähe eines Spielangebots“, verlautet aus der deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Westenwall 4, 59065 Hamm (Telefon: 02381/90150).

Imre wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Schwurgericht: „Der Angeklagte ist bei der Tat mit chirurgischer Präzision vorgegangen. Trotz seiner Spielschulden, die ihn in eine Lebenskrise getrieben haben, ist er voll schuldfähig. Der heimtückische Mord verlief befremdlich exakt.“ Ohne Vorwarnung hatte der frühere Kampfsportler der 76jährigen von hinten den Arm um den Hals gelegt und bis zur Ohnmacht gewürgt. 6 x wickelte er ihr einen Ledergürtel um den Hals und versuchte außerdem, sie mit den Schlägen eines Rundholzes zu töten. Das Umbringen gelang ihm schließlich mit einer Plastiktüte, die er ihr über den Kopf stülpte. Eine Viertelstunde dauerte der ganze Tötungsablauf. Seiner toten Mutter zog er noch 2 Ringe vom Finger, steckte 120,- Euro ein, wischte das Blut mit Küchenkrepp vom Boden auf, ließ die Rolläden herunter, fuhr zur Bank und hob 5.500,- Euro ab, bevor er sich von seinen Geschäftsfreunden per E-mail verabschiedete: „Ich werde bald verhaftet und muss für sehr lange Zeit in’s Gefängnis“


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