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„Er war immer so charmant“

„Gestatten?  Lübbers, Dieter Lübbers. Flugkapitän bei der Lufthansa“. So trickste sich dieser Hochstapler durch’s Leben – und in die Herzen gutgläubiger Frauen. „Er war immer so charmant und spendabel. Geld spielte bei ihm nie ’ne Rolle“, weiß Leonie Ortlinghaus (30) aus Erfahrung. „Ich mochte ihn einfach. Den sympathischen Plauderer mit dem Auftreten eines Bilderbuch-Kavaliers“.

 Wie Rosa Merz (56), Bäuerin, die durch harte Arbeit das Erbe ihrer Eltern zu einem profitablen Landwirtschaftsbetrieb durch die Vermietung von Fremdenzimmern gemacht hatte. „Fasziniert hörte ich ihm zu, wenn der 52jährige von seinen Flugreisen um den Erdball erzählte“. Rosa sah sich dann im Traum schon über den Wolken schweben. „Und mit Dieter und meinem Mann in Lufthansa-Düsenjets den Erball umrunden“, hoffte sie.

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Die brave Landwirtin, verheiratet, Mutter von 4 Kindern, erfreute sich gedanklich an vielen schönen Bildern: die Gangway hoch, begleitet von Flugkapitän Lübbers. Platz nehmen in den Polstern der 1. Klasse. Anschnallen. Am Sektglas mit Orangensaft nippen. Freundliche Stewardessen bemüht, Frau Merz jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

Erst als die Bauersfrau dem sympathischen Plauderer binnen von acht Monaten 85.000,- EURO geliehen hatte und keinen Cent zurückbekam, merkte sie, dass mit dem Piloten was nicht stimmte. Da hatte der Vorbestrafte aber bereits mit seiner Verlobten Leonie Ortlinghaus das Weite gesucht.

Mit der Flucht wurde es für Lübbers aber auch allerhöchste Eisenbahn! Dem wegen Betruges verurteilten „Kapitän der Lüfte“ war die Polizei  nämlich längst auf den Fersen. Bis die Kripo ihn schließlich erwischte, hatte er mit seiner „Gestatten? Lübbers, Dieter Lübbers, Flugkapitän bei der Lufthansa“- Masche sechs weitere Frauen um Zigtausende EURO betrogen.

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In den Gerichtssaal war der geschiedene angebliche Flugkapitän in prominenter Begleitung gekommen: er hatte einen Starverteidiger mitgebracht. Einen der teuersten aus Hamburg. Doch selbst dem blieb die Spucke weg, nachdem der Staatsanwalt die Anklageschrift vorgelesen hatte.

Der Anwalt erklärte danach: „Der Angeklagte gibt alle Verfehlungen zu. Ja, Herr Lübbers hat das viele Geld an sich gebracht, um seinen gehobenen Lebensstil finanzieren zu können. Er weiß, dass er dafür bestraft werden wird“.

Das wusste der eloquente Gauner schon seit 28 Jahren, weil er sich laufend am Vermögen anderer Leute vergriff. Das Amtsgericht Sonthofen verhängte im ersten Verfahren nur 7 Wochen Haft wegen Betruges. 6 Jahre später gab’s vom Amtsgericht Köln ebenfalls wegen Betruges eine 700,- EURO-Geldstrafe. 2 Jahre danach in Düsseldorf wegen Unterschlagung 4 Monate Gefängnis. 2 Jahre darauf in Hagen erneut 4 Monate. 1 Jahr später in Wiesbaden wegen Betruges 14 Monate. Und 1 ½ Jahre darauf in München wegen Diebstahls 1 Jahr Gefängnis. Das Landgericht Frankfurt verhängte schon bald nach der Strafverbüßung wieder wegen Betruges 2 Jahre und 8 Monate Freiheitsstrafe. Kaum draußen war der Ganove in Kassel als Betrüger angeklagt; 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis gab’s dort. Es folgten weitere Verurteilungen in Landshut zu 7 Monaten wegen Betruges. In Rottweil wegen Betruges zu 2 Jahren Haft.

Flugkapitän Lübbers präsentierte gern einen auf seinen Namen ausgestellten Lufthansa-Ausweis, war  aber nie bei dem Luftfahrtunternehmen beschäftigt. Er hat auch niemals ein Cockpit betreten.

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Geld, Geld, immer wieder Geld, da war Dieter Lübbers hinterher wie der Teufel hinter der Seele. Die Strafrichter kamen alle aus dem Staunen nicht heraus, wenn sie in der Vorstrafenakte des Abiturienten, späteren Industriekaufmanns und Datenverarbeiters beim Chemieriesen Bayer, bei IBM und Rank Xerox blätterten: „Sie haben ja in Österreich genau dasselbe gemacht wie hier in Deutschland. Allein in Österreich brachten Sie es auf 31 Betrugsdelikte. Wo sind denn all diese wahnsinnigen Geldbeträge geblieben, die Sie anderen Leuten abgeluchst haben? Zusammengerechnet ist das ja eine Dreiviertelmillion, fast 800.000,- EURO!“

„Immerhin habe ich nie Sozialhilfe kassiert“, stellte sich der Pilot von eigenen Gnaden selbst ein positives Führungszeugnis aus, nachdem das offizielle kein gutes Haar an dem Beschummler ließ.

Der letzte Richter ließ nicht locker: „Wie schafften Sie das zum Beispiel bei der Bäuerin Merz? Das lief da ja  nach demselben Strickmuster ab wie in all den Jahren vorher“. 

Lübbers: „Das klappte, weil wir uns einfach gut verstanden haben“.

Lübbers’ Frau Angelika (42) hatte sich 3 Jahre vor diesem Prozess scheiden lassen, weil sie an der Seite des Berufsbetrügers keine Zukunft mehr sah. Sie verzichtete auf Alimente, denn schon an seine Kinder bezahlte er nichts. Dafür bekam er wegen Unterhaltspflichtverletzung 8 Monate Freiheitsstrafe.

„Die Bilanz von 28 Jahren meines Lebens ist vernichtend. Es spricht nichts für mich. Ich bitte Sie trotzdem, mir eine Chance zu geben“, bat Lübbers den Richter.

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Der antwortete: „Sie werden Ihr Leben nie in den Griff kriegen, wenn Sie nicht Ihre kriminelle Neigung bekämpfen, hinterlistige Gespräche mit Frauen zu führen, um die zu betrügen“.  Dann las er aus dem Vorstrafenregister unseres Nachbarlandes vor.

Massenweise hat „Gestatten? Lübbers…“ Österreicherinnen reingelegt. Das Landesgericht Innsbruck verdonnerte ihn zu 2 Jahren Gefängnis wegen „des Verbrechens des gewerbsmäßigen schweren Betruges und der Urkundenfälschung“. In einem Hotel im schönen Zillertal hinterließ Lübbers  Schulden von 1.100,- Euro. In einem Gästehaus in Innsbruck waren es 2.600,- Euro. An einer Tankstelle 150,- Euro für Benzin. Im Gästehaus Alpenrose im Ötztal 80,- Euro fürs Essen. Und so ging das zügig weiter. Mal waren es 7.000,- Euro, dann 2.000,- Euro, danach 6.800,- oder 500,- Euro, auch mal 75,- Euro.

„Dass mein Freund ein Großbetrüger war und kein Flugkapitän der Deutschen Lufthansa, das merkte ich erst nach 3 Jahren unseres Zusammenseins“, regte sich die Zeugin Leonie Ortlinghaus im Gerichtssaal auf. „Bis zuletzt genoss ich die Verlobungszeit mit Dieter in vollen Zügen. ‚Gestatten? Lübbers, Flugkapitän…’ wurde zum geflügelten Wort meines Liebsten, wenn er mich, gelernte Hotelfachfrau, mit vollgestopfter Brieftasche zum Mitreisen einlud.

Dreimal flogen wir nach Fort Lauderdale, Florida“, schwärmt Leonie heute noch „von diesen unvergesslichen Ausflügen. Es sind alles Dienstreisen“, log mir mein Bräutigam vor. Dass wir uns mit dem Geld anderer Leute vergnügten, ahnte ich nicht. Das 1.Mal blieben wir eine Woche in dem  Sonnenparadies der Reichen und Prominenten. Beim 2. Mal für drei Wochen. Beim 3. Mal für drei Monate.

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Dieter und ich lebten in Florida in einem Appartementhaus. Er verabschiedete sich jeden Morgen mit einem zärtlichen Kuss pünktlich zur Arbeit. Er müsse geschäftlich zum Flughafen in Miami, hat er mir gesagt. Während er – angeblich – dort bei der Lufthansa sein Geld verdiente, habe ich mir einen schönen Tag gemacht. Ich bin bummeln gegangen oder Sonnenbaden. Ich verbrachte meine Zeit in Cafés, am Strand, im Meer. Es war herrlich!  

Wenn wir in Deutschland landeten, ging er immer übers Rollfeld, nie mit mir durch die normale Ausgangskontrolle. Er besaß einen Lufthansa-Ausweis. Wie er daran gekommen ist, verstehe ich bis heute nicht“, erzählt Leonie kopfschüttelnd.

Mit den Worten „Flugkapitäne dürfen keine Schulden machen, weil sie soviel im Ausland unterwegs sind und schnell untertauchen können“, bestellte Herr Lübbers auf Leonies Namen bei einem Münchener Autohaus einen Audi für 68.000,- EURO. „Aus Liebe zu ‚Gestatten? Lübbers, Flugkapitän…’ nahm ich – blind vor Liebe – einen Kredit auf. Längst ist das schöne Auto futsch. Ich sitze auf einem Schuldenberg. Ich musste sogar im Amtsgericht die Eidesstattliche Versicherung abgeben und erklären, dass ich nichts besitze. Das bedeutet,  mir wird alles weggenommen, was über der Lohn-Pfändungsgrenze von  1.079,99 EURO liegt“. 

Wie geriet sie an Lübbers? „Wir haben uns in einem Lokal kennengelernt. Ich arbeitete dort als Kellnerin, er kam als Gast. Dieter gefiel mir auf Anhieb! Sein Benehmen, seine Redegewandtheit, sein Charme, sein gesamtes Äußeres, einfach super! Er war immer so charmant! Trug teure italienische Schuhe. Seine Kaschmirpullis waren das Beste vom Feinsten. Er warf mit Geld um sich!

Wenn er mit mir einkaufen fuhr, dann nur in Läden der Luxusklasse. Wenn uns die Verkäuferinnen kommen sahen, schlugen die vor Neid schon die Hände vors Gesicht. Dieter gab sich immer spendabel, sagte laut, dass es jeder hören konnte: ‚Kauf, was du willst, meine Liebe. Der Laden gehört dir’. Wir zogen von einer Boutique zur nächsten. Kauften Lederjacken und Designer Stoffhosen. Den Tag ließen wir regelmäßig in Feinschmeckerlokalen ausklingen. Geld spielte keine Rolle.

Er schenkte mir Goldschmuck. Diamanten. Ein tolles E-Bike für 3.800,- Euro. Aus Liebe zu ihm gab ich meine Wohnung auf.  Ich kann die Radtouren nicht mehr zählen, die wir gemeinsam unternommen haben.  

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Im 1. Stock eines Neubaus mietete er eine 100 qm große Wohnung für uns beide.  Er ging regelmäßig morgens fort. Flog nach eigenen Angaben von Paderborn zur Arbeit nach Frankfurt. Abends war er pünktlich wieder zurück. Damit mir die Decke nicht auf den Kopf fiel, arbeitete ich als Bedienung in einer Gaststätte“.

Dass er nicht nach Frankfurt flog, sondern eine neue Geldader angezapft hatte, erfuhr Leonie, als „Gestatten? Lübbers, Flugkapitän…“ plötzlich und unerwartet von ihrer Seite gerissen wurde und in Untersuchungshaft wanderte. Die Verhaftung stand am Ende einer erholsamen Wanderung von der Wohnung hin zum Hof der Familie Merz.

Lübbers hatte dort mit seiner unterhaltenden Art das Vertrauen der Landwirtin Rosa gewonnen. Deren Ehemann Poldi (45) bemerkte von der Schwärmerei seiner Gattin nichts, denn er war bei den Unterhaltungen nie dabei. Mit dem Neubau eines Viehstalls für eine halbe Million hatte er genug zu tun. Für Schwätzereien fehlte ihm die Zeit.

„Ich wunderte mich zwar, dass der feine Herr, der anfangs seine Freundin Leonie mit dabei hatte, so viele Stunden bei uns zubrachte. Der war immer fröhlich, lachte viel, ließ sich unser Weizenbier schmecken. Erst als mir meine Frau ihre Dummheiten gestand, wusste ich, warum sich der angebliche Pilot bei uns so wohlgefühlt hatte“.

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„Gestatten? Lübbers, Flugkapitän…“ erklärte der arglosen Bäuerin, dass seine geschiedene Ehefrau finanzielle Schwierigkeiten habe. Die sei Stewardess bei der Lufthansa und dürfe nicht mehr fliegen. Nun fehle ihnen beiden natürlich dieser Lohn. An sein eigenes Geld komme er bis Ende des Jahres nicht ran. Das sei in Panama fest angelegt und bringe hohe Zinsen. Er werde alles, was Rosa Merz ihm leihweise zur Verfügung stelle, plus Zinsen zurückbezahlen.

Die wohlhabende Hofherrin schob dem Betrüger nach und nach Einzelbeträge zwischen 1.500,- und 4.500,- Euro über den Tisch. Insgesamt 85.000,- Euro innerhalb eines Jahres!

Dafür wurde Lübbers wegen Betrugs zu 3 Jahren Freiheitsstrafe und zur Rückzahlung von 85.000,- EURO plus 5 % Zinsen verurteilt.  „Eine niedrigere Strafe wäre grob ungerecht“, hieß es in der Urteilsbegründung.

„Gestatten? Lübbers, Flugkapitän…“ muss vor diesen 3 Jahren Haft zunächst aber noch zwei alte Strafen verbüßen, die zur Bewährung ausgesetzt waren: eine von 4 Monaten, eine weitere von 2 Jahren. Erst wenn er die insgesamt 28 Monate abgesessen hat, beginnt das neue Zeitalter von 3 Jahren für ihn.

„Das bedeutet“, so der Richter, „dass Sie vor Ihrem 58. Geburtstag die Freiheit nicht wiedersehen werden. Es wurde aber auch allerhöchste Zeit für einen längeren Aufenthalt hinter Schloss und Riegel für Sie! Mein Tipp: nutzen Sie die knapp fünfeinhalb Jahre im Gefängnis, um ein neuer Mensch zu werden. Das wünsche ich mir vor allem für die Justiz. Denn dann bliebe uns viel Arbeit mit Ihnen erspart“.

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